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Nachfrage steigt : Diamantenhandel lässt die Finanzkrise hinter sich

Vermögen auf engsten Raum Bild: Reuters

Der Preis für die Edelsteine steigt über das Niveau von 2008. Die Minen investieren wieder in die Förderung. In vielen Bergwerken ist der Höhepunkt der Ausbeute allerdings schon überschritten, was die Preise langfristig weiter in die Höhe treiben könnte.

          Auf dem Diamantenmarkt ziehen die Preise an. Schon jetzt wird für Rohdiamanten mehr bezahlt als vor Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Um bis zu 30 Prozent legten die Preise im vergangenen Jahr zu. Im laufenden Jahr rechnet Marktführer De Beers mit weiteren Preissprüngen. „Wir erwarten eine solide Entwicklung, wenn auch die Zuwachsraten von 2010 wohl nicht mehr erreicht werden“, sagte Varda Shine, Chefin der Diamond Trading Company, der Vermarktungsgesellschaft von De Beers. Etwas langsamer erholt sich der Markt für polierte Steine. Deren Preis stieg laut Branchendienst Rapaport um 10 Prozent.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Nach überstandener Wirtschaftskrise sind Diamanten wieder auf den großen Märkten rund um den Erdball gefragt. In den Vereinigten Staaten, dem größten Schmuckmarkt der Welt, verzeichneten die Händler nun ein besseres Weihnachtsgeschäft als noch ein Jahr zuvor. Noch stärker nimmt die Nachfrage in China und Indien zu, wo Händler ihre Bestände neu aufstocken. Asiatische Abnehmer preschen im Juwelengeschäft rasant nach vorne. Derzeit stammt etwa 16 Prozent der Weltnachfrage aus Indien, China, Hongkong und Taiwan. Bis 2016 dürften es 30 Prozent werden. Wie groß die Nachfrage nach Diamanten in Fernost ist, zeigte sich im vergangenen Jahr, als der südafrikanische Konzern Petra Diamonds einen 507 Karat schweren Rohdiamanten zum Preis von 35,3 Millionen Dollar an ein Unternehmen aus Hongkong verkaufte. Dies war der höchste Preis, der jemals für einen Rohdiamanten gezahlt wurde.

          Ehrgeizige Wachstumsziele

          Anleger schätzen die Steine aus Kohlenstoff aber auch für Investitionszwecke. „Diamanten werden immer mehr auch als sichere Geldanlage entdeckt, vor allem in Zeiten hoher Inflation“, sagt Shine. De Beers wirbt seit langem bei Investoren, Diamanten als Alternative zu Gold zu akzeptieren. Gold jedoch ist leichter handelbar, außerdem bildet sich im Gegensatz zu Diamanten ein eindeutiger Preis je Karat.

          Die Wirtschaftskrise hat die Förderkonzerne wie andere Anbieter von Luxusartikeln hart getroffen. De Beers drosselte die Produktion Anfang 2009 um 90 Prozent, schloss vorübergehend Minen und entließ ein Drittel der Belegschaft. In der Folge brach der Umsatz von 2008 bis 2009 von 6,9 Milliarden Dollar auf 3,8 Milliarden Dollar ein. Diese Strategie habe einen noch stärkeren Preisverfall verhindert, argumentiert der einstige Monopolist, der heute 40 Prozent des Marktes kontrolliert. Davon profitierte die gesamte Branche, zumal auch der russische Staatskonzern Alrosa und Rio Tinto Fördermengen vom Markt fernhielten.

          Seit Beginn 2010 nimmt das Angebot an Diamanten wieder zu. Im ersten Halbjahr 2010 förderte De Beers 15,4 Millionen Karat, mehr als doppelt so viel wie im ersten Halbjahr 2009. Im Gesamtjahr 2010 hat der Ausstoß wohl 31 Millionen Karat betragen, in diesem Jahr sollen es 40 Millionen Karat werden. Mit den besseren Aussichten ist auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gestiegen. Alrosa will 2,8 Milliarden Dollar bis 2014 in drei neue Bergwerke investieren. Rio Tinto gab bekannt, in seine Argyle-Mine in Australien 803 Millionen Dollar zu stecken. De Beers will in Botswana expandieren, wo das Unternehmen mit der Regierung im Gemeinschaftsunternehmen Debswana verbunden ist. Aus der dortigen Jwaneng-Mine sollen sieben Jahre länger als ursprünglich geplant Edelsteine ans Tageslicht befördert werden.

          Auch die kleinere, börsennotierte Gesellschaft Petra Diamonds verfolgt ehrgeizige Wachstumsziele. Bis 2019 will das Unternehmen die Produktion von voraussichtlich 1,3 Millionen Karat auf 3 Millionen Karat erhöhen. Marktbeobachter spekulieren zudem, welche Rolle künftig Zimbabwe als Diamantenlieferant spielen könnte. Die dortigen Marange-Diamantenfelder zählen zu den größten Vorkommen, die in jüngerer Zeit entdeckt wurden. Die Steine gelangen derzeit nur in kleinen Mengen und über Schmuggler auf den Markt. Die Kimberley-Kommission, die den Handel mit so genannten Blut-Diamanten einzudämmen versucht, muss noch entscheiden, ob die Diamanten legal gehandelt werden dürfen.

          All die Investitionen werden aus Sicht von Marktbeobachtern nicht verhindern können, dass auf lange Sicht das Angebot an Diamanten abnimmt. In vielen Bergwerken ist der Höhepunkt der Ausbeute schon überschritten, die Entdeckung großer neuer Vorkommen gilt als unwahrscheinlich. Diamanten werden damit wohl noch rarer, was die Preise langfristig weiter in die Höhe treiben könnte.

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