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Nicht nur Picasso : Luxusgüter werden immer teurer

Bild: F.A.Z.

Mit Luxus konnte in den vergangenen zehn Jahren eine gute Rendite eingefahren werden. Am besten entwickelten sich Oldtimer. Aber auch Münzen haben ihren guten Ruf bestätigt. Vor allem Chinesen greifen zu.

          Es war eine durch und durch verrückte Auktion, die sich da am Montag bei Christie’s in New York abspielte. Kunst im Wert von 620 Millionen Euro kam unter den Hammer. Besondere Beachtung bekamen dabei zwei Kunstwerke, die neue Versteigerungsrekorde erzielen konnten. Zum einen „Les Femmes d’Alger“, zu Deutsch „Frauen von Algier“. Das vom 1973 gestorbenen Pablo Picasso gemalte Gemälde erlöste schier unglaubliche 161 Millionen Euro. Das Bild ist eine Interpretation eines klassischen Werkes von Eugène Delacroix. Insgesamt entstanden 15 Variationen des Bildes, die mit den Buchstaben A bis O benannt wurden. Die nun versteigerte „Version O“ gehört zu den berühmtesten. Zuvor war das teuerste Gemälde Francis Bacons „Drei Studien von Lucian Freud“, welches vor gut eineinhalb Jahren 142,4 Millionen Dollar erlöste. Noch ein Rekord wurde am Montag erzielt: die mannshohe Statue „Der zeigende Mann“ des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti wechselte für 126,82 Millionen Euro den Besitzer.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit folgt die Kunst dem Trend auf dem Luxusgütermarkt: Was teuer ist, wird immer teurer. Denn auch die Preise anderer Luxusgüter steigen immer weiter. Zum Beispiel Oldtimer. Für einen roten Ferrari 250 GTO, Baujahr 1962, zahlte ein Liebhaber im vergangenen Jahr 38 Millionen Dollar. Den Wagen haben die Italiener nur 39 Mal gebaut. Außerdem war es das letzte Modell mit einem klassischen 3-Liter-V12-Motor von Konstrukteursguru Giotto Bizzarrini, der Ferrari im Jahr 1962 im Streit verließ.

          Münzen mit Plus von 232 Prozent

          Hervorragend entwickelten sich auch Münzen mit einem Plus von 232 Prozent in zehn Jahren. Dort stach der „Wehendes Haar“-Silberdollar hervor, der für 10 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Angeblich ist die Münze die erste jemals hergestellte Münze der amerikanischen Münzprägerei Mint und damit ein echtes Stück Geschichte. Freilich, das alles sind Extrembeispiele. Doch dass Luxusgüter immer wertvoller werden, ist unbestritten. Das bildet zum Beispiel der Luxusinvestmentindex der Beratungsagentur Knight Frank ab. Dieser Index überschaut einen breiten Markt. Neben Oldtimern und Kunst umfasst er auch chinesische Keramik, Münzen, antike Möbel, Juwelen, Wein, Briefmarken und auch Uhren. Jede dieser Kategorien basiert auf einem einzelnen Index, den Marktexperten errechnen. Knight Frank fasst sie dann in dem Luxusinvestmentindex zusammen und gewichtet sie je nach Popularität und relativem Wert des Luxusgutes.

          Der Index legte in den vergangenen zehn Jahren um 205 Prozent zu. Größter Treiber dafür waren Oldtimer mit einem Plus von 487 Prozent in zehn Jahren. Direkt danach findet sich Kunst mit einem Plus von 252 Prozent. Auf den Plätzen drei und vier folgen Wein mit 234 Prozent und Münzen mit 232 Prozent. Auch Briefmarken konnten mit einer Wertsteigerung von 195 Prozent überzeugen. „Briefmarken und Münzen haben ihren langfristigen Wertgewinn wieder bestätigt und ihren Ruf als echte Anlagealternative gefestigt“, heißt es in der Studie.

          Das hängt vor allem mit immer mehr Superreichen zusammen – besonders in Fernost. Die wollen ihr Geld gewinnbringend investieren und suchen sich abseits der Aktien- und Anleihemärkte neue Spielfelder. Sie schlagen bei allem zu, was Knappheit verspricht und nicht von einer negativen Zinsbelastung wie etwa bei Staatsanleihen bedroht ist. Außerdem sieht ein Picasso im heimischen Palast wesentlich besser aus als ein Vorteilsschein einer Aktie. Ein weiterer Grund für steigende Preise ist eine normale Inflation, die bei Luxusgütern genauso zuschlägt wie bei Waren des täglichen Bedarfs. So hat sich der Kunstgeschmack in den vergangenen Jahren nicht radikal verändert. Das heißt, ein Bild, welches für 100 Millionen Dollar verkauft wurde und heute noch im selben Zustand ist, wird nicht weniger wert sein. Wenn dazu noch eine steigende Zahl von Interessenten kommt, weil mehr Leute in Sachwerte investieren, sind steigende Preise die normale Folge.

          Möbel ohne Renditechancen

          Doch zuletzt kühlte der Luxusmarkt etwas ab. Abgesehen von den Ausnahmeversteigerungen, lahmt der Markt für Kunst gerade. Die Entwicklung über zehn Jahre ist zwar beeindruckend, doch über ein Jahr verzeichneten die „Alten Meister“ nur eine Steigerung von 5 Prozent, Moderne Kunst stagnierte sogar, und Zeitgenössische Kunst legte nur ein Prozent zu. „Der überhitzte Markt landet wieder auf dem Boden der Tatsachen“, heißt es dazu in der Studie. Doch Kunst ist nicht gleich Kunst: So konnten europäische Gemälde aus dem 19. Jahrhundert ihren Wert im vergangenen Jahr um 20 Prozent steigern, europäische Impressionisten immerhin noch um 12 Prozent. Bei Knight Frank heißt es, der Markt werde weiterhin volatil bleiben. „Auch wenn manche Künstler Rekordergebnisse bei Versteigerungen erzielen, sind viele Käufer vorsichtiger geworden“, schätzten die Analysten den Markt im Jahr 2013 ein. Wie lässt sich der Widerspruch zwischen den rasant steigenden Preisen für Bilder und dem doch sinkenden Index erklären? Ganz einfach: Während einige Spitzenwerke immer teurer werden, stagniert normale Kunst. Genauso verhält es sich bei anderen Wertklassen. Deshalb sind Luxusgüter nur etwas für absolute Experten, die sich im Markt gut auskennen. Einfach eine Flasche Wein kaufen und 35 Jahre lang stehen lassen, wird nicht ausreichen.

          Ein schlechtes Investment waren antike Möbel. Wer sich schon immer einen alten Echtholzsekretär aus Eiche kaufen wollte, kann das gern machen – er sollte das nur nicht als Investment mit Renditechance sehen, sondern eben als Möbelstück. So haben antike Möbelstücke in den vergangenen zehn Jahren knapp 28 Prozent an Wert verloren. „Möbel werden auch weiter an Boden verlieren, da der antike Stil immer mehr an Popularität verliert“, fassen die Analysten der Studie zusammen.

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