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Kapitalabflüsse : Die Krise springt auf weitere Schwellenländer über

Kasachstans Hauptstadt Astana war lange eine Boomstadt Bild: AFP

Kasachstans Notenbank muss die Landeswährung um 19 Prozent abwerten. Die Ukraine weitet die Devisenkontrollen aus. Immer mehr Schwellenländer reagieren verzweifelt auf die Krise.

          Immer mehr Schwellenländer müssen zu Verzweiflungstaten greifen, um ihre Währungen zu stützen. Denn viele Anleger ziehen Kapital ab. Die Ukraine hat die Devisenkontrollen ausgeweitet, um den auf der Landeswährung Griwina lastenden Abwertungsdruck zu dämpfen. In Kasachstan, dem neuntgrößten Flächenstaat der Erde, musste die Zentralbank den seit Februar 2009 festen Wechselkurs des Tenge zum Dollar um sage und schreibe 19 Prozent herabsetzen. Damit wandelt der kasachische Tenge auf den Spuren des argentinischen Peso, der im Januar 23 Prozent an Wert verlor.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Kapitalabfluss aus Argentinien, der Ukraine und Kasachstan passt dazu, dass Anleger in den vergangenen Wochen Milliarden aus Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und der Türkei abgezogen haben. Bemerkenswerterweise hat auch die kasachische Notenbank ihre Abwertung des Tenge mit der amerikanischen Geldpolitik begründet. Weil die Notenbank Fed weniger Anleihen kauft, werte der Dollar auf und Schwellenländerwährungen werteten ab, hieß es von der in Almatay ansässigen Zentralbank.

          Sie schließt sich damit vorsichtig der Kritik von Indiens Zentralbankpräsident Raghuram Rajan an. Dieser hatte sich darüber empört, dass die Fed die Anleger jahrelang mit zusätzlichem Geld versorgt hat, das auch in Schwellenländer floss. Nun, da sie ihre Geldpolitik ändere, schere sie sich nicht genug um die Schwellenländer.

          Neben der Fed seien auch interne Schwierigkeiten schuld

          Allerdings hätten deren hohe Kapitalabflüsse nicht nur mit der etwas knapper werdenden globalen Überschussliquidität zu tun, sondern auch mit internen Schwierigkeiten. Im Fall der Ukraine liegt der Vertrauensverlust der Anleger angesichts der unklaren politischen Machtverhältnisse auf der Hand. Seit dem Wochenende dürfen Privatleute nur noch für umgerechnet 50.000 Griwina (rund 4.500 Euro) ausländische Devisen erwerben.

          Schon seit November 2012 müssen ukrainische Exportunternehmen 50 Prozent ihrer Erlöse an die Zentralbank verkaufen. Harwig Wild vom Bankhaus Metzler verweist darauf, dass die Ukraine in diesem Jahr fast 10 Milliarden Dollar für Zinsen und Tilgung aufbringen muss – angesichts von nur noch 16 Milliarden Dollar an Devisenreserven (ohne Gold) kein leichtes Unterfangen. Zumal die Unterstützung Russlands fraglich ist, wenn nach den Winterspielen in Sotschi vielleicht nicht mehr so genau in diesen Winkel der Welt geschaut wird.

          Auch die kasachischen Devisenreserven sind mit 24,5 Milliarden Dollar so niedrig wie seit Dezember 2009 nicht mehr. Aber Kasachstan, das mit Russland in einer Zollunion ist, hat tendenziell einen Handelsüberschuss und ist damit weniger abhängig von ausländischem Kapital.

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