https://www.faz.net/-gv6-71jwg

Langfristige Währungsspekulationen : Fremdwährungszertifikate mit Kupon

  • -Aktualisiert am

Bei Anlegern beliebt: Norwegen – Stockfisch beim Trocknen auf den Lofoten Bild: Frithjof Fure/Innovation Norway/ddp

Auf Wechselkursänderungen wird meist kurzfristig und mit hohen Hebeln spekuliert. Es gibt jedoch auch Papiere für den langfristig orientierten Anleger mit Kupons von 6 Prozent.

          2 Min.

          Wechselkurse verändern sich im Gegensatz zu Aktien relativ moderat. Kurssprünge um mehrere Prozentpunkte an einem Tag sind selten. Spekulationen auf Wechselkursänderungen finden deshalb meist kurzfristig und mit hohen Hebeln statt. Ein Hebel von zehn führt bei einer Veränderung des Basiswertes, zum Beispiel des Euro-Dollar-Wechselkurses um 1 Prozent, zu einer Veränderung des Wertpapierpreises um 10 Prozent.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Auch bewegen sich Wechselkurse langfristig oft in einer bestimmten Preisspanne. Seit Einführung des Euro mussten für die europäische Gemeinschaftswährung mal nur 82 Dollar-Cent gezahlt werden, mal 1,60 Dollar. Derzeit liegt der Wechselkurs mit 1,21 Dollar genau in der Mitte dieser Preisspanne. Kurse von 5 Dollar oder 5 Cent blieben bislang aus. Wertvervielfachungen oder drastische Wertverluste wie sie am Aktienmarkt innerhalb weniger Wochen oder Monate durchaus üblich sind, bilden am Währungsmarkt eine absolute Ausnahmeerscheinung.

          Höhere Kuponzahlungen bei höherem Wechselkursrisiko

          Langfristige Währungsspekulationen sind daher am Kapitalmarkt selten. Allenfalls von Großanlegern werden sie zur Diversifikation des Vermögens in mehrere Währungsräume getätigt. Seit der Euro jedoch durch hohe Staatsschulden und Strukturprobleme in einigen seiner Mitgliedsländer an den Kapitalmärkten unter Druck geraten ist, wird in den Banken eine höhere Nachfrage nach Fremdwährungsanlagen verspürt. So berichtete die Börse Stuttgart zuletzt von einer deutlichen Belebung des Handels mit Fremdwährungspapieren insbesondere in norwegischen und schwedischen Kronen.

          5,3 Prozentpunkte hat die norwegische Krone gegenüber dem Euro zugelegt Bilderstrecke

          Vergangene Woche brachte Goldman Sachs eine Reihe neuer Fremdwährungszertifikate auf den Markt, ausgestattet mit festen Kupons. So können Anleger zum Beispiel in ein Papier auf die norwegische Krone unter der Wertpapierkennnummer (WKN) GT13VG investieren. Der Anleger profitiert von Währungsgewinnen der Krone gegenüber dem Euro, verliert jedoch, wenn der Euro gegenüber der Krone während der Laufzeit von drei Jahren gewinnen sollte. Als Basispreis wurde zu Beginn der Laufzeit ein Wechselkurs von 7,70 Kronen je Euro festgelegt. Der Nominalbetrag des Papiers beträgt 1000 Euro. Der Kurs stand am Montag bei 102 Prozent. Sollte die Krone bis zum 20. Juli 2015 zum Beispiel auf nur noch 7 Kronen je Euro steigen, beträgt die Rückzahlung am Laufzeitende 1100 Euro. Fällt die Krone hingegen zum Beispiel auf 9 Kronen je Euro, erhält der Anleger 855 Euro zurück.

          Unabhängig von den Wechselkursänderungen erhält er jedoch Kuponzahlungen von 2,5 Prozent im Jahr. Höhere Kuponzahlungen gibt es bei Währungen, bei denen das Wechselkursrisiko zum Euro höher ist. Die Entwicklung der Krone vollzieht sich weitgehend ohne größere Kurssprünge. Anfang 2009 fiel die Krone kurzzeitig nach den Finanzturbulenzen auf Island auf 10 Kronen je Euro, in den vergangenen zwei Jahren hat sie jedoch relativ kontinuierlich gegenüber dem Euro an Wert gewonnen.

          Anleger sollten das Bonitätsrisiko des Emittenten beachten

          Der Kurs des brasilianischen Real hingegen schwankt wesentlich turbulenter. Binnen eines Jahres hat er fast 10 Prozent gegenüber dem Euro verloren (siehe Grafik). Bei dem Zertifikat mit der WKN GT13VE beträgt der jährliche Kupon 5 Prozent, bei einem Papier auf die türkische Lira mit der WKN GT13VF sogar 6 Prozent.

          Neben dem Risiko von Wechselkursänderungen sollten Anleger wie immer bei Zertifikaten das Bonitätsrisiko des Emittenten beachten. Sollte die Bank, die das Zertifikat begeben hat, während der Laufzeit des Papiers zahlungsunfähig werden, droht dem Anleger ein Totalverlust.

          Wem eine Bank als Emittent zu riskant erscheint, der findet auch immer mehr Fremdwährungsanleihen von Industrieunternehmen. So sind an der Börse Stuttgart derzeit sechs Daimler-Anleihen in norwegischen Kronen handelbar, fünf von Volkswagen und drei von BMW. Die Renditen liegen jedoch alle unter 3 Prozent. So weist die im Juni emittierte Daimler-Anleihe mit Laufzeit bis Juni 2016 zwar einen Kupon von 3 Prozent im Jahr auf. Der aktuelle Kurs beträgt jedoch 102 Prozent, so dass sich eine jährliche Rendite von aktuell 2,5 Prozent ergibt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundesinnenminister Horst Seehofer und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang stellen den Verfassungsschutzbericht 2019 vor

          Rechtsextremismus : „Das ist eine Schande für unser Land“

          Der aktuelle Verfassungsschutzbericht zeichnet ein klares Bild: Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus seien weiter die größte Bedrohung für die Sicherheit in Deutschland, erklärt Innenminister Seehofer. „Wir müssen weiterhin wachsam und wehrhaft sein.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.