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Digitalwährung : Bitcoins fallen unter 300 Dollar

Bitcoin-Geldautomat in Lissabon Bild: dpa

Die sprunghafte Kursentwicklung der Internetwährung ist typisch für enge Märkte, erklärt aber noch nicht den gegenwärtigen Preissturz. Der ist indes auch eine Chance – die Bitcoins könnten ihren ursprünglichen Zweck wiedergewinnen.

          Da wollte wohl jemand einen Preissturz am Markt provozieren: Am Montag wurden 26.000 Bitcoins zu je 300 Dollar auf Bitstamp eingestellt, einer Börse, auf denen mit der Internetwährung Bitcoins gehandelt werden kann. Dabei waren sie zum Zeitpunkt des Verkaufs noch wesentlich mehr wert. Diese Verkaufsorder sorgte dafür, dass der Preis innerhalb von zwei Sekunden absackte und vereinzelt deutlich unter der Marke von 300 Dollar notierte. Adam O’Brien, Chef von BTC Solutions, vermutet, dass der namenlose Verkäufer versuchte, den Preis deutlich zu drücken, um dann Bitcoins neu einzukaufen – eine typische Spekulation auf engen Märkten.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das zeigt wieder einmal die Probleme der digitalen Devise. Durch die vergleichsweise wenigen Akteure auf dem Markt ist es für einzelne Spekulanten möglich, durch gezielte Käufe und Verkäufe den Markt zu destabilisieren und den Preis zu drücken oder eben steigen zu lassen. Auch das Margentrading funktioniert ähnlich und tritt beim Bitcoin immer wieder auf, schreibt der Analyst Raffael Danielli von der Bank ING. Konkret bedeutet das: Ein Investor leiht sich Geld bei anderen Brokern, um auf bestimmte Entwicklungen zu setzen. Zum Termin erhält der Investor entweder den Differenzbetrag, falls der Kurs gefallen ist, oder eine Gutschrift, sollte der Kurs gestiegen sein.

          Geldtransaktionen einfach, schnell und sicher durchführen

          In der etablierten Finanzbranche sind solche Geschäfte gang und gäbe. An sich sind sie auch kein Problem. Doch auf dem Bitcoin-Markt führen schon kleine Transaktionen wegen der niedrigen Liquidität zu großen Kursbewegungen. Fällt der Bitcoin dann unter eine gewisse Marke, muss eine Nachzahlung vom Investor geleistet werden. Kann oder möchte der Spekulant das nicht machen, wird der Bitcoin zwangsweise verkauft. Da nicht gezahlt wird, fällt der Preis weiter.

          Die Preisentwicklung der Internetwährung gleicht so auch einer einzigen Berg- und Talfahrt. Im Januar 2013 wurden Bitcoins für rund 13 Dollar gehandelt, im Dezember des selben Jahres waren es plötzlich 1.200 Dollar. Seitdem ging es konstant nach unten auf den aktuellen Stand von rund 330 Dollar.

          Kursverlauf von Oktober 2013 bis Oktober 2014

          Der Preisverfall im vergangenen halben Jahr könnte aber auch andere Ursachen haben. So sollen sich viele Investoren zurückgezogen haben, da sie in anderen Währungen überzeugendere Chancen vermuten. Doch für die Währung ist der niedrige Preis auch eine Chance. Spekulanten und Investoren werden sich bei fallenden Preisen wohl weiter zurückziehen. Damit könnten die Bitcoins ihren ursprünglichen Zweck wieder erhalten: Als „Kryptowährung“, mit der man einfach bezahlen und Geldtransaktionen einfach, schnell und sicher durchführen kann. Diese Funktionen sind zuletzt aber in den Hintergrund getreten. Dabei haben immer mehr große Unternehmen angekündigt, die Bitcoins zu akzeptieren.

          Wie Bitcoin-Produzenten eine Abwärtsspirale hervorrufen

          Dazu gehörten unter anderem das Buchungsportal Expedia, der Computerhersteller Dell und selbst der Online-Bezahldienstleister Paypal lässt unter bestimmten Bedingungen Bitcoin zu. Das könnte dazu geführt haben, dass sie weniger als Spekulationsobjekt wahrgenommen werden denn als Zahlungsmittel.

          Der letzte Grund für den sinkenden Preis könnten zu guter Letzt die Produzenten der digitalen Währung selbst sein, die so genannten „Miner“. Um im technischen Wettrüsten mitzuhalten zu können, müssen sie in immer bessere Computer investieren. Diese sind teurer und das Geld muss wieder erwirtschaftet werden. Nicolas Courtois, Kryptographie-Fachmann aus London, schätzte zuletzt die Ausgaben für solche speziellen Computer auf mehr als 1 Milliarde Dollar. Die meisten Produzenten würden daher auch Verluste machen, meint er. Deshalb verkaufen viele Produzenten ihre Bitcoins sofort und überschwemmen der übersättigten Markt noch mehr. Damit fallen die Preise immer weiter – eine Abwärtsspirale entsteht.

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