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Mysteriöser Absturz : Wer spielt mit dem Goldpreis?

Wer hat die Goldpreise wirklich in der Hand? Bild: dpa

Nach einem heftigen Preissturz musste der Handel mit Gold ausgesetzt werden. Wer oder was diesen Einbruch auslöste, ist ungewiss. Fest steht: Es war kein technischer Fehler.

          Kurze, heftige Preisausschläge sind auf den Märkten in Zeiten des Hochfrequenzhandels nichts besonderes. Doch was am Montagnachmittag mit dem Goldpreis passierte, hatte eine neue Qualität. In weniger als einer Minute sank der Preis des Edelmetalls um 30 Dollar, das entspricht 2,1 Prozent. Zwar erholte er sich ebenso schnell wieder – aktuell kostet eine Feinunze des Edelmetalls etwa 1240 Dollar – aber ein ungutes Gefühl bleibt bei allen Marktteilnehmern.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer oder was diesen Einbruch genau auslöste, ist noch unklar. Fest steht: Es war kein technischer Fehler, wie sie zuletzt oft bei Börsen auftraten – etwa während des Facebook-Börsengangs, als das Handelssystem der Technologiebörse Nasdaq zusammenbrach. Der Preisrutsch bei Gold sei absichtlich ausgelöst worden, behauptet zumindest der Betreiber. Das legt auch ein genauer Blick auf die Charts nahe. Der Preis hat am Montag auf einem Drei-Wochen-Hoch notiert. Genau in diesem Moment stürzte er dann innerhalb von einer Minute ab. Das spricht dafür, dass es eine automatische Order eines Händlers gab, diese Gelegenheit für einen Verkauf zu nutzen.

          Computerprogramm verhindert den totalen Crash

          Da ein Großteil des Handels mittlerweile vollautomatisch abläuft, kann so eine Kettenreaktion ausgelöst werden, da immer ein neues Programm auf ein anderes reagiert. Im konkreten Fall könnte es so abgelaufen sein: Der Computer verkaufte also Gold. Das nächste Computerprogramm einer anderen Bank bemerkte den Einbruch und hatte dann ebenfalls automatische Order, Gold zu verkaufen. Was klingt wie eine Sache von Minuten, war eine Sache von Millisekunden. Eine Kettenreaktion fand statt, die dann so heftig war, dass der Preis innerhalb weniger Augenblicke einbrach.

          In den vergangenen zwölf Monaten hatte das Edelmetall stark zu leiden

          Doch eben diesesmal konnte ein Computerprogramm der Chicago Mercantile Exchange, kurz CME, einen kompletten Crash verhindern. Denn die plötzlich so rege Handelsaktivität löste ein sogenanntes „Velocity Logic“-Ereignis aus, wie ein Sprecher des Börsenbetreibers CME am Dienstag erklärte. „Velocity Logic“ soll ungewöhnlich starke Marktbewegungen aufspüren. Dies macht das Programm, indem es Handelsumsätze, Optionsscheine und andere Indikatoren untersucht. Tritt dann so ein „Velocity Logic“-Moment ein, werden alle Handelsgeschäfte pausiert und manche sogar storniert. Für zehn Sekunden stand der Goldhandel still.

          Manipulationen vermutet

          Offenbar häufen sich solche Probleme in den vergangenen Monaten. So sagte der Analyst Bill O’Neil der Finanzagentur Bloomberg: „Diese Art von Preisbewegungen werden sehr häufig. Und es sieht so aus, als ob einige Marktteilnehmer sehr große Aufträge abgeben, um diese Art von Einbrüchen auszulösen.“ Genaue Zahlen, wie häufig solche Einbrüche eintreten, konnte der Börsenbetreiber CME aber noch nicht geben. O’Neil forderte, dass sich die Börse diese Art von Ausreißern genauer anschauen solle. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC fordert das schon länger.

          Was die Gründe für solche großen Bewegungen sein können, ist umstritten. Einerseits könnten die Marktteilnehmer versuchen, den Preis künstlich zu drücken, um danach günstig einzukaufen. Andererseits könnte es aber auch sein, dass sich ein Marktteilnehmer günstig mit Optionsscheinen eindecken wollte.

          Gold mit historischen Kursverlusten

          Die Sorgen um eine mögliche Manipulation des Goldpreises haben zuletzt zugenommen. Besonders das sogenannte Goldpreis-Fixing stand im Fokus der Aufsichtsbehörden. Mit diesem Verfahren legen fünf Großbanken zweimal am Tag den Preis für das Edelmetall fest. Ein intransparenter Vorgang, der zu Recht das Misstrauen der Aufsichtsbehörden erregte.

          In den vergangenen zwölf Monaten hatte das Edelmetall schon stark genug zu leiden. Der Preis ist im vergangenen Jahr um 28 Prozent gefallen. Damit verlor Gold so viel an Wert wie zuletzt im Jahr 1981. In nahezu allen Investorengruppen war die Nachfrage nach dem Edelmetall gefallen: Fonds verkauften tonnenweise Gold, beim bisher größten Goldnachfrager Indien brachen die Goldimporte ein und auch Zentralbanken kauften deutlich weniger.

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