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Neue Unstimmigkeiten am Finanzmarkt : Verdacht auf Manipulation von Wechselkursen

Fragwürdigen Praktiken im internationalen Devisenmarkt: Hat die Deutsche Bank etwas zu verbergen? Bild: REUTERS

Die Schweizerische Aufsicht ermittelt gegen mehrere Banken: Wechselkursen an den internationalen Devisenmärkten sollen manipuliert worden sein. Gerüchte über Fehlverhalten hatte es schon länger gegeben.

          Nach dem Skandal um die Manipulationen von Zinssätzen (Libor) bahnt sich ein weiterer Skandal an den internationalen Finanzmärkten an. Dieses Mal geht es um Manipulationen von Wechselkursen an den internationalen Devisenmärkten. Mehrere in der Schweiz tätige Finanzinstitute stehen nach Angaben der Finanzmarktaufsicht des Landes im Verdacht, sich an solchen Machenschaften beteiligt zu haben.

          Gleichzeitig teilt die Aufsicht mit, sie stehe mit Behörden in anderen Ländern in Kontakt, da potentiell noch weitere Banken betroffen sein könnten. Derweil meldet die schweizerische Internetseite „Zürich Paradeplatz“, die Großbank UBS habe sich von zwei Devisenhändlern getrennt. Die Bank nimmt hierzu keine Stellung. Der weltumspannende Devisenhandel beträgt nach Schätzungen rund 4.700 Milliarden Dollar am Tag.

          Die Praktiken könnten zehn Jahre in die Vergangenheit reichen

          Die Fachzeitschrift „Euromoney“ berichtet, dass alleine auf die Deutsche Bank, die UBS, die britische Barclays und die amerikanische Citigroup die Hälfte des Umsatzes im globalen Devisenhandel entfallen soll. Die Deutsche Bank kommentierte auf Anfrage die Berichte aus der Schweiz nicht. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte im Juni erstmals über den Verdacht von Manipulationen im internationalen Devisenmarkt berichtet und geschrieben, die fragwürdigen Praktiken könnten rund zehn Jahre in die Vergangenheit zurückreichen.

          Dabei geht es, ähnlich wie beim Skandal um die als Libor bezeichneten Londoner Zinssätze für kurzfristige Kredite, um Referenzangaben für eine Vielzahl von Finanzgeschäften. Der Devisenmarkt ist grundsätzlich nicht reguliert und er findet auch nicht an offiziellen Börsen statt. Reguliert sind allerdings die Banken, die sich an dem Handel beteiligen. Kurse werden im elektronischen Handel fortwährend immer neu berechnet. Allerdings sind Banken und Unternehmen an quasi-offiziellen, nachvollziehbar ermittelten Wechselkursen interessiert, die sie als Grundlage für die Herstellung spezieller Finanzprodukte oder zur Abwicklung grenzüberschreitender Gütergeschäfte verwenden können.

          Auch Wirtschaftsprüfer achten auf diese Wechselkurse. Diese sogenannten Fixing-Wechselkurse werden überwiegend von dem Unternehmen WM Company, einer Tochtergesellschaft der amerikanischen Bank State Street, sowie von der Nachrichtenagentur Reuters auf der Basis aktueller und anonymer Geschäfte zu vorab festgelegten Zeitpunkten während eines Tages ermittelt.

          Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte im Juni mit Verweis auf fünf namentlich nicht genannte Händler berichtet, es bestehe der Verdacht, dass Banken Kunden geschädigt haben sollen, indem sie Geschäfte im Kundenauftrag absichtlich unmittelbar vor dem Fixing ausgeführt hätten, anstatt diese Kurse kurz danach zum Fixing-Preis auszuführen.

          Vor allem am Monatsende stiegen die Wechselkurse

          Mit dem Wissen um die vertraulichen Aufträge der Kunden hätten Beschäftigte der Bank versuchen können, zu Lasten dieser Kunden gewinnversprechenden Eigenhandel zu betreiben. Aufgefallen war, dass in den vergangenen Jahren vor allem am Monatsende Wechselkurse unmittelbar vor dem Fixing gestiegen waren. Kurz danach gaben die Kurse wieder nach. Aus dieser Beobachtung alleine ließ sich jedoch allenfalls der Verdacht einer Manipulation herleiten; als Beweis für die Manipulation von Wechselkursen zu Lasten von Kunden galt die Beobachtung jedoch noch nicht.

          Die britische Finanzaufsicht bestätigte am Freitag, dass sie in Kontakt mit ihren Kollegen in der Schweiz steht. London gilt als der mit weitem Abstand wichtigste Handelsplatz für Währungen auf der Welt. Im Zuge des Skandals um den Geldmarktzins Libor, der ebenfalls in London von Banken ermittelt wird, wurden schon Bußen in Milliardenhöhe fällig.

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