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Nach der Finanzkrise : Brauchen wir ein neues Geldsystem?

Ganz grundsätzlich stellt sich die Frage, ob es überhaupt eine gute Lösung ist, der Zentralbank auf diese Weise mehr Macht und Kontrolle über die Geldschöpfung zu geben. So verbreitet schließlich seit der Finanzkrise das Misstrauen gegenüber den privaten Banken ist, so verbreitet sind auch Sorgen, die Notenbanken könnten zu viel Geld in Umlauf bringen.

Es gibt deshalb auch Reformvorschläge für unser Geldsystem, die die Macht der Notenbank begrenzen wollen. Den Extremvorschlag hatte einst Friedrich August von Hayek gemacht: Der österreichische Ökonom forderte, bei der Geldschöpfung ganz auf den Markt zu setzen. Private Banken sollten in Konkurrenz zueinander privates Geld schaffen, dessen Wert sie an einen Warenkorb mit Rohstoffen binden sollten. Wenn die Leute sich aussuchen könnten, welches Geld sie verwenden, würde sich im Wettbewerb die Nachfrage sicherlich den wertstabilsten Währungen zuwenden.

Die Rückkehr zu einem System der Golddeckung des Geldes scheint illusorisch

Nun stehen im Augenblick die Banken nicht hoch im Kurs. Und Vorschläge, ihnen noch mehr Macht in der Geldschöpfung zu geben, dürften deshalb auf wenig Zustimmung stoßen. Reformvorschläge, die heute die Macht der Notenbanken begrenzen wollen, konzentrieren sich daher meistens darauf, den Notenbanken strengere Regeln für die Geldschöpfung vorzugeben. Die Idee dahinter: Es kann ein Problem sein, wenn die Notenbanken zu frei sind, Geld zu schaffen. Sie könnten es übertreiben. Politiker nehmen vielleicht Einfluss und wollen ihre politischen Projekte durch die Schöpfung von zusätzlichem Geld finanzieren.

Der spanische Ökonom Jesús Huerta de Soto von der Universität in Madrid beispielsweise, wie Hayek ein Vertreter der Österreichischen Schule, die eine liberale Wirtschaftspolitik propagiert, hat vorgeschlagen, den Wert des Geldes wieder ans Gold zu binden. Er hält es wie die Anhänger des Vollgeldes für richtig, wenn die Banken gezwungen werden, für ihre Einlagen 100 Prozent Mindestreserve zu halten. Daneben solle aber der Wert des Geldes wieder ans Gold gebunden werden, damit die Politiker keinen Zugriff mehr auf die Notenpresse der Zentralbank haben und ihre vermeintlichen Wohltaten nicht mehr über Inflation finanzieren können. Auch der frühere Präsident der Weltbank Robert Zoellick hat vorgeschlagen, wieder eine modifizierte Form der Goldbindung einzuführen.

In der Bevölkerung würde es sicher besonders begrüßt werden, wenn nicht nur der Wert des Geldes wieder ans Gold gebunden würde, wie das im Währungssystem von Bretton Woods bis Anfang der siebziger Jahre für den Dollar der Fall war, sondern wenn es eine Golddeckung des Geldes bei der Notenbank wie vor dem Ersten Weltkrieg gäbe und man Geldscheine gegen Gold eintauschen könnte. Als im vorigen Jahr in Deutschland darüber diskutiert wurde, wie sicher das im Ausland gelagerte Gold der Bundesbank ist, gab es ein erhebliches öffentliches Interesse an der Debatte. Und das, obwohl es in unserem Geldsystem gar nicht möglich ist, Geldscheine gegen Gold bei der Notenbank einzutauschen.

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