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Kanadischer Ölsand : Waldbrände als mittelbarer Preistreiber für Öl

Beim kanadischen Ölort Fort McMurray wüten die Brände. Bild: Reuters

Die Waldbrände in Kanada beeinträchtigen die dortige Ölproduktion. Doch für den Ölpreis sind derzeit andere Faktoren ausschlaggebender. Zumindest noch.

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          Nur vergleichsweise kurz ging es am Montag für den Ölpreis nach oben. Den Anstieg von Freitag miteingerechnet, erhöhte sich der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent um rund 5 Prozent bis auf 46,609 Dollar. Bei mittlerweile 44,627 Dollar sind praktisch alle Kursgewinne wieder verloren gegangen.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als einer der Gründe des kurzfristigen Preisanstiegs waren die Waldbrände in Kanada genannt worden, die große Produzenten wie Suncor oder Nexen dazu gezungen haben, ihre Produktion einzustellen. Mittlerweile seien Kapazitäten von rund einer Million Barrel (159 Liter) pro Tag still gelegt, heißt es.

          Doch wie schon der Produktionsausfall aufgrund eines kurzen Streiks kuwaitischer Ölarbeiter vor einigen Wochen wird dieser Effekt von den immer noch hohen Lagerbeständen aufgefangen, so die Analysten des Marktforschungsinstituts JBC.

          Mittelbarer Effekt auf Ölpreis möglich

          Dennoch könnte der Produktionsausfall in Kanada mittelbar merkliche Auswirkungen auf den Ölpreis haben. Die in Amerikas Mittlerem Westen ansässigen Produzenten könnten dies recht kurzfristig zu spüren bekommen, da sie üblicherweise täglich mehr als zwei Millionen Barrel kanadischen Öls beziehen.

          Dieses ist zwar nicht direkt mit den marktführenden Sorten wie Brent oder WTI vergleichbar und schwerer zu verarbeiten. Denn im kanadischen Ölsand wird üblicherweise Bitumen und anderes Schweröl gefördert. Dieses wird erst noch verfeinert, bevor es von den Raffinerien verarbeitet werden kann. Doch derzeit stehen auch die in Kanada beheimateten Verfeinerungsanlagen wegen der Brände still.

          Daher sei denkbar, dass die betroffenen Raffinerien bald Leichtöl der Marke WTI ankaufen, zumal diese aufgrund von Problemen mit der Keystone-Pipeline schon im April weniger Öl aus Kanada erhalten hätten, sagen Analysten. Führt dies zu einem Absinken der Lagerbestände, könnte das den Ölpreis wieder nach oben treiben.

          Die scharfe Wende des Ölpreises am Montag hat wohl weniger damit zu tun, dass die kanadischen Ölkonzerne versicherten, ihre Produktion binnen einer Woche nach Ende der Brände wieder aufnehmen zu können. Zudem fallen die Auswirkungen der Brände auch deswegen schwächer aus, weil einige Anlagen schon zuvor wegen planmäßiger Wartungsarbeiten außer Betrieb waren. Da die Ölsandproduktion erst im Bereich von 50 Dollar profitabel wird, lohnt es sich, solche Maßnahmen bei niedrigen Preisen durchzuführen.

          Ausschlaggebend für das Ende der kurzfristigen Aufwärtsbewegung ist vielmehr ein etwas festerer Dollarkurs. Dieser hat sich von seinem 15-Monatstief von Anfang Mai wieder spürbar erholt. Steigende Dollarkurse verteuern die Preise für in Dollar gehandelten Rohstoffe wie Rohöl für Dollar-Ausländer. Aus dem gleichen Grund sank auch der Goldpreis am Montag bislang um mehr als 20 Dollar auf 1264 Dollar.

          Die amerikanische Währung profitierte von Aussagen des New Yorker Fed-Präsidenten William Dudley in der "New York Times", wonach die Erwartung zweier Zinserhöhungen in diesem Jahr "vernünftig" sei. Am Freitag hatten schwache Arbeitsmarktdaten noch die Zinsspekulationen gedämpft.

          Kabinettsumbildung in Saudi-Arabien schwächt Preise

          Als schwächend für den Ölpreis wird hingegen eine Kabinettsumbildung in Saudi-Arabien gesehen. Ölminister Al Naimi musste seinen Posten an den Präsidenten der staatlichen Ölfirma Aramco, Al Falih, abgeben. Dieser scheine König Salman näher zu stehen und es mache ein Einfrieren der Ölproduktion beim nächsten Opec-Treffen am 2. Juni unwahrscheinlicher, meinen die Analysten der französischen Bank BNP Paribas.

          Kronprinz Mohammed habe stets betont, dass Saudi-Arabien einem Einfrieren nicht zustimmen werde, solange ander große Produzenten, und das heißt vor allem Iran, dies nicht ebenfalls täten.

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