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Steigende Diamantenpreise : Kult um Hochkaräter

Hart: Der in der südafrikanischen Cullinan-Mine entdeckte blaue Diamant hat 122,5 Karat Bild: AP

Minenkonzerne treiben mit dem Fund seltener Diamanten ihre Aktienkurse in die Höhe. Die Preise für Diamanten steigen insgesamt - auch weil das Angebot knapper wird.

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          Es dürfte für die Diamantenbranche die mit größter Spannung erwartete Nachricht des Jahres werden. Als der in London notierte Minenkonzern Petra Diamonds vor einigen Wochen einen blauen 122,5-Karäter in der südafrikanischen Cullinan-Mine entdeckte, war die Aufregung schon groß. Jetzt wird gerätselt, welchen Preis das wertvolle Stück erzielen könnte. Der Diamantenfachmann Des Kilalea von der Royal Bank of Canada nennt 10 Millionen Dollar eine konservative Schätzung, andere Analysten halten auch bis zu 50 Millionen Dollar für möglich.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Der Sensationsfund fällt in eine Zeit, in der sich Zuversicht in der Diamantenbranche breitmacht. Noch gut in Erinnerung ist die globale Finanzkrise, die zu rasantem Preisverfall innerhalb weniger Tage führte. „Aus unserer Sicht befindet sich die Branche an einem Wendepunkt, vergleichbar mit der Wende für Rohstoffe im Jahr 2003“, schreibt der Finanzdienstleister Investec Securities.

          Diamanten gehören zu den wenigen Rohstoffen, die teils wie Kunstwerke gehandelt werden. Schon ein einziger Stein kann für den Förderer erfolgsentscheidend sein. Der Wert des blauen Diamanten allein beispielsweise würde bis zu 12 Prozent des jüngsten Jahresumsatzes von Petra Diamonds ausmachen.

          Abhängigkeit von einzelnen Gruben erhöht das Risiko

          Für Anleger sind solche Funde so schwer vorherzusehen wie der Gewinn in einem Glücksspiel. Hinweise aber gibt es, denn die Millionen-Dollar-Diamanten stammen oft aus wenigen Bergwerken. Die Cullinan-Mine etwa ist berühmt, weil von dort die größten Diamanten der Welt stammen, einige schmücken die Kronjuwelen der britischen Königin. Petra Diamonds hatte 2008 einen Anteil an dem einstigen De-Beers-Bergwerk gekauft und die Mine später übernommen. Dies erwies sich als Glücksgriff. Im Februar hatte das Unternehmen einen 29,6-Karäter zum Preis von 26 Millionen Dollar verkauft. Im vergangenen Jahr hatte ein 25,5 Karat schwerer Diamant 17 Millionen Dollar eingebracht.

          Einen Namen hat sich auch die Letseng-Mine in Lesotho gemacht, die von dem in London notierten Unternehmen Gem Diamonds betrieben wird. Und aus der Karowe-Mine in Botswana brachte der kleinere Förderer Lucara Diamonds jüngst 16 Diamanten zu Tage, die er für mehr als 40 Millionen Dollar verkaufte. Ein 109,4 Karat schwerer Stein allein erlöste 6,2 Millionen Dollar. Für die nächste Verkaufsaktion im vierten Quartal hat das in Toronto notierte Unternehmen zwei Schwergewichte mit 239 und 193 Karat angekündigt. Da die Förderer oft nur in wenigen Bergwerken graben, schlägt sich schon ein Stardiamant in Kurssprüngen nieder. Wegen der Abhängigkeit von einzelnen Gruben ist das Risiko aber auch sehr hoch. Der Kurs von Lucara hat sich binnen Jahresfrist mehr als verdreifacht, die Papiere von Gem Diamonds und Petra Diamonds gewannen um 38 und 74 Prozent an Wert.

          Insgesamt ist in der Diamantenbranche nach den Verwerfungen vor einigen Jahren wieder Ruhe eingekehrt. Im vergangenen Jahr erreichte die globale Produktion nach einem Bericht des Branchendienstes Rapaport einen Wert von 14 Milliarden Dollar, 11 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei brachten Minenkonzerne 2 Prozent mehr Steine zu Tage, die Preise verbesserten sich im Durchschnitt um 9 Prozent. Spitzenreiter unter den Herkunftsländern war Botswana. Es folgten Russland, Kanada, Namibia, Angola und Südafrika. Verglichen mit dem Jahr 2003 liegt der Preisindex für Rohdiamanten heute um 175 Prozent höher, ermittelte der Preisbeobachter WWW Diamond Forecasts (Grafik). Den Höhepunkt erreichte der Index 2011 wegen starker Nachfrage in Asien und wegen Angebotsknappheit, weil De Beers und Rio Tinto mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Der Index ist vor allem für Anleger in Minenaktien interessant. Für Investoren, die geschliffene Steine als Geldanlage kauften, fielen die Wertzuwächse geringer aus. Der Preisindex für geschliffene Diamanten erhöhte sich um 40 Prozent in der gleichen Zeit.

          Wachsende Nachfrage in China und Indien

          Da der Wert eines Diamanten nicht nur vom Gewicht, sondern auch von Farbe, Reinheit und Schliff abhängt, gibt es keinen einheitlichen Preis wie für Gold oder Platin. Auch findet auf dem Weg von der Mine bis zum Juwelier eine beträchtliche Wertschöpfung statt. Die Beratungsgesellschaft Bain hat vor einigen Jahren berechnet, dass eine Rohdiamantenproduktion von 15 Milliarden Dollar nach dem Schleifen 24 Milliarden Dollar wert ist und im Handel schließlich für 71 Milliarden Dollar angeboten wird.

          Allgemein wird mit weiter steigenden Preisen gerechnet. Bis 2019 erwartet Investec Securities Preiserhöhungen um mindestens 4 Prozent im Jahr. Die Analysten sehen eine wachsende Begeisterung für Diamanten in China und Indien. Gleichzeitig wird das Angebot knapp, weil seit den neunziger Jahren keine Kimberlit-Schlote, die Lagerstätten für Diamanten, gefunden wurden. Allgemein werde von 2016 an ein Defizit auf dem Markt erwartet, heißt es in dem Bericht.

          Darauf setzen auch die breiter aufgestellten Rohstoffkonzerne, die Diamanten wieder zu schätzen scheinen. De Beers gehörte nach den jüngsten Produktionszahlen zu den erfreulicheren Segmenten von Anglo American mit einem 7 Prozent höheren Ausstoß. Der australische Rio-Tinto-Konzern hatte im vergangenen Jahr den Plan aufgegeben, sich von seiner Diamantensparte zu trennen, nachdem er keinen Käufer gefunden hatte. Aktuell steckt das Unternehmen viel Geld in die Argyle-Mine in Australien. Schätzungen nach hat das Bergwerk noch eine Lebensdauer von sechs Jahren. Es liefert fast alle rosafarbenen Diamanten auf der Welt und gehört damit auch zu denjenigen Gruben, die immer wieder die Phantasie beflügeln.

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