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Markttechnik : Der Silberpreis steht vor dem Ausbruch nach oben

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Eine Unze Silber kostet nun an den Terminmärkten mehr als 21 Dollar Der Preis durchbrach damit einen wichtigen charttechnischen Widerstand. Damit steht einem weiteren Preisanstieg aus technischer Sicht kaum noch etwas entgegen.

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          In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten die Brüder Nelson und William Hunt eine zwar nicht mehr ganz taufrische, aber im Erfolgsfall extremen Gewinn verheißende Idee: Sie wollten mit dem Geld ihres Vaters, einem texanischen Ölmagnaten, den damals noch vergleichsweise überschaubaren Silbermarkt unter ihre Kontrolle bringen.

          Sie kauften so viel Silber wie möglich, übernahmen sich schließlich und mussten das 1989 mit ihrer eigenen Bankrotterklärung auch offiziell anerkennen. Dabei wurden sie wenigstens teilweise Opfer ihrer eigenen Strategie: Ihre Käufe lösten Kaufpanik aus und trieben den Silberpreis im Januar 1980 auf fast 50 Dollar für eine Unze (rund 31 Gramm). Das war mehr als zehnmal so viel wie drei Jahre zuvor und etwa das Vierzigfache dessen, was eine Unze Ende des Jahres 1971 kostete.

          Gold- und Silbermärkte in „Partylaune“

          Unter diesen Exzessen litt der Silberpreis zweieinhalb Jahrzehnte und dümpelte ziemlich unspektakulär zwischen 4 und 8 Dollar hin und her. Dann aber nahm er sich an seinem großen Bruder, der Feinunze Gold, ein Beispiel und knackte in der vergangenen Woche den wohl alles entscheidenden Widerstand von rund 21 Dollar. Gerade nach diesem vorläufigen Höhepunkt der Entwicklung lohnt heute ein Blick auf den Silber-Chart (siehe Grafik). Denn wenn ihm jetzt ein nachhaltiger Durchbruch durch diese Widerstandszone gelingt, steht Preisen von 23 Dollar oder sogar darüber wenig im Weg. Analytisch betrachtet, können derzeit erst Kurse unter der massiven Unterstützung von 15 Dollar dieses Szenario in Frage stellen. Das ist aber wenigstens in der nächsten Zeit je nach Lesart weder zu erwarten noch zu befürchten.

          Parallel zum Silber-Höhenflug zeigte sich auch der Goldpreis weiterhin in Partylaune und touchierte erstmalig die anvisierte Marke von 1300 Dollar. Kurzfristig spricht zwar vieles dafür, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird - weitere Höchstkurse der Dollarnotierung des Edelmetalls sind also wahrscheinlich. Die hier im Juli erstmals präsentierte Einschätzung, wonach diese zur Jahrtausendwende begonnene Rally ihrem Ende zugeht, bleibt dennoch intakt. Der Dax scheint indes wieder seinen mittlerweile nur allzu bekannten Weg zu gehen. Abermals hat er sich am letzten Dienstag mit einem Tageshoch von 6340 Punkten knapp seinem Jahreshoch (6387 Punkte) genähert, abermals hat er es nicht überwunden. In den verbleibenden Septembertagen dürfte sich daran nur wenig ändern. Die Optimisten werden vorübergehend das Feld räumen und weniger zuversichtlichen Marktteilnehmern ermöglichen, den Dax wieder in Bereiche um 6060 Punkte zu drücken.

          Aber auch an den Finanzmärkten geht es wenigstens manchmal zu wie im richtigen Leben. Oft genug klappen die Dinge nicht im ersten Anlauf, und nicht selten sind es auch und gerade selbst die großen Umwege, die ans Ziel führen. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass der Dax sein bisheriges Verhaltensmuster jetzt ändern und eben nicht wieder auf Niveaus zwischen rund 5900 und 5800 Punkten zurückfallen wird. Nach der jetzt anstehenden Konsolidierung wird wohl jeder Schlusskurs über 6350 Punkten eine knackige Rally auslösen und den Dax bis zu 10 Prozent voranbringen. Erst Kurse unter 5795 Punkten, dem analytischen Stoploss, machen ein solches Szenario obsolet.

          Werden sich auch die Muster beim Dax und Euro ändern?

          Nach wie vor wird diese langsam zunehmende Zuversicht auch durch die gute technische Verfassung vieler Einzelwerte des Dax gestützt: Die Autobauer scheinen immer noch nicht am Ende ihrer jeweiligen Fahnenstange angekommen zu sein, BASF und Bayer erschließen gerade neues Kurspotential, Linde-Aktien kosten so viel wie noch nie, und selbst Siemens scheint weiteres Potential zu haben.

          Der Euro schließlich zeigt gerade vehement, dass wieder mit ihm zu rechnen ist und er allen Unkenrufen und Sorgen um seine Stabilität zum Trotz die bisherigen Jahrestiefs auf absehbare Zeit nicht mehr unterschreiten wird. Im Gegenteil: Die gerade erreichten Werte von mehr als 1,33 Dollar eröffnen weiteren Spielraum bis in Bereiche um 1,38 Dollar. Genau das wiederum könnte die Freude von nicht abgesicherten europäischen Silberenthusiasten in überschaubaren Grenzen halten. Wie schon in den zurück liegenden Monaten würden dann ihre Währungsverluste viel von den Kurssteigerungen des silbernen Metalls aufzehren.

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