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Investieren in Rohstoffe : Was Anleger über Silber wissen müssen

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Edelmetalle: Auch wenn beides glänzt - Anleger sollten Gold nicht mit Silber verwechseln. Bild: REUTERS

Neben Gold greifen Investoren zu Silber, da das Metall auch in der Industrie begehrt ist. Doch der Konjunkturabschwung hat den Silberpreis gedrückt, der ohnehin stark schwankt.

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          Die Einschätzungen zum Silbermarkt könnten unterschiedlicher kaum sein: Hedgefonds und andere spekulativ orientierte Anleger am Finanzmarkt gehen davon aus, dass der Preis des Metalls so schnell nicht weiter steigen wird. Jedenfalls haben die Anleger ihre Wetten auf steigende Preise (Netto-Long-Positionen) am Terminmarkt erheblich reduziert. Hingegen sind Anleger, die das Edelmetall physisch erwerben, vom langfristigen Silber-Erfolg überzeugt. Börsennotierte Wertpapiere, die mit Silber hinterlegt sind, bleiben daher auch sehr beliebt.

          Ob nun die Hedgefonds mit ihrer Einschätzung richtig liegen oder die Käufer der mit Silber hinterlegten Wertpapiere, wird sich noch zeigen. Sicher ist: Silber ist eine Möglichkeit für Investoren, die sich mit einem Edelmetall gegen Geldentwertung in Krisenzeiten absichern wollen und gleichzeitig eine Kapitalanlage suchen, die an die konjunkturelle Entwicklung gekoppelt ist. „Gerade für Privatanleger ist wichtig zu verstehen, dass sie Silber nicht mit Gold verwechseln“, sagt Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank. „Geht es mit der Konjunktur abwärts, leidet auch der Silberpreis stark. Dieser Zusammenhang gilt bei Gold in der Regel nicht.“

          Industrierohstoff Silber

          Denn Silber wird - anders als die klassische Krisenwährung Gold - auch stark von Unternehmen nachgefragt. Rund die Hälfte der Silbernachfrage kommt aus der Industrie. Dort ist es zum Beispiel für Solarzellen, für Haushaltsgeräte und in der Elektroindustrie nötig.

          Viele Privatanleger kaufen gerne Silbermünzen und Barren, weil sie im Verhältnis zu Gold günstiger zu haben sind. Eine Feinunze (je 31,1 Gramm) Gold kostet rund 1600 Dollar. Eine Feinunze Silber ist hingegen für 28 Dollar zu haben. Für Gold sowie für Silber gilt: Die jeweiligen Preise liegen in etwa auf ihrem Niveau des Jahresanfangs. Im vergangenen Jahr erlebte der Silberpreis allerdings einen Höhenflug und kletterte bis auf knapp 50 Dollar im April - das war so hoch wie seit 31 Jahren nicht mehr. Da der Preis inzwischen wieder erheblich gesunken ist, lassen solche starken Preisbewegungen manche Anleger zögern, in das Metall zu investieren.

          Silber könnte von steigenden Inflationssorgen profitieren

          Dabei bleibt die physische Silbernachfrage hoch: Allein der größte mit Silber hinterlegte börsennotierte Silber-Fonds, der iShares Silver Trust, enthält 9733 Tonnen Silber. Weltweit halten Silberfonds derzeit rund 18.000 Tonnen Silber, der Rekord betrug 18 639 Tonnen im April 2011.

          Was jetzt viele Silberanleger umtreibt, ist die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Die Idee dabei: Wenn Notenbanken wie die Fed in den Vereinigten Staaten die Geldpolitik weiter lockern werden, um gegen die Krise anzugehen, dann sollten auch die Inflationssorgen vieler Investoren zunehmen. Und dies würde die Attraktivität der Edelmetalle wie Silber aus Sicht vieler Anleger weiter erhöhen. Jedenfalls hat diese Wette bisher recht gut funktioniert: Denn der Silberpreis hat sich von Ende 2008 bis Mitte 2011 verdreifacht. Dies ist genau der Zeitraum, in dem die amerikanische Notenbank die Geldpolitik lockerte und Wertpapiere im Volumen von rund 2,3 Billionen Dollar erwarb.

          Silbermarkt profitiert von zusätzlichem Kapital

          Es sind aber nicht nur diese Inflationserwartungen, die das Silber attraktiver machen könnten. Auch die höhere - durch Notenbanken bereitgestellte - Liquidität an den Finanzmärkten hätte einen Einfluss: „Sollte es weitere geldpolitische Lockerungen geben, würde zusätzliches Kapital in die Rohstoffmärkte fließen“, sagt Analyst Vogel. „Davon sollten auch Edelmetalle wie Silber profitieren, denn andere Anlageklassen wie der Anleihemarkt bieten derzeit in vielen Fällen kaum Renditemöglichkeiten.“ Allerdings ist es längst nicht ausgemacht, dass eine Zentralbank wie die Fed sich dafür entscheidet, die Märkte mit weiterem Geld zu versorgen.

          Mit Blick auf die weitere Preisentwicklung für Silber argumentiert Analyst Vogel, dass sich die spekulativ orientierten Anleger mittlerweile aus dem Markt verabschiedet hätten. „Damit sollte der Kursrückgang begrenzt sein.“ Der Silberpreis habe nun seinen Boden gefunden. Gleichzeitig würden die physischen Silberkäufer „weiterhin am Ball bleiben“.

          Lahmende Konjunktur drückt industrielle Nachfrage nach Silber

          Silberpreise in Höhe von rund 22 Dollar reflektierten relativ gut eine globale wirtschaftliche Abkühlung auf der Welt. Der Silberpreis sollte nach Einschätzung von Vogel „wieder zulegen und innerhalb von 12 Monaten bei 28,50 Dollar stehen“.

          Allerdings bleiben einige schlechte Aussichten: So lahmt die Konjunktur weiterhin, die industrielle Nachfrage nach Silber bleibt entsprechend niedrig. Zuletzt sind auch die Silberimporte in den beiden wichtigsten Silbermärkten China sowie in den Vereinigten Staaten rückläufig gewesen.

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