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Interview : „Mein Lieblings-Trade ist Euro gegen Yen“

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Devisenstrategin Hellemann glaubt weiter an den Euro Bild: Dresdner Bank

Nach der Humphrey-Hawkins-Rede von Greenspan neigt der Euro zur Schwäche. Für die Dresdner Bank Devisenstrategin Hellemann kein Beinbruch. Sie traut dem Euro weiter Kursgewinne zu.

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          Relativ ruhig war es in den vergangenen Wochen am Devisenmarkt. Der beim Euro zum Ende des Vorjahres zu spürende Elan scheint schon wieder versiegt. Zu Kursen über der Parität hat es bisher jedenfalls nicht gereicht. FAZ.NET nahm die Verschnaufpause der europäischen Einheitswährung zum Anlass, um mit Sonja Hellemann, Devisenstrategin bei der Dresdner Bank Investmenttochter Dresdner Kleinwort Wasserstein über die weiteren Perspektiven des Euro zu reden.

          Die US-Konjunktur schwächelt. Trotzdem kommt der Euro seit Jahresanfang nicht mehr vom Fleck. Geht der Einheitswährung schon wieder die Puste aus?

          Der vorherige Aufschwung war stark von spekulativen Käufen getragen. Diese werden jetzt teilweise wieder aufgelöst. Das wird auch noch etwas andauern, so dass es dem Euro zunächst schwer fallen dürfte, das Niveau von 0,96 Dollar zu überspringen. Außerdem handelt es sich bei der von uns erwarteten Umlenkung der Kapitalströme um einen langwierigen Prozess. Aber egal, ob es zu einer Rezession in den USA kommt oder nur zu einer Wachstumsabschwächung, nach und nach werden mehr Direktinvestitionen nach Europa fließen. Zusammen mit dem Kapital, das die Aktienmärkte anlocken, dürfte dies dem Euro helfen. Allerdings glauben auch wir nicht an eine große Aufwertung. Auf einen rapiden Aufschwung über die Parität haben wir nie gesetzt. In der Spitze werden wir im dritten Quartal ein Niveau von 1,05 Dollar sehen und am Jahresende die Parität. Auch mit den von uns zum Ende des ersten Quartals erwarteten 0,95 Dollar liegen wir zur Zeit noch gut im Rennen.

          Auf die Humphrey-Hawkins-Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspann hat der Euro mit Abschlägen reagiert. Wie erklären Sie das?

          Mit einer von ihm prognostizierten Wachstumsrate zwischen 2,0 und 2,5 Prozent hat sich Greenspan wieder etwas optimistischer gezeigt als noch zuletzt. Entweder glaubt er nicht mehr an eine starke Verlangsamung beim Wirtschaftswachstum oder er setzt auf eine schnelle Erholung. Auf den Euro hat sich dies natürlich negativ ausgewirkt. Zumal auch die US-Einzelhandelsumsätze für den Monat Januar besser ausgefallen sind als erwartet. In den nächsten Tagen ist deswegen ein Rückfall bis auf 0,9110 Dollar nicht auszuschließen. Aber wenn am Freitag die US-Industrieproduktion wie erwartet relativ schwach ausfallen wird, hat der Euro wieder Potenzial.

          An den Finanzmärkten bekommt die Mehrheit meistens Unrecht. Wird es trotzdem zur allgemein erwarteten Fortsetzung beim japanischen Yen kommen?

          Vor allem zum Euro dürfte der Yen unter Druck bleiben. Dafür spricht schon die schwache Konjunktur in Japan. Hinzu kommt die starke Exportabhängigkeit. Wegen der Konjunkturabschwächung in den USA steht Japan deswegen vor einem riesigen Problem. Zumal auch die Geldpolitk kaum noch Spielraum nach unten hat. Da zudem auch niemand am Aktienmarkt investiert, bietet Japan keine echte Anlagealternative. Der Euro könnte sich gegenüber dem Yen daher bis zum Ende des dritten Quartals bis auf 118 Yen befestigen. Beim Verhältnis Dollar/Yen sehen wir bei einer erwarteten Spanne zwischen 114 und 120 Yen dagegen kein großes Potenzial mehr. Mein Lieblings-Trade unter den großen Währungen bleibt daher die Parität Euro/Yen.

          Können die Schwachstellen im Euroverbund, wie sie im Konflikt mit Irland zum Ausdruck kommen, die Gemeinschaftswährung langfristig belasten?

          Daran glaube ich nicht. Dafür sind Länder wie Irland auch einfach zu klein. Entscheidend wird sein, wie schnell Europa die strukturellen Reformen vorantreibt. Da hat die USA derzeit einfach noch immer Vorteile.

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