https://www.faz.net/-gv6-7i51q

Neue Unstimmigkeiten am Finanzmarkt : Verdacht auf Manipulation von Wechselkursen

Fragwürdigen Praktiken im internationalen Devisenmarkt: Hat die Deutsche Bank etwas zu verbergen? Bild: REUTERS

Die Schweizerische Aufsicht ermittelt gegen mehrere Banken: Wechselkursen an den internationalen Devisenmärkten sollen manipuliert worden sein. Gerüchte über Fehlverhalten hatte es schon länger gegeben.

          Nach dem Skandal um die Manipulationen von Zinssätzen (Libor) bahnt sich ein weiterer Skandal an den internationalen Finanzmärkten an. Dieses Mal geht es um Manipulationen von Wechselkursen an den internationalen Devisenmärkten. Mehrere in der Schweiz tätige Finanzinstitute stehen nach Angaben der Finanzmarktaufsicht des Landes im Verdacht, sich an solchen Machenschaften beteiligt zu haben.

          Gleichzeitig teilt die Aufsicht mit, sie stehe mit Behörden in anderen Ländern in Kontakt, da potentiell noch weitere Banken betroffen sein könnten. Derweil meldet die schweizerische Internetseite „Zürich Paradeplatz“, die Großbank UBS habe sich von zwei Devisenhändlern getrennt. Die Bank nimmt hierzu keine Stellung. Der weltumspannende Devisenhandel beträgt nach Schätzungen rund 4.700 Milliarden Dollar am Tag.

          Die Praktiken könnten zehn Jahre in die Vergangenheit reichen

          Die Fachzeitschrift „Euromoney“ berichtet, dass alleine auf die Deutsche Bank, die UBS, die britische Barclays und die amerikanische Citigroup die Hälfte des Umsatzes im globalen Devisenhandel entfallen soll. Die Deutsche Bank kommentierte auf Anfrage die Berichte aus der Schweiz nicht. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte im Juni erstmals über den Verdacht von Manipulationen im internationalen Devisenmarkt berichtet und geschrieben, die fragwürdigen Praktiken könnten rund zehn Jahre in die Vergangenheit zurückreichen.

          Dabei geht es, ähnlich wie beim Skandal um die als Libor bezeichneten Londoner Zinssätze für kurzfristige Kredite, um Referenzangaben für eine Vielzahl von Finanzgeschäften. Der Devisenmarkt ist grundsätzlich nicht reguliert und er findet auch nicht an offiziellen Börsen statt. Reguliert sind allerdings die Banken, die sich an dem Handel beteiligen. Kurse werden im elektronischen Handel fortwährend immer neu berechnet. Allerdings sind Banken und Unternehmen an quasi-offiziellen, nachvollziehbar ermittelten Wechselkursen interessiert, die sie als Grundlage für die Herstellung spezieller Finanzprodukte oder zur Abwicklung grenzüberschreitender Gütergeschäfte verwenden können.

          Auch Wirtschaftsprüfer achten auf diese Wechselkurse. Diese sogenannten Fixing-Wechselkurse werden überwiegend von dem Unternehmen WM Company, einer Tochtergesellschaft der amerikanischen Bank State Street, sowie von der Nachrichtenagentur Reuters auf der Basis aktueller und anonymer Geschäfte zu vorab festgelegten Zeitpunkten während eines Tages ermittelt.

          Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte im Juni mit Verweis auf fünf namentlich nicht genannte Händler berichtet, es bestehe der Verdacht, dass Banken Kunden geschädigt haben sollen, indem sie Geschäfte im Kundenauftrag absichtlich unmittelbar vor dem Fixing ausgeführt hätten, anstatt diese Kurse kurz danach zum Fixing-Preis auszuführen.

          Vor allem am Monatsende stiegen die Wechselkurse

          Mit dem Wissen um die vertraulichen Aufträge der Kunden hätten Beschäftigte der Bank versuchen können, zu Lasten dieser Kunden gewinnversprechenden Eigenhandel zu betreiben. Aufgefallen war, dass in den vergangenen Jahren vor allem am Monatsende Wechselkurse unmittelbar vor dem Fixing gestiegen waren. Kurz danach gaben die Kurse wieder nach. Aus dieser Beobachtung alleine ließ sich jedoch allenfalls der Verdacht einer Manipulation herleiten; als Beweis für die Manipulation von Wechselkursen zu Lasten von Kunden galt die Beobachtung jedoch noch nicht.

          Die britische Finanzaufsicht bestätigte am Freitag, dass sie in Kontakt mit ihren Kollegen in der Schweiz steht. London gilt als der mit weitem Abstand wichtigste Handelsplatz für Währungen auf der Welt. Im Zuge des Skandals um den Geldmarktzins Libor, der ebenfalls in London von Banken ermittelt wird, wurden schon Bußen in Milliardenhöhe fällig.

          Weitere Themen

          Der Mann für die schwierigen Fälle

          Anwalt soll Bayer helfen : Der Mann für die schwierigen Fälle

          Kenneth Feinberg ist in den Vereinigten Staaten ein Staranwalt – und kennt sich aus mit Unternehmenskrisen. Nun soll er dem in Bedrängnis geratenen Bayer-Konzern in den Glyphosat-Fällen helfen. Auch ein anderer deutscher Konzern hat Erfahrung mit ihm.

          Die größten Börsengänge Video-Seite öffnen

          Das sind die Top 10 : Die größten Börsengänge

          Uber wird bei seinem Börsengang etwas mehr als acht Milliarden Dollar erlösen – und kommt damit nicht unter die Top 10 der größten Börsengänge. Die ersten vier Plätze belegen Konzerne aus China; aus Deutschland ist ein Unternehmen dabei.

          Topmeldungen

          Faksimile des Ur-Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland von 1949, unterzeichnet vom Konrad Adenauer (CDU), Präsident des Parlamentarischen Rates und seinen Vizepräsidenten Adolph Schönfelder (SPD) und Hermann Schäfer (FDP).

          70 Jahre Grundgesetz : Eine zeitlose Verfassung

          Das Grundgesetz ist zur Bibel der Deutschen geworden. Wer verstehen will, wer wir sind und woran wir glauben, sollte sie lesen. Wer zu uns gehören möchte, muss ihre Gebote befolgen.
          Tierschutz hat seinen Preis – die meisten Kunden sind nicht bereit, ihn zu zahlen.

          Kükenschreddern in Deutschland : Kein Herz für Küken

          45 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr getötet, weil sie für die Landwirtschaft nutzlos sind. Dabei gibt es Alternativen. Doch die scheitern auch an den Verbrauchern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.