https://www.faz.net/-gv6-vf55

Neuer Preisrekord : Analysten fürchten Panik am Reismarkt

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Die Hausse am Reismarkt hat durch Spekulationen über ein knapper werdendes Angebot weiteren Schwung erhalten. Die Weltbank befürchtet, dass nun auch der weltgrößte Reisexporteur Thailand seine Ausfuhren beschränken könnte.

          2 Min.

          Die Hausse am Reismarkt hat durch Spekulationen über ein knapper werdendes Angebot weiteren Schwung erhalten. Die Weltbank befürchtet, dass nach anderen Staaten auch der weltgrößte Reisexporteur Thailand seine Ausfuhren beschränken könnte und sich die weltweite Nahrungsmittelkrise damit verschärft.

          Am Terminmarkt Chicago wurde Reis am Mittwoch zu einem neuen Rekordpreis gehandelt. Das Grundnahrungsmittel für die Hälfte der Weltbevölkerung kostete zeitweise 24,745 Dollar je 100 Pound (45,4 Kilogramm) und damit 2,3 Prozent mehr als am Vortag. „Wenn ein wichtiger Exporteur wie Thailand seinen Auslandsabsatz verringert, wäre das, als ob Saudi-Arabien weniger Öl exportieren würde“, sagt James Adams, Vice President bei der Abteilung Ostasien/Pazifik der Weltbank.

          Reispreis hat sich in kurzer Zeit verdoppelt

          In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Weltmarktpreis für Reis mehr als verdoppelt. Auch die Preise von Weizen, Mais und Sojabohnen sind in diesem Jahr in beispiellose Höhen geklettert. In Haiti, Ägypten und anderen Ländern hat diese Teuerung bereits zu Unruhen geführt. Um der Inflation entgegenzuwirken und die Versorgung der eigenen Bevölkerung zu verbessern, exportieren die Erzeugerländer China, Vietnam, Indien und Ägypten mittlerweile weniger Reis ins Ausland.

          „Wenn Thailand sich entscheidet, den Export einzuschränken, würde das am Weltmarkt Panik auslösen“, sagt Kenji Kobayashi, Getreideanalyst bei der Vermögensverwaltung Kanetsu Asset Management in Tokio. Aus dem südasiatischen Land stammt ein Drittel der weltweit exportierten Menge Reis, wie das amerikanische Landwirtschaftsministerium schätzt. Thailand verkauft fast doppelt soviel Reis ins Ausland wie der weltweit zweitgrößte Exporteur, Indien.

          Aufkommende Tendenz zum Protektionsmus

          Weltbank-Manager Adams warnte, Thailand könnte dem Beispiel seiner asiatischen Nachbarn folgen und ebenfalls den Export einschränken. „Je mehr Länder ihre Ausfuhren verringern, desto größer wird der Druck auf Thailand, dem Beispiel zu folgen“, sagte Adams am Montag im Interview mit Bloomberg News. Thailands Ministerpräsident Samak Sundaravej hatte am Dienstag erklärt, sein Land werde den Reisexport angesichts der Rekordpreise nicht einschränken. Seine Regierung werde keine Maßnahmen ergreifen, die die Preise verzerren würden.

          Der Preis von weißem Reis der Güteklasse B lag am 9. April, dem Datum der jüngsten verfügbaren Notierung, bei 854 Dollar je Tonne. Die Sorte gilt als Maßstab für die Entwicklung der Exportpreise. Vor zwölf Monaten lag dieser Preis bei 327,25 Dollar je Tonne. Der Verband Thailändischer Reisexporteure warnte indes, die Preisrally dürfte die Auslandsnachfrage nach Reis drücken. Das Ausfuhrvolumen drohe angesichts dessen bis zum Jahresende um ein Drittel zu sinken.

          Weitere Themen

          Alibaba zieht Börsengang in Hongkong durch

          Trotz Protesten : Alibaba zieht Börsengang in Hongkong durch

          Der chinesische Internetkonzern will 12,9 Milliarden Dollar in Hongkong einsammeln, obwohl dort Proteste gegen China toben. Die Entscheidung könnte auch mit politischem Druck aus Peking zu tun haben.

          Topmeldungen

          Mord an Fritz von Weizsäcker : Aus Abneigung gegen den Vater

          Der Mörder von Fritz von Weizsäcker ist offenbar psychisch krank. Die Messerattacke auf den Sohn des früheren Bundespräsidenten soll er im Detail geplant haben. Sein angebliches Motiv wirft Fragen auf.
          Ministerpräsident Armin Laschet in der Staatskanzlei in Düsseldorf

          Armin Laschet im Interview : „Wir wollen den Erfolg von AKK“

          Vor ihrem Parteitag macht die CDU einen aufgescheuchten Eindruck. Der stellvertretende Parteivorsitzende und NRW-Ministerpräsident, Armin Laschet, spricht im F.A.Z.-Interview über die Querelen in der CDU, über AKK, über Windkraft – und Kopftücher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.