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Interview : „Die USA verfolgen keine neue Dollar-Politik“

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Hanspeter Hausheer von UBS Warburg Bild: Hausheer

„Es gibt keine neue Dollar-Politik,“ sagt Hanspeter Hausheer im Gespräch mit FAZ.NET. Der Ökonom von UBS Warburg rückt damit die Interpretation zurecht, US-Finanzminister O'Neill plädiere gegen einen starken Dollar.

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          Ein Interview des neuen US-Finanzministers Paul O'Neill mit der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ sorgte am Freitagmorgen am Devisenmarkt kurzfristig für Bewegung. Anlass dafür waren vor allem zwei seiner darin gemachten Aussagen: „Wir betreiben nicht, wie vielfach gesagt wird, eine Politik des starken Dollar“ und „zu Interventionen will ich nur soviel sagen: Grundsätzlich sollte nicht in das Marktgeschehen eingegriffen werden. Aber es kann Ausnahmen geben.“

          Das wurde von einigen Akteuren am Devisenmarkt kurzfristig als Änderung der amerikanischen Wechselkurspolitik interpretiert, obwohl O`Neill gleichzeitig darauf hinwies, dass der Wechselkurs vornehmlich von der Stärke der Konjunktur des jeweiligen Landes bestimmt werde. Der Euro sprang daraufhin um 73 Stellen von 90,60 Cents auf 91,33 Cents, gab aber die Kursgewinne kurz danach wieder auf. Am Mittag lag er bei 91,10 Cents.

          FAZ.NET unterhielt sich über diese Interpretation mit Hanspeter Hausheer, Ökonom bei der UBS Warburg Economic Research in Zürich.

          Herr Hausheer, gibt es eine Politikänderung in den USA in Bezug auf den Dollar?

          Ich kann mir das kaum vorstellen. Das ist die Äußerung eines neuen Finanzministers, der sich in sein Metier erst einarbeiten muss. Vor ein paar Tagen hat er genau das Gegenteil gesagt - und das hat den Kurs in die andere Richtung bewegt. Ich denke, der Dollar hängt vor allem von der Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft ab. Die dürfte nach unserer Meinung in der zweiten Jahreshälfte wieder besser werden und damit den Dollar stärken.

          Sie sehen also wirklich einen Turn-Around in der zweiten Jahreshälfte?

          Ich gehe davon aus, dass wir später im Jahr wieder bessere Wirtschaftszahlen sehen werden. Das wird dem Dollar nützen. Man muss einfach sehen, dass die Amerikaner nicht an einem schwachen Dollar interessiert sind. Sie profitieren vom starken Dollar und brauchen ihn zur Finanzierung ihres enormen Außenhandelsdefizits.

          Es gab da auch eine Äußerung über mögliche Interventionen. Wie schätzen sie denn die ein?

          Das ist eigentlich eine Aussage, die keine ist. Es ist doch klar, dass Interventionen im Normalfall nicht vernünftig sind. Erstens können sie sich nicht gegen den Markttrend stellen, außerdem sind sie zumindest im Moment überhaupt nicht notwendig. Grundsätzlich sind allerdings in extremen Situationen schon denkbar, aber dann werden die Zentralbanken gemeinsam vorgehen.

          Wo geht denn der Euro ihrer Meinung nach hin?

          Kurzfristig sind wir positiv gestimmt. Wir denken sogar, das er bis Mitte des Jahres die Parität zum Dollar erreichen kann. Denn kurzfristig werden wir noch schlechte Zahlen aus Amerika sehen, sowohl von der volkwirtschaftliche Seite als auch von der Unternehmensseite. Die Eurozone steht dagegen nicht so schlecht da.

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