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Internationaler Währungsfonds : Der Yuan wird offizielle Reservewährung

Der IWF verleiht dem Yuan ein Gütesiegel. Bild: Reuters

Der Weltwährungsfonds beschließt ein Gütesiegel für den Yuan und macht ihn zur fünften Welt-Reservewährung. Amerika legalisiert derweil den Handel mit der chinesischen Währung.

          3 Min.

          Ist die Aufnahme der chinesischen Währung Renminbi (Yuan) in den Korb der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) ein epochaler Schritt auf Chinas Weg zurück an die Weltspitze, vergleichbar mit dem Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) vor 14 Jahren? Das wäre übertrieben. Doch Symbolkraft hat die Entscheidung des Exekutivrats des IWF durchaus. Der technische Beitritt zum Währungskorb würde in einem Jahr erfolgen.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Ebenfalls am Montag wurde in Washington die Gründung einer Arbeitsgruppe bekanntgegeben, die den bisher nicht gestatteten Handel mit Yuan in den Vereinigten Staaten vorbereiten soll. Das Ziel des Handels mit der chinesischen Währung sei der Aufbau engerer Geschäftsbeziehungen zwischen amerikanischen und chinesischen Unternehmen, hieß es in einer Mitteilung. Zu der Arbeitsgruppe gehören unter anderem amerikanische und chinesische Großbanken. Der Yuan wird schon in einer Reihe internationaler Finanzzentren außerhalb der Vereinigten Staaten gehandelt, darunter auch in Frankfurt.

          Mit dem Beitritt zur WTO im Dezember 2001 musste China Tausende Handelsbeschränkungen abbauen. Die Öffnung des Marktes mit einer Milliarde Teilnehmern legte den Grundstein für den Aufstieg zur heute zweitgrößten Wirtschaft der Erde und ermöglichte dort auch der deutschen Exportwirtschaft gewaltige Gewinne. Die Aufnahme des Yuan in den Währungskorb, auf dessen Basis der Wert der Sonderziehungsrechte errechnet wird, dürfte hingegen zunächst nur geringe direkte ökonomische Folgen haben. Sie ist vor allem ein politisches Zugeständnis an den wachsenden Einfluss Chinas auf der Welt. Bis der Yuan den Dollar als meistgenutztes Zahlungsmittel ablöst, wäre es – sollte dies überhaupt kommen – ein weiter Weg: 3 Prozent des globalen Handels wird heute in Yuan abgewickelt. Der Anteil des Dollars beträgt 45 Prozent. An Platz zwei folgt der Euro mit 28 Prozent.

          Ein diplomatischer Coup

          Die Sonderziehungsrechte des IWF sind eine Kunstwährung, die jedes der 188 Mitgliedsländer in einem bestimmten Umfang erhält. Gehen einem Land die Devisen aus, kann es mit seinen Rechten beispielsweise Dollar „ziehen“, um damit etwa Öllieferungen zu bezahlen. Je wichtiger die chinesische Wirtschaft für den Welthandel wird und je mehr Käufer chinesischer Exportprodukte diese direkt in Yuan bezahlen, desto wichtiger wird also die Zugehörigkeit des Yuan zum Korb der Sonderziehungsrechte. Andersherum hingegen funktioniert die Wirkungskette nicht.

          Der reine Fakt, dass der Yuan neben Dollar, Euro, britischem Pfund und japanischem Yen vom IWF in den formalen Status einer der fünf wichtigsten Währungen der Welt erhoben wird, werde China weit weniger Kapital von Zentralbanken und anderen ausländischen Investoren zuführen als gedacht, schreiben die Analysten von Gavekal Dragonomics: In den kommenden fünf Jahren dürften der Schätzung zufolge die Kapitalzuflüsse bei insgesamt nur 300 Milliarden Dollar liegen. Damit stiege der Yuan auf einen Anteil an den globalen Währungsreserven von heute 1 auf 4 Prozent, was klar unter den Erwartungen anderer Beobachter liegt, die von einem künftigen Anteil von 10 Prozent ausgehen. Dass mittel- bis langfristig der Anteil des Yuan an den globalen Währungsreserven aber steigen wird, ist unumstritten, weil die chinesische Wirtschaft wahrscheinlich weiter an Bedeutung gewinnen wird.

          Ebenso unumstritten ist der diplomatische Coup, den eine Anerkennung des Yuan durch den IWF für die chinesische Regierung darstellt. Auf diesen hat sie lange hingearbeitet. Schon ein halbes Jahr nach der Ernennung zum neuen Staatspräsidenten Chinas hatte Xi Jinping im September 2013 beim Treffen der 20 führenden Wirtschaftsnationen (G20) in Russland eine „Reform“ des IWF-Währungskorbs gefordert. Während die Vereinigten Staaten China lange Zeit vorgeworfen haben, seine lose an den Dollar gekoppelte Währung absichtlich nicht aufwerten zu lassen, um chinesische Exportprodukte günstig zu halten, hat das amerikanische Finanzministerium den Yuan jüngst weitaus moderater als nur noch „unter seiner angemessenen mittelfristigen Bewertung“ bezeichnet.

          Die chinesische Zentralbank selbst hatte im August versprochen, sich bei der allmorgendlichen Festsetzung des Yuan-Wechselkurses zum Dollar künftig am Marktwillen zu orientieren. Der IWF hatte genau dies zuvor gefordert. Weil der Markt aber wegen der schwächelnden chinesischen Wirtschaft derzeit einen schwächeren Yuan für nötig hält, erwarten viele Händler, dass Chinas Währung um weitere 5 bis 10 Prozent abwerten könnte. Ob die Zentralbank dies verhindert, zulässt oder sogar fördert, weiß niemand, ist doch die Kommunikation mit den Finanzmärkten keine Stärke der weisungsgebundenen Pekinger Währungshüter.

          Das chinesische Geld hat viele Namen

          Das chinesische Geld hat viele Namen Der Yuan, ausgesprochen Jüen, hat viele Namen: Die Chinesen nennen ihr Geld auch Renminbi, Yuan Renminbi oder Kuai. Die für Ausländer verwirrende Begriffsvielfalt lässt sich leicht aufklären: Renminbi ist der offizielle Name. Die „Volkswährung“, so die Übersetzung, wurde im Jahr 1949 nach der Gründung der Volksrepublik eingeführt. Yuan ist das Wort für die Zahleinheit. Der Begriff wird auch für andere Währungen verwendet, so heißen der amerikanische Dollar auf Chinesisch Meiyuan und der Euro Ouyuan. Im Supermarkt sprechen die Chinesen, vor allem wenn sie im Norden des Landes wohnen, eher von einem Kuai (Stück). Einen Kuai bezahlen sie umgangssprachlich auch, wenn sie im Ausland andere Währungen in die Hand nehmen. Kompliziert sind in China auch die Bezeichnungen für kleinere Geldeinheiten: Ein Yuan entspricht zehn Jiao (Ecke). Ein Jiao ist soviel wie zehn Fen (Ration). Seit dem Jahr 1999 werden nur noch Yuan-Noten ausgegeben, die anderen Scheine und Münzen sind aber weiterhin gültig.

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