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Kurseinbruch : Der Eurokurs fällt auf den tiefsten Stand seit neun Jahren

Auf Talfahrt: Der Euro verliert gegenüber dem Dollar immer weiter an Wert. Bild: dpa

Der Euroraum und Amerika driften wirtschaftlich immer weiter auseinander. Auch die Notenbanken bewegen sich in unterschiedliche Richtungen. Das drückt den Kurs der Gemeinschaftswährung unter 1,20 Dollar. Wie weit kann er fallen?

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          Solche Kurssprünge kommen auf den Devisenmärkten selten vor. 23 Uhr Sonntagabend: Noch notiert der Eurokurs im asiatischen Handel etwas oberhalb von 1,20 Dollar. Wenig später fällt er auf 1,1860 Dollar – den tiefsten Stand seit März 2006. Ein Minus von 1,1 Prozent innerhalb von zwei Minuten. Am Montag notierte er ausschließlich unterhalb von 1,20 Dollar. Was war passiert? Marktteilnehmer rechnen derzeit überwiegend mit einem weiter abwertenden Euro. Weil zwischen Weihnachten und Neujahr deutlich weniger gehandelt wird, lohnte sich für sie eine zu starke Positionierung nicht. Deshalb hatten sie es an diesem ersten „richtigen“ Handelstag eilig, ihre Positionen wieder zu öffnen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hinzu kommt die Unsicherheit über die künftige Regierung in Griechenland und die weitere Gewissheit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am 22. Januar mit ihrem Anleihekaufprogramm beginnen dürfte. Schon geriet die europäische Gemeinschaftswährung weiter unter Druck. Seit seinem Höchststand Anfang Mai hat der Euro um 14 Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet. „Wir haben derzeit eine Situation wie noch nie zuvor seit Einführung des Euro“, erklärt Ulrich Leuchtmann den jähen Kurseinbruch. „Die Notenbanken marschieren in fundamental unterschiedliche Richtungen“, sagt der Leiter Devisenresearch der Commerzbank. Die amerikanische Federal Reserve hat ihre Anleihekäufe eingestellt und nimmt Kurs auf die ersten Zinserhöhungen seit Anfang 2006. Dagegen steht die EZB kurz davor, ihre Bilanzsumme erheblich auszuweiten und die Leitzinsen auf dem derzeitigen Tiefstand zu belassen. „Wir sehen, wie sich hier ein großer Zinsunterschied zwischen beiden Währungsräumen anbahnt“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank.

          Aus Katers Sicht lässt sich die derzeitige Entwicklung noch nicht als Euroschwäche interpretieren. Auch schon im Juni 2010 und im Juli 2012 hatte der Euro jeweils nahe 1,20 Dollar notiert. Die Kaufkraftparität liege bei 1,25 Dollar. „Wir beobachten also gerade erst den Beginn einer Unterbewertung“, sagt Kater. Noch vor sieben Monaten sei nicht absehbar gewesen, dass die Amerikaner das Joch der Finanzkrise überwinden würden. Seither entwickeln sich die makroökonomischen Daten auseinander. Die amerikanische Arbeitslosenquote hat sich von mehr als 10 auf 5,8 Prozent vermindert, in Europa gerade einmal von 11,8 auf 11,4 Prozent. Die Auslastung der amerikanischen Industrie ist höher. In Europa läuft die Erholung dagegen viel schleppender. Einigen europäischen Exporteuren kommt der schwächere Euro deshalb entgegen.

          EZB widersetzt sich der Entwicklung nicht

          Die EZB stemmt sich nicht gegen diese Entwicklung – auch wenn ihr Präsident Mario Draghi zuletzt bekräftigt hat, dass der Wechselkurs keine geldpolitische Zielgröße sei. Seine Bereitschaft, Staatsanleihen der Euroländer zu kaufen, hat aber den Wertverlust des Euro beschleunigt. Denn die Renditen der Eurostaatsanleihen sind kräftig gesunken. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe war am Freitagabend erstmals unter die Marke von 0,5 Prozent gefallen. Damit verbunden sind Kursgewinne der Schuldtitel: Der Bund-Future erreichte ein Rekordhoch von 156,57 Prozent. Anleger schichten deshalb Investitionen in den attraktiver werdenden amerikanischen Zinsmarkt um. In der fünfjährigen Laufzeit pendelt die Rendite der deutschen Anleihe inzwischen um die null Prozent und war zeitweilig schon negativ. Die Volkswirte von HSBC Trinkaus begründen dies mit den Unsicherheiten bezüglich der politischen Entwicklung in Griechenland sowie mit den Abwärtsrisiken für die Inflation infolge fallender Ölpreise. Aufgrund des Preisverfalls bei Erdöl ist die deutsche Inflationsrate im Dezember auf 0,2 Prozent gefallen – den niedrigsten Wert seit fünf Jahren.

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