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Klimaphänomen : El Niño wirbelt die Welt durcheinander

Tritt El Niño dieses Jahr ein, wird es nicht nur in Indien, sondern auch in Australien trockener als sonst. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es weniger Weizen und Zuckerrohr gibt, als der Kontinent sonst bereitstellt. Dagegen bringt El Niño in Brasilien und im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten mehr Feuchtigkeit und Kühle mit. Das ist für Baumwolle in den Vereinigten Staaten schlecht. Diese kann zwar noch geerntet werden. Regnet es jedoch mehr, wird die Qualität schlechter. Ähnlich sieht es bei Zucker aus. In Mittelamerika, welches dank El Niño trockener wird, werden die Plantagen weniger Kaffee produzieren. Auch in Asien und Afrika wird mit einer signifikant niedrigeren Produktion gerechnet.

Manche Bauern spüren die Folgen schon jetzt, wie die Finanzagentur Bloomberg berichtet, zum Beispiel auf den Philippinen. Dort hat die Regierung angeboten, Rattenschwänze gegen Reis zu tauschen. Daher jagen dort Bauern nachts Ratten, die in den Feldern bis zu ein Kilogramm schwer werden sollen. Das Fleisch verzehren sie dann, und zehn Rattenschwänze tauschen sie zu einem Kilogramm Reis ein - beide Seiten gewinnen.

Globale Auswirkungen des El Niño Phänomens von Juni bis August

Noch gibt es laut Adam Scaife vom nationalen britischen Wetterdienst eine Chance von 70 Prozent, dass El Niño moderater ausfällt. Das sehen die australischen Kollegen aber anders, die sagen, dass es einige starke Signale für einen kräftigen El Niño gibt.

Bei all diesen Negativnachrichten verwundert eine etwas ältere Studie aus Japan. Denn diese besagt, dass El Niño die globale Ernte stärker fördert, als er sie beeinträchtigt. Konkret hat ein Forschungsteam rund um Toshichika Iizumi vom nationalen Institut für Umwelt- und Agrarforschung herausgefunden, dass es bei 22 bis 24 Prozent der Agrargebiete negative Effekte gibt. Dafür gibt es bei 30 bis 36 Prozent positive Auswirkungen und die Ernteerträge steigen. Dazu untersuchten die Forscher die Ernten zwischen 1984 und 2004. Demnach haben El-Niño-Ereignisse beispielsweise negative Folgen auf den Maisanbau im Südosten der Vereinigten Staaten, in China, im Osten und Westen Afrikas und in Indonesien gehabt. Auch die Erträge bei Sojabohnen in Indien und Teilen Chinas leiden darunter. Dagegen fahren zum Beispiel Maisbauern in Brasilien und Argentinien höhere Ernten durch El Niño ein.

Die Forscher haben jedoch nicht den Einfluss von El Niño auf die genaue Höhe der Ernteerträge ermittelt. Denn wenn manche Regionen profitieren, in denen die Agrarwirtschaft nicht sonderlich modernisiert ist, und dafür hochtechnisierte Agrarländer verlieren, könnten die gesamten Ernteerträge doch sinken. Weiterhin werde die globale Nachfrage nach Mais, Reis, Weizen und Sojabohnen sich bis ins Jahr 2050 verdoppeln. Damit ist auch weiterhin mit Preissteigerungen bei den Agrarrohstoffen zu rechnen. Um das auszugleichen, müsste die Produktion in den kommenden vier Jahrzehnten um bis zu 2,4 Prozent je Jahr zulegen, so die Forscher. Die Forscher empfehlen daher, das El-Niño-Phänomen auszunutzen. So könnten beispielsweise der Zeitpunkt der Aussaat oder die Art des angebauten Getreides entsprechend angepasst werden.

Bei La Niña, der kleinen Tochter des Wetterphänomens, verschlechtern sich dagegen die Ernten. Dieses Phänomen tritt im Anschluss an El Niño auf. Dann verschlechtern sich für 9 bis 13 Prozent der Agrarflächen die Bedingungen, und nur bei 2 bis 4 Prozent werden sie besser.

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