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Nahrungsmittel : Inflationssorgen wachsen - wegen Soja

Ein teures Gut: die Sojabohne. Bild: dapd

Die Inflation im Euroraum geht gerade zurück, da drohen schon neue Preissteigerungen. Der Grund erscheint erst mal obskur: Es sind Sojabohnen.

          2 Min.

          Gerade lässt die Inflation im Euroraum nach - da wachsen die Sorgen vor neuen Preissteigerungen für Nahrungsmittel.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der Grund scheint überraschend: Es sind die Sojabohnen. Ihr Preis ist in den vergangenen Wochen in schwindelerregende Höhen gestiegen. Die Preise bewegen sich um 15 Dollar je Scheffel (rund 35 Liter) - ein Wert, den sie in den vier Jahren zuvor nicht erreicht haben. Zuletzt gab es solche Preise 2007 und 2008. Damals lösten sie eine Hungersnot aus.

          Bild: FAZ

          Derzeit ist in den Verbraucherpreisen nichts zu sehen. Die Inflation in der Eurozone ging von 2,7 Prozent im März auf 2,6 Prozent im April zurück, wie die Statistiker der Europäischen Union mitteilten. Doch der Sojapreis ängstigt jetzt so manchen Kenner.

          Soja ist eine Basis der Nahrungskette

          Warum ist Soja so wichtig? Die Hülsenfrucht ist eine Basis der Nahrungskette. Obwohl in Europa nur wenige Menschen Sojaprodukte essen, steckt die Frucht indirekt in vielen Lebensmitteln. Soja wird beispielsweise als Futter für Kühe, Schafe und Schweine verwendet. Als Öl dient es auch als Zutat für Nahrungsmittel wie Kuchen und Keks. Außerdem werden Sojabohnen in Argentinien und den Vereinigten Staaten als Biokraftstoff genutzt. Je teurer der Rohstoff also wird, desto stärker könnte er die Inflation treiben. In China und vielen südamerikanischen Ländern essen die Menschen Soja sogar direkt. Sie sind von der Preissteigerung noch stärker betroffen.

          Bild: FAZ

          Momentan wird Soja immer teurer, weil das globale Angebot zurückgegangen ist. Wichtige Anbauländer hatten durch das Wetterphänomen El Niňo mit Dürren zu kämpfen. In Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay sind die Ernten größtenteils ausgefallen. Das amerikanische Agrarministerium erwartet, dass die globale Ernte für 2011 und 2012 den größten Ausfall seit Beginn der Datenerhebung 1965 zu verzeichnen haben wird.

          Zudem importieren die Chinesen, die weltweit am meisten Sojabohnen konsumieren, immer mehr davon. Für China ist die Sojabohne mit 57 Millionen Tonnen im Jahr der wichtigste Agrarimport.

          Rohstoffhändler erwarten weitere zehn Prozent Preissteigerung

          Im vergangenen Monat ist der Preis für Sojabohnen um mehr als zehn Prozent gestiegen. Auch andere Speiseöle etwa aus Raps haben sich verteuert. Rohstoffhändler erwarten, dass der Preis noch um weitere zehn Prozent steigen könnte - er würde dann rund 16 bis 17 Dollar je Scheffel erreichen. Weit entfernt liegt er nicht von seinem Allzeithoch bei 16,63 Dollar im Sommer 2008. „Von einer Entspannung der schwierigen Situation im Sojabohnenmarkt kann weiterhin keine Rede sein“, findet Günther Scheppler, Rohstoff-Analyst der DZ Bank.

          Die Hoffnung: Mehr Sojaproduktion

          Möglich bleibt, dass der Preisanstieg sich selbst bekämpft. Für Produzenten werde es lukrativer, die Anbauflächen auszubauen, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Vor allem in den Vereinigten Staaten, die bisher 40 Prozent der globalen Sojabohnenexporte beisteuern, wiesen die Bauern nun größere Flächen für Sojabohnen aus. In der Europäischen Union sei der Trend ähnlich. Daher werde sich die Angebotsseite bald wieder entspannen. „Kurzfristig kann es noch weiter nach oben gehen, wenn es zu weiteren Abwärtsrevisionen der Ernteprognosen kommt und weitere Anleger auf den Zug aufspringen“, sagt Fritsch. Weil es immer mehr Sojakäufer und immer weniger Verkäufer gebe, seien aber fast schon blasenartige Zustände erreicht.

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