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Grassierendes Virus : Mers-Krankheit schreckt Asien auf

Besuch aus Ost-Timor in Korea: Nur noch mit Atemschutz Bild: AP

In Südkorea verbreitet sich die gefährliche Lungeninfektion Mers. Tourismus und Geschäftsverkehr in ganz Asien leiden. Immer mehr Nachbarländer ziehen Konsequenzen.

          2 Min.

          Die in Südkorea grassierende Lungenkrankheit Mers schreckt nun auch die Nachbarländer auf. Sie beginnt, den Geschäftsverkehr und Tourismus in Asien zu behindern. Der Stadtstaat Singapur misst ab sofort bei allen Reisenden aus Südkorea die Temperatur. Das Drehkreuz  zählt mindestens 14 Direktflüge täglich zwischen Seoul und Singapur. Die Geschäftsmetropole Hongkong hat eine „rote Warnung“ gegenüber Reisen nach Südkorea erlassen. Dies bedeutet, dass alle nicht dringend notwendigen Reisen verschoben werden sollten. Taiwan hat seine Reisewarnung von Seoul auf das ganze Land ausgeweitet.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Insbesondere chinesische Touristen sagen ihre Reisen nach Korea ab. Das schmerzt Hotellerie, den Transportsektor und den Einzelhandel, stehen Chinesen doch für rund 40 Prozent der Gäste in Südkorea. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun eine Mission im Land aufgenommen, um die Seuche besser zu bekämpfen. Südkorea beklagt inzwischen neun Tote, zählt offiziell 108 Infizierte und hat mehr als 3000 Menschen unter Quarantäne gestellt.

          Mers schwächt das Wachstum weiter

          Die Folgen des Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus haben längst das Wirtschaftsleben erreicht. So wird erwartet, dass Südkoreas Notenbank am Donnerstag den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,5 Prozent senken wird, um die Konjunktur zu stützen. „Verglichen mit der Bedrohung durch Mers erscheinen die Risiken durch eine Abschwächung der Konjunktur durch die Exportschwäche größer. Die Daten der herstellenden Industrie haben im April und Mai deutlich nachgegeben, so dass das zweite Quartal wohl hinter den Erwartungen zurückbleiben dürfte“, warnen die Analysten der Singapurer Bank DBS am Mittwoch.

          Am Dienstag hatten ihre Kollegen der Investmentbank Goldman Sachs ihre Wachstumserwartung für Asiens viertgrößte Volkswirtschaft drastisch gesenkt: Nach bislang 3,3 Prozent rechnen sie nun nur noch mit 2,8 Prozent Wachstum in diesem Jahr. 0,2 Prozentpunkte der Verringerung gingen bislang auf die Mers-Krise zurück, erklärten sie. Das koreanische Finanzministerium hatte zuvor gewarnt, dass die Krankheit die „wirtschaftlichen Unsicherheiten“ wachsen lasse.

          Auch der starke Won lässt Korea schwerer atmen

          Südkorea erklärte, mehr als 45.000 Gäste hätten ihre Reisen allein in der ersten Juniwoche gestrichen. Die Reisewarnung aus Hongkong dürfte die Zahl nun deutlich erhöhen, die Rede ist von rund 12.000 weiteren Absagen bis Monatsende nur aus der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Gut 2200 Schulen bleiben geschlossen. Unternehmen wie der Automobilhersteller Hyundai Motor haben offizielle Veranstaltungen abgesagt. Zugleich leidet die Wirtschaft unter dem starken Won, der allein gegenüber dem japanischen Yen in Jahresfrist 10 Prozent zugelegt hat; Japan aber ist ein wichtiger Exportmarkt für die Koreaner. Im Mai sank die koreanische Ausfuhr so rasch, wie in sechs Jahren zuvor nicht. Immer mehr Industrieverbände fordern die Regierung auf, den Anstieg des Won durch Zinssenkungen zu bremsen. Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye mahnte das Kabinett, alle “vorbereitenden Maßnahmen” zu treffen, um die Auswirkungen von Mers auf die Wirtschaft einzuschränken.

          Das Virus ist seit April 2012 bekannt. Die Krankheit beginnt meist mit einer akuten grippeähnlichen Erkrankung. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel ein bis zwei Wochen. Bei schweren Verläufen kann sich eine Pneumonie entwickeln, die in ein akutes Atemnotsyndrom übergehen kann. Ein häufiges Begleitsymptom ist Durchfall; bei schweren Verläufen kann auch Nierenversagen auftreten. Weltweit liegt die Zahl der Infektionen nun bei 1257, wovon 448 zum Tode führten. Südkorea beklagt die meisten Fälle nach Saudi-Arabien.

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