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Konjunkturhoffnungen : Anleger kehren an die Rohstoffmärkte zurück

  • -Aktualisiert am

Riskanter Rohstoff: Weizen wird wertvoller Bild: dpa

Gute Unternehmenszahlen bessern die Stimmung der Investoren. Sie gehen höhere Risiken ein und setzen auf Öl, Kupfer und Weizen. Selbst das BP-Desaster scheint überwunden.

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          Die Aktienmärkte werden in diesen Wochen nicht nur von guten Unternehmensergebnissen und steigenden Bankaktienkursen vorangetrieben, sondern auch von deutlich höher bewerteten Minengesellschaften. Am Dienstag meldete der schweizerische Bergbaukonzern Xstrata, dass sich sein Gewinn im ersten Halbjahr dieses Jahres aufgrund gestiegener Preise für Basismetalle und Kohle verdreifacht habe.

          „Wir sind relativ sicher, dass wir aus der Rezession herauskommen“, betonte der Vorstandsvorsitzende Mick Davis während der Vorlage des Halbjahresergebnisses in London. „Wir teilen nicht die Furcht mancher Marktteilnehmer, dass die Welt in eine abermalige Rezession zurückfallen könnte.“ In den Vereinigten Staaten sei eine „solide“ Konjunkturerholung zu beobachten. Dies sei mit Blick auf die Exporttätigkeit Chinas wichtig.

          Die Aktienkurse der Bergbaugesellschaften Xstrata, Vedanta und BHP Billiton legten allein am Wochenanfang um 5 Prozent zu. BHP Billiton profitiert zudem von dem Gerücht, dass der Rohstoffkonzern möglicherweise daran interessiert sei, das Ölunternehmen BP zu übernehmen. Ohne eine größere Übernahme könnte die Minengesellschaft BHP gezwungen sein, Kapital an ihre Aktionäre zurückzahlen zu müssen. Die Aktien anderer Mineralölkonzerne und in der Ölproduktion tätiger Unternehmen wie etwa Tullow Oil haben außerdem die Verkaufswelle der Anleger nach dem BP-Desaster überwunden; ihre Kurse legen wieder merklich zu.

          Die gestiegenen Unternehmensgewinne sind ein Grund dafür, dass auch Investoren wieder an Rohstoffmärkten und Bergbaugesellschaften interessiert sind. Die gesunkene Angst vor unbeherrschbaren griechischen Staatsschulden hat die Finanzmärkte außerdem beruhigt. Und nach dem erfolgreichen Stresstest der Banken legte sich auch die Sorge um die Finanzbranche, zumal zahlreiche Banken in den vergangenen Wochen überraschend kräftige Gewinne berichteten. Investoren agieren in diesem Umfeld wieder risikofreudiger. Ihre Stimmung trübt auch nicht, dass die chinesische Wirtschaft offenbar vorübergehend etwas weniger stark wächst als gedacht - ein beachteter Index, der einen Teil der wirtschaftlichen Aktivität in China abbildet, ist im Juli etwas zurückgefallen. Dies wurde von Marktteilnehmern sogar positiv bewertet, weil das zeige, dass die Politik Pekings wirke, einer Überhitzung der Konjunktur entgegenzusteuern. Mittlerweile ist zu beobachten, dass Peking wieder den Fuß von der Bremse nimmt.

          Belasteter Wechselkurs des Dollars führt zu höheren Preisen

          Anhaltend gute Konjunkturaussichten für Asien im Allgemeinen und für China im Besonderen führen gerade an den Rohstoffmärkten zu Zuversicht. Am Kupfermarkt in New York setzen spekulativ orientierte Investoren beispielsweise nach jüngsten Daten der Terminmarktaufsicht CFTC wieder vermehrt auf einen steigenden Kupferpreis. Der Saldo der Positionen, die auf steigende und fallende Preise setzen, liegt demnach auf einem Niveau von 14.500 Kontrakten - so hoch wie zuletzt Anfang Mai. Der Kupferpreis ist Anfang der Woche auf 7510 Dollar pro Tonne geklettert; einige Marktteilnehmer halten das bereits für übertrieben. Der Preis für Blei, das vor allem für Batterien verwendet wird, stieg seit Ende Mai von 1600 auf 2200 Dollar pro Tonne.

          Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten drücken darüber hinaus den Wechselkurs des Dollar, was wiederum ebenfalls zu höheren Preisen von in dieser Währung notierten Rohstoffen führt, wie etwa Öl. An der New Yorker Rohstoffbörse Nymex setzen spekulative Investoren mittlerweile so stark auf einen steigenden Ölpreis wie seit Mai nicht mehr. Der Preis für die amerikanische Ölsorte WTI ist am Dienstag bis auf 82,47 Dollar für ein Fass (159 Liter) gestiegen und hat damit seine Schwankungsbreite von 70 bis 80 Dollar verlassen, innerhalb welcher er seit Mitte Mai pendelte.

          Rohstoffpreise und Aktienkurse bewegen sich derzeit wieder nahezu parallel. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich Investoren wieder stärker an die etwas riskanteren Rohstoffmärkte trauen. Neben Basismetallen und Öl lockte in den vergangenen Wochen vor allem der Weizenmarkt Spekulanten an, denn: In Russland plagt eine Jahrhundertdürre die Agrarwirtschaft, in Kanada leiden der Weizenanbau und die Aussaat unter schlechtem Wetter. Eine geringere Ernte und drohende Exportbeschränkungen Russlands haben den Weizenpreis im Juli so rasant wie seit 60 Jahren nicht mehr in die Höhe schnellen lassen. Jahrelang kostete Weizen etwa 4,30 Dollar je Scheffel, nun sind es 6,90 Dollar und der Preis steigt weiter.

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