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Fremdwährungen : Hier gibt’s noch hohe Zinsen

Das Investieren in fremde Währungen kann sehr riskant sein Bild: dpa

Geld verdienen mit fremden Währungen galt als populäre Börsenstrategie. Ein Schockmoment war der Einbruch der Wechselkurse vieler Schwellenländer. Börsenprofis setzen jedoch weiterhin auf sogenannte Carry Trades.

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          Es ist noch gar nicht so lange her, da bekamen es selbst Börsenprofis auf einmal mit der Angst zu tun. Zu Anfang des Jahres war dies, als ein dramatischer Absturz die sonst so abgeklärten Profi-Anleger in Schrecken versetzte: Ob in Brasilien, Südafrika oder der Türkei - rund um den Globus brachen vor allem die Währungen vieler Schwellenländer deutlich ein. Der Rückgang traf viele Anleger nicht nur völlig überraschend, sondern schien zugleich auch das Ende für eine einstmals populäre Börsenstrategie zu bedeuten: Mit einem Investment in Währungen aufstrebender Staaten, so hatte man lange geglaubt, lässt sich wunderbar einfach Geld verdienen. Die bittere Lektion jener Wintertage war aber eine andere: Investitionen in fremde Währungen, so wurde allen auf einmal klar, sind vor allem eines - hochriskant.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da mutet es zunächst merkwürdig an, dass nur wenige Monate später eine Anlagestrategie wieder Anhänger findet, die stark vom Auf und Ab der Währungen abhängt. Die Fachleute haben sich den Namen „Carry Trade“ dafür einfallen lassen, stark vereinfacht, funktioniert der Ansatz so: Ein Investor leiht sich Geld in der Währung eines Landes oder Währungsgebietes, in dem die Zinsen gerade besonders niedrig sind - zum Beispiel im Euroraum. Das geliehene Geld legt er dann in der Währung eines Landes an, in dem die Zinsen gerade besonders hoch sind - zum Beispiel in Brasilien, wo die Zinsen derzeit fast elf Prozent betragen. Ein gutes Geschäft - aber natürlich nur, solange die brasilianische Landeswährung Real gegenüber dem Euro nicht kräftig an Wert verliert.

          Bild: F.A.Z.

          Es wäre darum fatal, zu glauben, das Spiel mit den Währungen sei anders als noch zu Jahresanfang nun mit einem Mal ohne Risiken. Trotzdem ist es aus Sicht vieler Fachleute genau richtig und alles andere als merkwürdig, derzeit auf Carry Trades zu setzen - denn selten waren die Bedingungen dafür so gut wie derzeit. Gernot Griebling, Leiter der Abteilung Zinsen und Alternative Investments bei der Fondsgesellschaft LBBW Asset Management, sagt: „Es besteht kein Grund, vor Carry Trades zurückzuschrecken.“

          Natürlich würde kein Fondsmanager dieser Welt auf die Idee kommen, seine eigene Anlageidee schlechtzureden. Aber in der Tat ist die Lage an den Finanzmärkten aktuell eine andere als noch zu Jahresanfang. Der wichtigste Unterschied: Die Währungsschwankungen haben seitdem deutlich abgenommen - die Volatilität, also das tägliche Auf und Ab zwischen dem Euro, dem Dollar und vielen anderen Währungen, ist niedrig wie lange nicht mehr. Genau das aber hilft allen, die sich derzeit an der Strategie versuchen. Denn je weniger sich die Währungskurse bewegen, desto geringer ist die Gefahr eines plötzlichen Absturzes.

          Irgendwann werden Zinsen wieder steigen

          Nun muss es keineswegs so ruhig bleiben. Denn die geringen Schwankungen haben auch damit zu tun, dass die wichtigste Notenbank der Welt - die amerikanische Fed - an einem bislang nicht rüttelt: Sie hält den Leitzins weiter auf dem Rekordtief von nahezu null Prozent. Auch wenn sich die Zentralbank in der Frage längst noch nicht festgelegt hat, ist aber klar: Irgendwann werden die Zinsen wieder steigen - viele Experten gehen vom Frühjahr des kommenden Jahres aus. Dann aber gerieten mutmaßlich auch Währungen aus Schwellenländern wie der brasilianische Real oder der südafrikanische Rand wieder stark unter Druck. Der Grund: Sobald ein wirtschaftlich so starkes Land wie Amerika wieder höhere Zinsen bietet, legen viele Investoren lieber dort an - sie ziehen ihr Geld dann aus den Schwellenländern ab und können so einen Kursrutsch auslösen.

          So gefährlich dies auch klingt: Nach Überzeugung von Fondsmanager Griebling sollten sich Anleger von solchen Überlegungen nicht allzu sehr Bange machen lassen. „Die hohen Zinsunterschiede sind ein hervorragender Puffer gegen Währungsverluste.“ Was er damit meint, zeigt das Beispiel Brasilien besonders gut: Bei einem Zinssatz von exakt 10,7 Prozent für Anleihen mit sechsmonatiger Laufzeit in der Landeswährung Real müsste der Real gegenüber dem Euro um mehr als zehn Prozent nachgeben - erst dann macht man mit dem Investment Verlust. Ein Sicherheitspolster, das mit 6,5 Prozent auch bei Südafrikas Landeswährung Rand nicht gering ist. Wählt man längere Laufzeiten, ist die Wahrscheinlichkeit sogar noch höher, dass zwischenzeitlich mögliche Währungsverluste mehr als ausgeglichen werden.

          Selbst alle diejenigen, die Investments in Schwellenländer als zu riskant empfinden, können vom Carry Trade profitieren. Denn größere Zinsunterschiede bestehen auch zwischen dem Euroraum und soliden Industriestaaten wie beispielsweise Australien und Neuseeland. In Australien erhalten Anleger für das Investment in australische Dollar derzeit fast drei Prozent Zinsen, in Neuseeland gibt es für die Investition in den neuseeländischen Dollar sogar fast vier Prozent. Hinzu kommt: Beide Währungen haben seit Jahresanfang klar gegenüber dem Euro hinzugewonnen - eine Entwicklung, die natürlich auch damit zu tun hat, dass die Europäische Zentralbank im gleichen Zeitraum ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt hat.

          Doch wie genau sollten Anleger nun vorgehen, um bei all dem Auf und Ab der Währungen und Zinsen nicht den Überblick zu verlieren? Mit den eigenen Händen in Real und Rand, in den australischen und den neuseeländischen Dollar zu investieren ist schließlich ziemlich aufwendig. Direktbanken wie die Comdirect bieten ihren Kunden darum die Einrichtung eines Fremdwährungskontos an. Vereinfacht gesagt, sind dies Tagesgeldkonten in einer ausländischen Währung. Die Sache hat allerdings einen Haken: In der Regel erhalten die Kunden für das Geld auf diesen Konten wesentlich geringere Zinsen als für Anleihen in der Landeswährung - der Sicherheitspuffer ist dann schnell aufgezehrt, wenn der Währungskurs fällt.

          Eine bessere Lösung ist es darum, auf Fonds zu setzen, die in verschiedenste Währungen investieren. Das geht zum Beispiel mit dem Fonds „LBBW Devisen 1“ oder mit dem Fonds „UBS Currency Diversifier“.

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