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Nach Manipulationsverdacht : Devisenmärkte vor Regulierung

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Devisen: Anfällig für Manipulation Bild: dpa

Der größte, aber am schlechtesten regulierte Finanzmarkt der Welt steht vor einer Reform. Nachdem am Donnerstag Vorwürfe bekannt wurden, dass Wechselkurse manipuliert werden, wollen Aufsichtsbehörden eingreifen.

          Aufseher in aller Welt werden möglicherweise damit beginnen, den Devisenhandel zu überwachen. Entsprechende Überlegungen werden im Anschluss an die Untersuchungen zu manipulierten Benchmark-Sätze wie des Libor angestellt, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen. Die in Madrid ansässige Internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO), die die Marktregulierung harmonisieren soll, werde möglicherweise schon im Juli endgültige Richtlinien zur Verbesserung der Transparenz und der Beaufsichtigung von Benchmarks einschließlich der WM/Reuters Devisenkurse vorlegen, sagten die informierten Personen.


          Die britische Finanzmarktaufsicht Financial Conduct Authority geht derzeit Hinweisen auf mögliche Manipulationen am Devisenmarkt nach. Ein Tippgeber hatte sich im März bei der FCA gemeldet. Nach Auskunft einer der informierten Personen haben die Aufseher vier Banken, darunter Deutsche Bank AG und Citigroup Inc., um Informationen gebeten.
          „Alle Benchmarks sind in ähnlicher Weise anfällig, daher ist es notwendig, Rahmenrichtlinien zu erlassen, die alle Benchmarks betreffen, um ihre Integrität zu gewährleisten und das Marktvertrauen wieder herzustellen”, schrieb Chantal Hughes, eine Sprecherin von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier, in einer E-Mail. Noch in diesem Sommer werde ein Vorschlag für derartige Rahmenrichtlinien unterbreitet, schrieb Hughes. Die FCA werde die Empfehlungen der IOSCO überprüfen und dann entscheiden, über welche Benchmarks sie die Aufsicht übernimmt, sagte ihr Sprecher Chris Hamilton. FCA-Leiter Martin Wheatley hat bereits die Aufsicht über den Libor übernommen.

          Deutsche Bank und Citigroup wollen sich nicht äußern

          Deutsche Bank-Sprecher Sebastian Howell sowie sein Citigroup-Kollege Jeffrey French wollten sich nicht zu den Anfragen der FCA äußern. Januar hatte die IOSCO vorgeschlagen, Benchmark-Kurse, die auf den Devisenmärkten angewendet werden, regelmäßig zu überprüfen und einer strengeren Aufsicht durch Regulierer zu unterstellen. Für die Datenlieferanten regte die IOSCO einen Verhaltenskodex an. Diese Vorschläge seien auch für die WM/Reuters Devisenkurse gedacht gewesen, sagte eine der informierten Personen.


          Der Devisenmarkt ist der größte Finanzmarkt, aber mit am wenigsten reguliert, weil sich der Handel nicht an Börsen abspielt. Nach Darstellung zweier mit den Vorgängen vertrauter Personen trafen Händler Absprachen mit ihren Kollegen bei anderen Firmen, um ihre Chancen zur Beeinflussung von Wechselkursen zu erhöhen. Die Daten für die WM/Reuters-Wechselkurse werden von World Markets Co., einer Tochtergesellschaft der US-Depotbank State Street Corp. und Thomson Reuters Corp. gesammelt und weitergegeben. Bloomberg LP, die Muttergesellschaft von Bloomberg News, konkurriert mit Thomson Reuters bei der Bereitstellung von Nachrichten und Informationen, wie auch bei Devisenhandels-Systemen und bei Preis-Daten. Bloomberg LP gibt die WM/Reuters Devisenkurse über die Bloomberg-Terminals weiter.

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