https://www.faz.net/-gv6-7v235

Opec in der Krise : Kampf um den Ölpreis

Ölförderung vor der Küste Libyens im Mittelmeer Bild: dpa

Der Ölpreis sinkt und das Erdölkartell Opec streitet mehr als je zuvor. Nun steht ein Duell zwischen Venezuela und Saudi-Arabien bevor. Am Ende könnte das Kartell nur noch ein Stubentiger sein.

          Öl wird immer günstiger. Eigentlich ist das eine schöne Nachricht für alle. Für alle? Nicht ganz. In der Organisation der Erdöl exportierenden Länder, kurz Opec, ist ein riesiger Streit entbrannt. Zwar schwelt er schon seit einem Jahr, wie diese Zeitung mehrmals berichtete. Aber der aktuell niedrige Ölpreis hat zu der Eskalation des Konflikts geführt: Ein Barrel (rund 159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Dienstag weniger als 87 Dollar - am Freitag waren es noch drei Dollar mehr gewesen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Erdölkartell Opec ist eine illustre Runde aus Scheichs, amerikafeindlichen Sozialisten, Diktatoren und demokratisch gewählten Ministern die sich zweimal im Jahr in Wien trifft. Dort, in der Opec-Zentrale, feilschen die verantwortlichen Ölminister dann um die richtige Fördermenge. Es geht darum, wie viel Öl das Kartell produzieren wird. Wohlgemerkt nicht, wie viel es tatsächlich produzieren kann. Es ist ein Ritual, welches nur schwer vorstellbar in einer modernen Marktwirtschaft ist.

          So illuster wie diese Runde, so unterschiedlich sind die Meinungen über die Produktionskürzungen. Ganz ungeniert wurde da von den Hardlinern schon gedroht, die Ölproduktion so stark zu kürzen, dass ein Barrel rund 400 Dollar kosten würde. Die Unruhestifter benutzten den Ölpreis oft als verlängerten Arm ihrer außenpolitischen Agenda. Das Feindbild der Vereinigten Staaten kann man mit einer Kürzung aber kaum noch erreichen, seitdem durch Fracking das Öl auch im Mittleren Westen wieder sprudelt. So kann pragmatische Kartellpolitik nicht greifen. Zu oft haben die Hardliner niedrigere Förderquoten gefordert und sich dann selbst nicht daran gehalten.

          Zu diesen Hardlinern gehörten einst Algerien, Iran, Libyen und Venezuela. Doch in Libyen wurde Gaddafi aus dem Amt gejagt, und in Iran ist mit dem neuen Staatspräsidenten Hassan Rohani ein anderer Ton eingezogen als noch unter Mahmud Ahmadinedschad. Die Hardliner-Fraktion ist also deutlich geschrumpft.

          Venezuelas Außenminister Rafael Ramírez hat nun die Opec um eine Notfallsitzung angefleht, um auf die niedrigen Preise zu reagieren. Venezuela ist schon seit langem eines der Sorgenkinder der Opec. Zwar haben sie noch vor Saudi-Arabien die größte Erdölförderung, aber die Produktion ist ungleich geringer.

          Araber wollen keine Produktionskürzung

          Die anderen Länder reagierten aber nur sehr kühl auf die Forderung: Aus Kuweit hieß es vom verantwortlichen Ölminister Ali al-Omair am Sonntag, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass die Förderung gezügelt werde. Auch Saudi-Arabien sendet keinerlei Signale aus, dass es die Förderung senken möchte.

          Ein Grund dafür nennt al-Omair gleich selbst in der offiziellen Kuweiter Nachrichtenagentur: „Eine Kürzung der Opec-Produktion wird nicht unbedingt zu steigenden Preisen führen, da andere Länder mittlerweile signifikant mehr produzieren.“ Noch nie zuvor hat ein Mitglied der Opec die eigene Machtlosigkeit offener zugegeben. Ein anderer Grund ist: Viel Öl wird nur nachgefragt, wenn es der Wirtschaft gutgeht. Ein hoher Ölpreis dagegen kann die Wirtschaft in eine Rezession führen, es würde weniger Öl nachgefragt werden - damit wäre auch niemandem geholfen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.