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Nach der Finanzkrise : Brauchen wir ein neues Geldsystem?

Zweifel am Sinn der Goldbindung

Es wäre sicher nicht unmöglich, das wiedereinzuführen. Die meisten Ökonomen haben allerdings große Zweifel, ob es sinnvoll wäre. Wenn man eine direkte Eintauschmöglichkeit schaffen wollte, benötigte man unglaublich große Mengen von Gold, eine viel geringere Geldmenge - oder völlig andere Goldpreise als heute. Schon im Kaiserreich war das umlaufende Papiergeld nicht mehr vollständig durch Gold gedeckt, sondern nur zu einem Drittel. Die Rückkehr zu so einem System scheint illusorisch.

Einfacher wäre es sicherlich, den Wert des Geldes an den Goldpreis zu koppeln. In Amerika ließen die Republikaner um Mitt Romney eine Kommission einrichten, die das prüfen sollte. Auch Ronald Reagan hatte mal einen Vorstoß in diese Richtung unternommen - man kam aber zu dem Ergebnis, das bringe keine Vorteile. Wenn man das machte, benötigte man wohl ein Weltfinanzsystem mit festen Wechselkursen. Eine solche Bindung verhindert, dass Politiker und Notenbanken in einem einzelnen Land bewusst Inflation herbeiführen können (“goldene Fessel“).

Dafür wird die Notenbank machtlos, wenn Inflation aus einem anderen Land herüberschwappt. Außerdem hat sie in Krisenzeiten kaum Möglichkeiten, den Banken ihres Landes mit zusätzlichem Geld unter die Arme zu greifen - das wirkte in den dreißiger Jahren krisenverschärfend. „Ich hätte nicht erleben wollen, wie die Zeit nach Lehman verlaufen wäre, wenn wir eine Goldbindung gehabt hätten“, sagt Peter Spahn, Wirtschaftsprofessor an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Die physische Begrenztheit der Geldschöpfung kann in bestimmten Zeiten ein Segen sein - in anderen aber ein Fluch.

Bitcoins, das Geld aus dem Internet

Ein bisschen ähnlich wie ein Geldsystem mit Goldbindung funktioniert das Internetgeld. Bitcoins sind eine Art Recheneinheit, die man bei bestimmten Unternehmen im Internet zum Zahlen verwenden kann. Die Bundesregierung hat sie jetzt gerade offiziell als „privates Geld“ anerkannt.

Der Witz dabei ist: Die Währung wird nicht von einer zentralen Stelle geschöpft, einer Art Notenbank, sondern ihre Entstehung ist an die Lösung bestimmter Computerrätsel ohne weiteren Nutzen geknüpft, die sich nur mit großen Rechenkapazitäten bewältigen lassen.

Ein Unbehagen mit dem aktuellen Geldsystem bleibt

Das Ganze ist so konstruiert, dass die Menge an Bitcoins sich nur langsam ausweitet und es eine absolute Obergrenze gibt. Wer die Bitcoins schöpft (“mining“ nennen das die Internetleute, also „fördern“ wie Gold im Bergbau), kann den Gewinn daraus vereinnahmen, die „Seigniorage“. Für den Gebrauch der Bitcoins jedoch ist nur entscheidend, dass sie knapp sind, also nicht beliebig vermehrbar, dass man sie zu einem Kurs gegen Euro, Dollar oder Yen erwerben kann, der von Angebot und Nachfrage abhängt, und dass es Stellen gibt, die sie wie Geld akzeptieren.

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