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Nach Preissturz : Privatanleger vertrauen weiter auf Gold

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Goldig: Barren aus dem gelben Edelmetall erfreuen sich großer Beliebtheit Bild: REUTERS

Nach einem Jahrzehnt der Hausse ist der Goldpreis nun dramatisch gefallen. Manche Privatanleger nutzen dies, um sich einzudecken. Im Gegensatz zu Großinvestoren, die sich schon vor Monaten vom Gold verabschieden haben.

          Der drastisch gesunkene Goldpreis hat Privatanleger anscheinend unbeeindruckt gelassen. Obwohl der Goldpreis am Montag auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen war und den größten Kursrutsch innerhalb 30 Jahren erlebte, vertrauen Privatanleger dem gelben Edelmetall weiterhin und stocken damit ihr Portfolio auf.

          Das berichten zumindest Goldhändler wie Pro Aurum, Heraeus oder Ophirum. Auch der 100 Prozent mit Gold hinterlegte Euwax Gold der Stuttgarter Börse meldet deutliche erhöhte Handelsumsätze und einen gestiegenen Goldbestand. Genaue Zahlen liefern sie nicht.

          „Man möchte ja vermuten, dass die Leute in Panik ausbrechen. Dem ist aber nicht so, die Kunden reagieren besonnen. Die Nachfrage ist dominant“, sagt Robert Hartmann, Geschäftsführer des deutschen Edelmetallhauses Pro Aurum.

          Preis sinkt, Nachfrage steigt

          Das Verhältnis zwischen Goldkäufern und -verkäufern liege bei neun zu eins. Pro Aurum verzeichne Bestellungen wie zur Finanzkrise 2008 oder während der „Griechenlandwochen 2010“. Das aktuelle Szenario ist mit der Situation 2008 vergleichbar: Der Goldpreis sinkt, während die Nachfrage nach physischem Metall steigt.

          Der Absturz des Goldpreises traf vor allem Kleinanleger unvorbereitet. Was sich hinter den Kulissen der Finanzwelt seit Monaten bereits abzeichnete, sickert anscheinend jedoch nur langsam durch. Der legendäre Investor George Soros hatte es längst getan, nun folgten ihm die institutionellen Anleger: Sie verkauften massenhaft Gold.

          In den vergangenen zehn Jahren hatte das Edelmetall immer wieder neue Höchstpreise erzielt. Sein historisches Hoch von 1920 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) hatte Gold im September 2011 erreicht. Am Montag stürzte der Preis in der Spitze um 8,3 Prozent auf 1355,80 Dollar ab, am Dienstag notierte er wieder bei etwa 1380 Dollar. Händler berichteten, dass, während private Investoren überwiegend als Verkäufer aufgetreten seien, einige Notenbanken gekauft hätten.

          Handelsumsatz von 4,25 Millionen Euro

          „Die großen Anleger gehen raus, die kleinen rein“, sagt Hans-Günter Ritter, Geschäftsführer beim Metallhändler Heraeus und meldet eine deutliche gestiegene Nachfrage nach Goldbarren. Private Investoren können Edelmetallbarren von Heraeus zwar nicht direkt, aber etwa bei Banken erwerben. Auch beim Internet-Goldhändler Ophirum macht sich der Kursrutsch bemerkbar. „Das Interesse an Barren und Goldmünzen ist groß“, sagt Funda Tarhan, Mitglied der Geschäftsführung. Seit Freitag hätten sich die Tagesumsätze versechsfacht, die große Mehrheit der Kunden habe Gold gekauft.

          Die Dynamik am Goldmarkt wirkt sich auch positiv auf den Handel mit Euwax Gold aus, einer Inhaberschuldverschreibung der Börse Stuttgart, die zu 100 Prozent mit Gold unterlegt ist. Am Montag wurde mit 95 Prozent Käufen der bisher mit Abstand stärkste Handelstag registriert, auch am Dienstag war das Interesse rege.

          „Der Großteil der Anleger nutzt die fallenden Notierungen, um sich einzudecken“, sagt Cornelia Frey, Marktbeobachterin bei der Stuttgarter Börse. Insgesamt kamen am Montag rund 112 Kilogramm Goldbestand hinzu. Es wurden 164 Preise festgestellt, der erste direkt um 8.01 Uhr, der letzte um 21.59 Uhr. Der Handelsumsatz belief sich auf 4,25 Millionen Euro.

          Vom Gold verabschiedet

          Kleinanleger, die weiter an das Edelmetall glauben, ignorieren damit die Einschätzung von Großinvestoren, die sich in den vergangenen Monaten von Gold verabschiedet hatten. „Die Anleger fragen sich: Wohin mit dem Geld“, sagt Cornelia Frey von den Stuttgarter Börse. Sichere Staatsanleihen seien nicht gut verzinst, die Aktienmärkte in letzter Zeit so gut gelaufen, dass die Anleger sich fragten, wie lange das noch gutgehe. „Das Vertrauen in Gold ist daher immer noch groß.“

          Besonders beliebt sind auch Goldmünzen. Nach Angaben der amerikanischen Münzanstalt wurden im Februar 80.500 Unzen davon verkauft. Dies entspricht dem vierfachen Volumen im Vergleich zum Februar des Vorjahres. Am Montag gerieten auch die Preise sogenannter Anlegermünzen spürbar unter Druck.

          Für die Feinunze Krügerrand bekamen Anleger am Dienstag bei Internet-Anbietern nur noch 1.036 Euro, am Freitag waren es noch 1.164 Euro. Der Krügerrand war bei manchen Händlern nicht mehr verfügbar. Ähnlich sieht es bei begehrten Silbermünzen wie dem American Eagle aus, dessen Lieferzeit aktuell drei Monate beträgt.

          Auch dieses Mal zeigt sich, dass Gold die Gemüter erhitzt. In Internetforen zu diesem Thema schimpfen manche Nutzer über eine „ungeheuerliche Manipulation“. Andere machen sich Mut und sagen einen baldigen Kollaps des herrschenden Papiergeldsystems voraus. Ein Diskutant kann dem sinkenden Goldkurs dennoch etwas abgewinnen. Dieser mache deutlich, dass Anleger wieder optimistischer in die Zukunft blicken, schreibt er und ergänzt seine Meinung mit einem Smiley.

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