https://www.faz.net/-gv6-87cwx

Mehr als 25 Prozent : Gewaltiger Sprung des Ölpreises

Erdölraffinerie von Exxon Mobil im amerikanischen St. Bernard Parish Bild: AP

Der Ölpreis hat angezogen wie schon lange nicht: In nur drei Tagen gab es ein Plus von 25 Prozent. Die Händler tun sich mit Erklärungen schwer. Deutet sich damit eine Trendwende an?

          Das hat es schon lange nicht mehr gegeben: An nur drei Handelstagen – vom vergangenen Donnerstag bis zum Montag – ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) um mehr als 20 Prozent gestiegen. Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit rund 54 Dollar etwa so viel wie Anfang August. Auch wenn der Preis am Dienstagabend fast 8 Prozent niedriger lag, bleibt der vorangegangene kräftige Anstieg erklärungsbedürftig. Vor allem stellt sich die Frage: Handelt es sich um ein vorübergehendes Phänomen oder muss der Preissprung als Beginn einer längerfristigen Hausse verstanden werden?

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          „Für eine nachhaltige Trendwende bleibe ich skeptisch“, meint Ulrich Stephan, Anlagestratege bei der Deutschen Bank. Er geht davon aus, dass sich an dem Überangebot der Förderländer nichts ändern wird. Für das Jahresende erwartet er mit 53 Dollar je Barrel Brent den Preis in etwa auf dem aktuellen Niveau. Zuvor hatte die Deutsche Bank den Preis sogar noch 15 Prozent höher erwartet. Auch die Preisprognose für das kommende Jahr wurde reduziert: „Die Förderländer selbst halten das Angebot übergroß. Das Geschäftsmodell von Ölstaaten wie Russland oder Saudi-Arabien fußt schon lange auf hohen Energiepreisen. Jetzt pumpen sie, was das Zeug hält, um ihren Haushalt halbwegs auszugleichen.“

          Die jüngste Hausse am Ölmarkt sei der stärkste Anstieg in drei Tagen seit dem August 1990 gewesen, schreibt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Damals hatte der Einmarsch irakischer Truppen nach Kuweit die westliche Welt beunruhigt. Aktuell sei der Ölpreis lediglich auf sein Niveau von Ende Juli zurückgekehrt, wofür es nachvollziehbare Gründe gebe, erinnert Weinberg. Der Preisrückgang in den ersten drei Wochen des August sei eine Folge überzogener Sorgen um die chinesische Wirtschaft gewesen. Die jüngsten Daten über die Ölnachfrage aus China zeigten jedoch keine Schwäche an.

          Amerikanische Rohölproduktion blieb unter Erwartungen

          Auch wenn es nach Ansicht von Analysten keinen Grund gibt, eine längerfristige Hausse des Ölpreises anzunehmen, bleibt der gewaltige Preissprung der vergangenen Tage jedoch erklärungsbedürftig. Am Markt wurde einerseits auf einen Bericht der amerikanischen Energiebehörde verwiesen, wonach die amerikanische Rohölproduktion zwischen April und Juni um 250.000 Barrel je Tag unter den Erwartungen lag. Zudem wurde ein Dokument der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zitiert, nach dem die Opec über Maßnahmen zugunsten höherer Preise nachdenke und in diesem Zusammenhang bereit sei, auch mit Förderländern zu sprechen, die nicht der Opec angehören.

          Dennoch erklären diese Nachrichten nicht die außerordentliche Heftigkeit der jüngsten Preisbewegung. Hinzukommen dürften niedrige Umsätze im Terminhandel mit Rohöl, da am Montag in Großbritannien ein Feiertag war. Zahlreiche Händler, die auf eine weitere Baisse gesetzt hatten, sahen sich in den vergangenen Tagen offenbar gezwungen, in die steigenden Preise hinein ihre Positionen zu schließen, um Verluste zu minimieren. Diese Käufe dürften in einem dünnen Markt zu dem spektakulären Preisanstieg beigetragen haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Handball-WM in Liveticker : Tag des offenen Tores in Köln

          Durch Frankreichs überraschende Niederlage gegen Kroatien ist der deutsche Weg zum Gruppensieg frei. Doch die Spanier sind zäh. Deutschland führt knapp zur Pause. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.