https://www.faz.net/-gv6-70fyg

Rohstoff-Förderung : Kampf um das Great Barrier Riff

Rohöl auf dem Riff - so sah es im April 2010 aus. Bild: dpa

Die Rohstoffindustrie will im Nordosten Australiens Kohle und Gas in großem Stil abbauen. Dies könnte das Weltnaturerbe gefährden.

          Das Great Barrier-Riff vor der Ostküste Australiens ist ein Ort der Ruhe - zumindest für Taucher unter Wasser. Im Ferienort Cairns, an den Stränden, auf den Booten tummeln sich Touristen. Sie konnten dem Naturwunder bislang nichts anhaben, förderten aber Australiens Wachstum. Das sollen auch die Megaprojekte der Rohstoffindustrie, die nun an der Küste Gestalt annehmen: Gasterminals, Kohlehäfen, Bergwerke. Sie allerdings bedrohen das Riff.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Dies zumindest sagt die Unesco, die Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen. Sie lässt den Australiern nur acht Monate Zeit, dass Riff stärker zu schützen. Seit 1981 steht es auf der Liste der Weltnaturerben.

          Das Riff soll auf die Liste der gefährdeten Naturerbe kommen

          Ungezügelter Tourismus, vor allem aber der Ausbau des Geschäftes mit den Rohstoffen, drohte das Naturwunder für immer zu schädigen. Wenn Australien die Entwicklung rund um das Riff Ende Januar nächsten Jahres nicht genauer beobachtet und reguliert, will die Unesco das Barrier-Riff auf die Liste der gefährdeten Naturerbe setzen. Dies wäre ein enormer Gesichtsverlust für die Bundes- und Landesregierung und würde den Tourismus belasten.

          Damit ist der Bericht der Unesco für die wachsende Umweltbewegung an der Küste entlang des Riffs frische, scharfe Munition. Ihre Lobbyarbeit führte dazu, dass die Unesco sich der Zukunft des Riffs widmete. Für die Bodenschatzindustrie ist das strenge Urteil dagegen ein weiterer Tiefschlag: Seit Jahren wächst der Widerstand der Landbevölkerung gegen die oft milliardenschweren Investitionen. Australiens Regierung versucht unterdessen, den Rahm der hohen Unternehmensgewinne über Steuern abzuschöpfen. Zeitgleich verlangen Arbeiter und Aktionäre nach höheren Beteiligungen, und die Rohstoffvorkommen sind schwieriger auszubeuten, was die Kosten steigen lässt. Deshalb reagiert die Branche dünnhäutig.

          Das Riff wird zum Symbol um das Tauziehen der Rohstoffriesen

          Das Barrier-Riff dürfte zum Symbol für das Tauziehen um die Rechte der Rohstoffriesen werden. Auf der einen Seite der mit gut 2000 Kilometern längste Streifen von Korallenriffen der Welt, der 20.000 Quadratkilometer bedeckt. Hier leben mehr als 1500 Arten von Meerestieren und 360 Korallenarten. Die Unesco bezeichnet das Ökosystem als „spektakulärste Meereslandschaft der Welt“. Die australische Regierung schätzt, das Riff steuere mehr als 5 Milliarden Australische Dollar zur Volkswirtschaft des Fünften Kontinents bei, denn es zieht im Jahresschnitt gut 1,6 Millionen Gäste an. Dadurch sind auch mehr als 63.000 Arbeitsplätze geschaffen worden.

          Die Rohstoffindustrie will mehr Geld verdienen als der Tourismus

          Auf der anderen Seite steht die Rohstoffindustrie. Sie will entlang der Küste des Bundesstaates Queensland bald ein viel größeres Rad drehen, als es der Tourismus bewegt. Wie sensibel die Politiker und Unternehmer auf Kritik reagieren, zeigte Campbell Newman, der neue Ministerpräsident des Bundeslandes Queensland: „Wir werden die Umwelt schützen. Aber wir werden nicht zulassen, dass die wirtschaftliche Zukunft von Queensland beerdigt wird“, polterte er nach Veröffentlichung des Berichts.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Amerikas Präsident Donald Trump und sein Justizminister William Barr

          Russland-Affäre : Sicherheitsrisiko Trump

          Justizminister William Barr kann ab jetzt Geheimdienstinformationen freigeben, um zu belegen, dass die Russland-Ermittlung eine „Hexenjagd“ gewesen sein soll. Aus politischen Motiven geht Donald Trump erhebliche Sicherheitsrisiken ein.
          Die irische Flagge vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel

          EU-Wahl : Pro-europäische Regierungspartei in Irland vorn

          Irlands Regierungschef warnt nach dem Rücktritt von Theresa May vor einer „sehr gefährlichen“ Phase. Bei der Europawahl hat er offenbar Rückenwind bekommen. EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber verspricht, Europa vor Nationalisten zu verteidigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.