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Produktion ausgeweitet : Iran und Irak pokern im Ölstreit hoch

Kaum ein Land senkt seine Ölförderung freiwillig Bild: AFP

Der Irak produziert so viel Öl wie zuletzt vor 35 Jahren. Und Iran droht der Opec einen Preiskrieg an. Beide Länder spielen ein gefährliches Spiel.

          2 Min.

          Es ist eine gute Nachricht, die aus dem Irak kommt. Das Zweistromland hat so viel Öl produziert wie zuletzt vor 35 Jahren. Damals, im Jahr 1980, brach der erste Golf-Krieg zwischen Iran und dem Irak aus, die Produktion brach regelrecht ein. Und jede Erholung der Erdölproduktion wurde je von einem Krieg unterbrochen: im Jahr 1990 vom zweiten Golf-Krieg, als der Irak in Kuweit einmarschierte, und schließlich 2003, als Großbritannien und die Vereinigten Staaten das Land besetzten. Damals förderte der Irak lediglich noch rund 50 000 Barrel (je 158 Liter) am Tag.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mittlerweile fördert das Land knapp 3,62 Millionen Barrel. Wie ist dieser beispiellose Anstieg zu erklären? Weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit hat sich die Lage in dem Land wesentlich beruhigt. Das liegt auch am Öl. Momentan kostet ein Barrel rund 106 Dollar. Und die Einnahmen aus dem Öl machen einen Großteil des Staatshaushaltes aus, andere Industrien existieren kaum. Und wenn die Einnahmen aus dem Öl steigen, weil mehr gefördert wird, kann der Staat höhere Löhne zahlen, Sozialleistungen finanzieren und die Sicherheitsbehörden ausbauen - die Lage im Land wird ruhiger. Und wenn die Lage ruhiger wird, kann auch mehr gefördert werden.

          Einen Großteil des Anstiegs der Produktion haben die Iraker auch den Chinesen zu verdanken. Diese beherrschen nach Schätzungen von Fachleuten bereits 50 Prozent der Quellen. Um den Energiehunger des asiatischen Riesen zu stillen, haben sich die Staatskonzerne Chinas auch auf niedrigere Profite eingelassen als etwa amerikanische Firmen. Dadurch konnte die Produktion schneller wachsen als anderswo.

          Mittlerweile ist das Land die Nummer zwei der Opec-Förderländer. Lediglich Saudi-Arabien produziert noch wesentlich mehr Erdöl: Während der Irak rund 11,3 Prozent des Erdöls der Organisation Erdöl exportierender Länder ans Licht bringt, ist es bei Saudi-Arabien rund ein Drittel. Iran ist mit 9,3 Prozent auf Rang 4 abgerutscht.

          Auch der Iran will mehr fördern

          Der Irak profitiert momentan von den Produktionsausfällen in Libyen. Dortige Rebellen haben wichtige Ölquellen und einen Ölhafen in Besitz genommen. Dadurch sinkt der offizielle Ausstoß des Landes. Da die Opec aber feste Förderquoten erfüllen muss, durfte der Irak seine erhöhen, um das zu kompensieren. Doch es wurde sogar überkompensiert: Momentan werden täglich 30,5 Millionen Barrel gefördert. Das ist mehr als der von der Internationalen Energieagentur geschätzte Bedarf an Opec-Öl von 29,7 Millionen Barrel je Tag. Und wenn der Bedarf niedriger ist als das Angebot, führt das oftmals zu einer Preiskorrektur nach unten.

          Allerdings erklärt sich kaum ein Land dazu bereit, freiwillig seine Förderung zu senken. Im Gegenteil: Iran kündigte etwa an, seine Förderung von derzeit 2,8 Millionen Barrel je Tag auf bis zu 4 Millionen Barrel je Tag anheben zu wollen. Das Land hofft, bald von den erdrückenden Sanktionen befreit zu werden und so endlich wieder ausländische Firmen ins Land zu holen sowie Öl ins westliche Ausland zu verkaufen. Der Ölminister des Landes drohte daher schon vorsorglich der Opec einen Preiskrieg an, sollte diese die höheren Förderungen nicht akzeptieren. „Unter allen Umständen werden wir vier Millionen Barrel erreichen, selbst wenn der Ölpreis dadurch auf 20 Dollar pro Barrel fällt“, sagte er.

          Aber auch der Irak will seine Produktion bis 2020 auf 6 Millionen Barrel ausweiten. Irgendwann muss ein Land einen Rückzieher machen, falls sie nicht wollen, dass der Ölpreis ins Bodenlose fällt. Die Opec selbst müht sich, ihre internen Spannungen kleinzureden. Der Markt sei stabil, die Weltwirtschaft werde wachsen und der Ölbedarf damit auch weiter steigen, hieß es.

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