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Interview : „Euro vor gigantischer Umkehrformation“

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Verbessert hat sich die Ausgangslage für den Euro. Devisenfachmann Stefan Schilbe sieht sogar Chancen für eine gigantische Umkehrformation.

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          Klare charttechnische Signale gab es in der Vorwoche am Devisenmarkt zu beobachten. Nach einer mehrwöchigen Verschnaufspause überwand der Euro sowohl gegenüber dem Dollar als auch zum Yen die seit Januar gültigen Abwärtstrends. Devisenhändler werteten dies als eindeutiges Einstiegssignal. FAZ.NET befragte Stefan Schilbe, Charttechniker und Leiter-Treasury-Research bei HSBC Trinkaus, wie er die Ausgangslage einstuft.

          Herr Schilbe, wie beurteilen Sie nach dem charttechnischen Ausbruch die Situation beim Euro?

          Eigentlich ist ja alles idealtypisch gelaufen. Auch auf Schlusskursbasis wurde der Abwärtstrend gebrochen, so dass es ganz gut aussieht. Damit es so bleibt, sollte der Euro aber nicht in die alte Kursbandbreite, und daher nicht unter 0,9275 Dollar zurückfallen. Denn sonst droht eine Bullenfalle. Ganz geputzt ist der Tisch also noch nicht. Doch da es sich im Bereich zwischen 0,9275 und 0,9246 Dollar um eine relativ stabile Unterstützungszone handelt, dürfte sie halten und sich der Euro nach oben mit Zielrichtung 0,96 Dollar lösen können.

          Wie sehen Ihre Kursziele vor dem Hintergrund der aufgehellten charttechnischen Konstellation aus?

          Zum Dollar wird es bei Kursen über 0,97 Dollar richtig interessant. Dann ließe sich aus dem Chart eine umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation herauslesen. Das daraus ableitbare Kursziel wäre dann langfristig betrachtet 1,12 Dollar. Aber auf dem Weg dorthin sind hohe charttechnische Hürden zu überwinden. Der Anstieg dürfte also mit viel Arbeit verbunden sein. In unseren hausinternen Prognosen, die auf Charttechnik und Fundamentalanalyse basieren, kalkulieren wir im übrigen zum Halbjahr noch immer mit 0,97 Dollar und zum Jahresende mit 1,00 Dollar. Mindestens ebenso gut sieht die Lage zum Yen aus. Durch die konjunkturellen und politischen Risiken besteht hier weiteres Aufwärtspotenzial. Über die Hürden bei 113,30 und 116,53 Yen ist bei dieser Parität ein Anstieg Richtung 121,50 Yen denkbar.

          Wenn jetzt alles wieder so gut aussieht, warum fiel es dem Euro dann zuletzt so schwer, die im vierten Quartal des Vorjahres verbuchten Gewinne auszubauen?

          Fundamental gesehen war das nicht ganz nochzuvollziehen. Schließlich sprachen die schlechten Daten des für die US-Konjunktur wichtigen Verbrauchervertrauen gegen den Dollar. Aber vermutlich handelte es sich nach der zuvor zügigen Aufwärtsbewegung einfach um eine klassische technische Gegenreaktion. Zudem gab es zwischenzeitlich auch schon wieder zu viele Euro-Optimisten. Doch dies hat sich inzwischen wieder etwas gelegt, so dass die Ausgangslage jetzt wieder besser ist. Hinzu kommt, dass der Renditevorsprung der USA bei den zehnjährigen Anleihen auf rund 20 Basispunkte geschmolzen ist. Dadurch sinkt der Reiz, sein Kapital in Dollar anzulegen.Zusammen mit dem gesunkenen Ölpreis, der ja in Dollar fakturiert wird, dürfte dies positiv auf den Euro wirken.

          Von welchen Konjunkturdaten erhoffen Sie sich in den kommenden Tagen Impulse auf den Devisenmarkt?

          Entscheidend wird sein, wie die am Freitag erwarteten US-Arbeitsmarktdaten ausfallen. Enttäuschen die Zahlen für Februar, ist zugunsten des Euro eine zügige Aufwärtsbewegung bis 0,95/0,96 Dollar möglich. Vom Beige Book am Mittwoch dürften dagegen keine großen Impulse ausgehen. Schließlich hat Greenspan zuletzt bereits die konjunkturellen Rahmenbedingungen abgesteckt.

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