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Nach der Finanzkrise : Brauchen wir ein neues Geldsystem?

Allerdings: An den Bitcoins lassen sich Probleme beobachten, wie es sie bei ähnlich konstruierten Geldsystemen auch außerhalb des Internets gibt. Das eine ist die Anonymität. Weil man Bitcoins weitgehend namenlos verwenden kann, ergaben sich ähnliche Phänomene wie beim Bargeld: Sie wurden für allerhand illegale Geschäfte eingesetzt. Auch Bargeld wird schließlich von vielen Ganoven lieber genommen als eine Überweisung, weil sich sein Weg schwerer nachvollziehen lässt.

Außerdem schwankt der Wert der Bitcoins extrem durch Spekulation: am 10. April 2013 etwa zwischen einem Hoch von 263 Dollar und einem Tief von 135 Dollar. Das erinnert ein wenig an die Schlusszeit der Goldbindung des Dollar: Damals wetteten Spekulanten darauf, dass Amerika die Zusage eines festen Kurses zwischen Dollar und Gold auf Dauer nicht würde einhalten können, was extreme Schwierigkeiten bereitete und am Ende zur Auflösung der Goldbindung beitrug. Auch bei den Bitcoins wird gewettet, ob sie eines Tages sehr knapp werden, weil die Schöpfungsmöglichkeit auf maximal 21 Millionen Einheiten begrenzt ist, oder ob das ganze System im Orkus der Geschichte verschwindet.

Immerhin können auch unorthodoxe, auf Anhieb etwas verrückt klingende Geldsysteme in bestimmten Situationen von Vorteil sein. Ein Beleg ist das sogenannte Wörgler Schwundgeld, auf das sich heute wieder viele Kritiker unseres Geldsystems berufen. Die Stadt Wörgl in der Nähe von Kufstein machte in der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre ein Experiment. Sie führte eine regionale Währung ein, die von ihrer Konstruktion her an Wert verlor. Damit wollte der Bürgermeister die Wirtschaft ankurbeln. Wörgl hatte unter der Krise stark gelitten, die Fabriken waren kaum ausgelastet, und die Arbeitslosenzahl stieg. Als ein zentrales Problem wurde ausgemacht, dass die Leute ihr Geld horteten, statt es auszugeben. Die Stadt gab daraufhin Notgeld aus, das automatisch seinen Wert verlor, wenn man nicht monatlich eine Marke im Wert von einem Prozent des Nennwertes kaufte und aufklebte.

Das Ganze funktionierte offenbar, so ist zumindest überliefert. Die Wirtschaft wurde angekurbelt, und die Arbeitslosigkeit ging etwas zurück. Das Experiment wurde aber von der Oesterreichischen Nationalbank beendet, die für sich das Monopol auf die Ausgabe von Geld beanspruchte.

Eine ganze Bewegung von Kritikern unseres Geldsystems, die Anhänger des Freigelds, fordert, es Wörgl nachzumachen. Regionale Experimente in diese Richtung gibt es, das bekannteste ist der „Chiemgauer“ (siehe Kasten). Der Mainstream der Geldexperten ist allerdings skeptisch, ob solches Schwundgeld heute eine gute Idee wäre. „In Wörgl gab es Deflation, also sinkende Preise“, sagt Wirtschaftsprofessor Spahn. „Wir haben heute eine leichte Inflation, das Geld verliert ohnehin an Wert - das muss man nicht künstlich erzeugen.“

Fazit: Ein Unbehagen am aktuellen Geldsystem bleibt - aber zurzeit gibt es keine Alternative mit Aussichten auf Erfolg. Auch wenn unter den Anhängern der alternativen Geldsysteme eine ganze Reihe ernst zu nehmender Ökonomen zu finden ist: Ein wenig haftet vielen von ihnen etwas Sektiererisches an. Den ökonomischen Mainstream haben sie nicht überzeugen können. Aber heißt das etwas? Waren nicht oft die Sektierer einer Ära die Propheten der späteren Zeit?

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