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Interview : „Stellt den Schwellenländern Liquidität zur Verfügung“

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Hans Redeker, Währungsstratege der BNP Paribas Bild: Hans Redeker

Am Devisenmarkt werten Yen und Dollar stark auf. Unternehmen aus Schwellenländern hätten einen Mangel an Liquidität in harten Währungen und liquidierten deswegen Positionen an den Finanzmärkten, erklärt Hans Redeker von BNP Paribas.

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          Am Devisenmarkt werten Yen, Dollar und Schweizer Franken stark auf. Die japanische Währung fiel am Freitag gegen den Dollar auf bis zu 90,93 Yen und der Euro fiel bis auf 1,2496 Dollar sowie auf 1,4416 Franken im Tagestief.

          Im Moment hätten Banken und Unternehmen aus Schwellenländern keinen Zugang zu Liquidität in harten Währungen und liquidierten aus diesem Grund Positionen an den Börsen und Rohstoffmärkten, erklärt Hans Redeker, Währungsstratege von BNP Paribas.

          Dieser Prozess werde sich fortsetzen, sollten die Märkte nicht die richtigen Signale erhalten. Man müsse den Schwellenländern möglichst rasch die notwendigen liquiden Mittel zur Verfügung stellen, sagt er. Der Internationale Währungsfonds sei dafür eine geeignete Institution. Allerdings benötige er den finanziellen Rückhalt der G-20-Staaten.

          Der Devisenmarkt befindet sich im Moment inmitten eines Sturms. Die Wechselkurse ändern sich unheimlich schnell und stark, die Volatilitäten befinden sich auf nie zuvor gesehenen Niveaus. Wieso?

          Wir sehen die fortgesetzte Liquidierung der so genannten „Carry Trades“. In der Vergangenheit haben sich nicht nur Anleger in Währungen mit tiefen Zinsen oder Abwertungsphantasie verschuldet, um die Mittel in höher rentierlichen Märkten zu investieren, sondern auch Unternehmen haben sich auf diese Weise refinanziert.

          Wir reden in den Märkten über ein erhebliches Defizit in „Hartwährungen“. Marktteilnehmer in den Schwellenländern suchen Hände ringend Liquidität in Euro, in Dollar, in Yen, Schweizer Franken und so weiter.

          Wie kommt es dazu?

          Das hat damit zu tun, dass die Politik als Reaktion auf die Krise nichts anderes zu bieten hat als nationale Antworten. Man - auch die deutsche Regierung - versucht immer noch, globalisierte Märkte mit nationalen Maßnahmen zu beruhigen - und das ist falsch. Es sind internationale Ansätze nötig.

          Können Sie das näher erläutern?

          Wenn der Staat in Europa die Verbindlichkeiten der Banken über die gegebenen Garantien versichert, so ist das zunächst positiv zu betrachten. Allerdings sind die Garantien auf Banken beschränkt, die innerhalb Europas agieren. Genau das führt zu einer Diskriminierung am Geldmarkt. Will zum Beispiel eine ungarische Bank Kredite in Euro oder Dollar aufnehmen, so erhält sie es nicht, weil sie diese Garantie nicht hat. Eine Deutsche Bank leiht sich gerne Geld von der BNP Paribas - und umgekehrt. Allerdings werden beide Institutionen möglicherweise nicht bereit sein, einer russischen, einer ungarischen oder bulgarischen Bank Geld zu leihen.

          Zu welchen Konsequenzen führt das?

          Wir sehen in den sich entwickelnden Volkswirtschaften erhebliche Verbindlichkeitsstrukturen, die in Euro, Dollar oder auch im Yen gehalten werden. Verteuern sich diese Währungen oder sind sie gar nicht verfügbar, so wird deren Kalkulationsgrundlage völlig auf den Kopf gestellt.

          Gilt das nur für die Banken?

          Nein. So ist beispielsweise der brasilianische Real um 40 Prozent gefallen, weil die Unternehmen des Landes ein spekulatives Rad auf Seite der Verbindlichkeiten gedreht haben. Das spekulative Element war in diesem Bereich immens. Nun erlauben wir diesen Banken und Unternehmen nicht, sich zu refinanzieren, weil wir mir ihren Kreditrisiken nicht klarkommen.

          So lange diese Diskriminierung dauert wird sich am Geldmarkt keine Besserung einstellen. Aus diesem Grund werden diese Unternehmen und Banken gezwungen, Vermögenswerte abzustoßen, um Liquidität zu schöpfen. Genau das führt zu weiteren Verwerfungen an den Börsen und an den Gütermärkten.

          Welche Lösung ist möglich?

          Die westlichen Zentralbanken der Hartwährungsstaaten müssen den Schwellenländern Swap-Fazilitäten zur Verfügung stellen, die diese auch ausnutzen können.

          Die Zentralbanken sollten wegkommen von ihren traditionellen Ansätzen. Zinssenkungen führen zu steileren Zinskurven. Tiefe Zinsen am kurzen Laufzeitende und deutlich höhere Renditen bei längeren Laufzeiten bringen jedoch zum Beispiel japanische Vermögensverwaltern zu einer mechanischen Reaktion: Sie kaufen sich die lang laufenden Papiere in Amerika, sichern gleichzeitig die Währungsrisiken über Termingeschäfte ab und machen so einen Renditevorteil im Vergleich mit japanischen Staatsanleihen fest. Diese Währungstransaktionen lassen den Yen aufwerten.

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