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Japan : Yen notiert nach dem Erdbebenschock etwas fester

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Bild: Bloomberg

Reagierte der Kurs des Yen zunächst mit einem Schwächeanfall auf das Erdbeben, so erholte er sich im weiteren Handelsverlauf davon und wertete sogar auf. Japanische Anleger zögen Geld aus dem Ausland ab, heißt es.

          Ein starkes Erdbeben und dessen Schäden bewegen am Freitag neben der europäischen Schuldenkrise und den wieder aufkommenden Sorgen über die amerikanische Wirtschaftsentwicklung die Finanzmärkte.

          Reagierte der Kurs des Yen zunächst mit einem Schwächeanfall auf das Erdbeben der Stärke 8,8, die Explosionen und Brände in weiten Teilen des Landes, starke Überschwemmungen und auf die ausgegebene Tsunami-Warnung für den gesamten pazifischen Raum, so erholte er sich im weiteren Handelsverlauf davon und wertete sogar auf. Im europäischen Handel legt der Yen gegen den Euro um 1,2 Prozent zu auf 113,40 Yen und gegen den amerikanischen Dollar 0,8 Prozent auf 82,33 Yen je Dollar.

          Repatriierung von Geldern?

          „Der Yen steigt wohl, wegen einer gewissen Repatriierung von Geldern in Japan“, sagte Jane Foley, leitende Devisenstrategin bei Rabobank International in London der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Der Yen profitiert generell in unsicheren Zeiten, die durch Naturkatastrophen ausgelöst werden.“ In den Handelsräumen wird darüber spekuliert, dass die Japaner - wie auch schon nach dem schweren Beben von Kobe im Januar des Jahres 1995 - Fremdwährungen aus dem Ausland in die Heimat zurückführten.

          Damals wertete die japanische Währung gegen den Dollar nach dem Erbeben von 100 auf bis zu 82,59 Yen auf, bevor sie kurz danach deutlich abwertetet und der Kurs schließlich auf bis zu auf 145 Yen je Dollar im Jahr 1998 stieg. Damals konnte die japanische Zentralbank allerdings den Leitzins innerhalb kurzer Zeit den Leitzins von 2,3 auf bis zu 0,5 Prozent senken. Diese Möglichkeit hat sie im aktuellen Umfeld nicht, da der Leitzins mit 0,9 Prozent praktisch keinen Spielraum mehr nach unten hat. Auf dieser Basis scheint zumindest kurzfristig eine weitere Aufwertung des Yen im Rahmen der möglichen Rückholung von Kapital aus dem Ausland und aufgrund der Sorgen über die Schuldenkrise in Europa sowie die Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten nicht ausgeschlossen zu sein.

          Wiederaufbau kann zu einer wirtschaftlichen Belebung führen

          Auf der anderen Seite haben Vorkommnisse wie Erdbeben bei aller Dramatik und bei allen nur denkbaren menschlichen Härten auch wirtschaftliche Folgen. Die Reparatur von Schäden und der Wiederaufbau zerstörter Strukturen dürfte zu einer gewissen wirtschaftlichen Belebung führen. Diese können der japanischen Zentralbank dabei helfen, den deflationären Effekte im Land zu begegnen, heißt es nun. Genau diese Erwartung könne die japanische Währung kurzfristig weiter aufwerten lassen.

          Dagegen jedoch stehen Faktoren wie die starke Verschuldung Japans, die Tendenz, zunehmende Staatsausgaben mit immer mehr Staatsschulden zu finanzieren, die rasche Alterung der Bevölkerung in Verbindung mit einer gegen Null tendierenden Sparquote und nicht zuletzt auch die Zinsentwicklung in anderen Teilen der Welt. Sollten sie stärker als bisher berücksichtigt werden, würde eine rasche deutliche Abwertung des Yen denkbar werden. Die entscheidende Frage ist, wann sich entsprechende Bedenken durchsetzen werden. Skeptiker befürchten, der Augenblick der Wahrheit werde in jenem Augenblick kommen, an dem das Land auf Kapitalimport aus dem Ausland angewiesen sei.

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