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Nach Skandalen : Nie mehr Silberpreise aus London

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Silber: Kein Fixpreis mehr aus London Bild: dpa

Eine Tradition geht zu Ende. nach 117 Jahren wird ab August in London kein Silberpreis mehr festgelegt werden. Dieses war seit einiger Zeit wegen mutmaßlicher Preisabsprachen in Verruf geraten.

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          Nach 117 Jahren ist das börsentägliche Fixing des Silberpreises in London bald Geschichte. Am 14. August werde dieser Referenzkurs, der vielen Anlegern und Unternehmen als Grundlage für Edelmetall-Geschäfte dient, letztmalig ermittelt, kündigte die London Silver Market Fixing Ltd. am Mittwoch an.

          Angesichts zahlreicher Untersuchungen der Behörden wegen möglicher Manipulationen an den Zins- und Devisenmärkten hatte die Deutsche Bank zu Jahresbeginn beschlossen, sich nicht mehr an der Feststellung der offiziellen Referenzpreise für Gold und Silber zu beteiligen. Im April kündigte das Geldhaus dann an, sich aus der Gruppe der Institute zurückzuziehen, die an der Silberpreis-Ermittlung teilnehmen. Damit wären nur noch HSBC und die Bank of Nova Scotia übrig geblieben.

          Die Deutsche Bank werde nun aber bis zum endgültigen Ende des Fixings im August an Bord bleiben, betonte London Silver Market Fixing Ltd. Die Referenzpreise werden bei einer Telefonkonferenz der beteiligten Geldhäuser festgelegt. Die zumindest teilweise erfolgreichen Versuche von Banken, Referenzsätze wie den Zinssatz Libor oder auch Devisenkurse zu beeinflussen, haben weltweit Aufseher und Investoren aufgeschreckt.

          Der Silberhandel in London hat eine lange Tradition. Das erste schriftlich festgehaltene Geschäft wurde 1676 getätigt zum Preis von 63 Pennies für die Feinunze. Gehandelt wurde damals meist in Cafés, doch der Silberpreis schien sich wenig zu ändern. 1853 lag der Preis der Feinunze bei 61,5 Pennies. Heute kostet die Feinunze 11 Pfund und 55 Pennies. Da aber das Pfund erst seit 1971 in 100 Pennies eingeteilt ist, entspricht der Preis von 1853 nominell nur knapp 26 Pennies.

          Das tägliche Fixing durch vier Handelshäuser begann offiziell 1897. Bald danach gab es auch einen ersten Terminpreis mit einer Frist von zwei Monaten. Das Metall war noch billiger geworden: 1897 zahlte man 27 9/16 Pennies für die Feinunze. 1967 wurden weitere Terminpreise und ein Dollarkurs eingeführt. 1999 kam ein Europreis dazu.

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