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Interview : „Die Leute drängeln sich am Hinterausgang des Carry Trades“

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Hans Redeker, Währungsstratege der BNP Paribas Bild: Hans Redeker

Sah bis noch vor wenigen Tagen optisch alles gut aus an den internationalen Finanzmärkten, so hat sich das inzwischen verändert. Wie geht es weiter? Währungsstratege Hans Redeker von BNP Paribas wagt im FAZ.NET -Interview einen Ausblick.

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          Sah bis noch vor wenigen Stunden optisch alles gut aus an den internationalen Finanzmärkten, so hat sich das inzwischen verändert. Nach den Kursverlusten vom Dienstag an den Börsen in Asien, Europa und auch in Amerika ist die Volatilität deutlich angestiegen. Auch an den Währungsmärkten.

          Wie geht es weiter? Ein Gespräch mit dem Währungsstrategen Hans Redeker von BNP Paribas in London kann einen Einblick in die Verhältnisse an den Märkten und weitere Entwicklungen geben.

          Deutliche Kursverluste an den Börsen und Währungsbewegungen in den vergangenen Stunden machen die Anleger nervös. Wie würden Sie die Lage an den Finanzmärkten beurteilen?

          Während die Marktteilnehmer die Kursverluste an der chinesischen Börse für die Entwicklung verantwortlich machen, halten wir das aufgrund der relativ geringen Kapitalisierung dieses Marktes für unwahrscheinlich. Denn sie liegt gerade einmal bei etwas mehr als zwei Prozent aller Weltbörsen. Wir gehen davon aus, dass die Kurseinbußen durch die deutlich anziehende Volatilität und einer realistischer werdenden Einschätzung der amerikanischen Konjunkturentwicklung ausgelöst wurden. Immerhin scheint diese von jenem Wachstumspfad abzuweichen, der notwendig wäre, um die gegenwärtigen Bewertungsniveaus aufrecht zu erhalten. Wir gehen davon aus, dass die amerikanische Wirtschaft deutlich an Momentum verlieren wird. Das zeigt sich an den sinkenden Auftragseingängen und den anhaltend schlechten Nachrichten, die aus dem unteren Segment des Immobilienmarktes kommen.

          Wird der Markt nicht von der üppig vorhandenen Liquidität getrieben?

          Bisher waren immer mehr liquide Mittel notwendig, um die Asset-Preise auf immer höhere Niveaus zu bringen. Über die so genannten Carry-Trades waren diese auch verfügbar. Allerdings scheint sich das nun zu ändern. Denn in den vergangenen Wochen hat der Spread zwischen Libor und Tibor in Japan zugenommen und über Nacht das höchste Niveau seit dem Jahr 2000 erreicht. In Japan ist die Liquiditätsversorgung enger geworden und das hat dazu geführt, dass auch ausländische Banken einen geringeren Zugang zu Krediten bei lokalen Banken haben, weil die Kreditlimite wohl ausgeschöpft sind.

          Mit welchen Konsequenzen?

          Da die Kreditlimite ausgeschöpft sind und wir uns in Japan dem Ende des Fiskaljahres nähern, fließt den westlichen Kapitalmärkten von dieser Seite keine frische Liquidität mehr zu. Das hat dazu geführt, dass der Yen in den vergangenen Tagen unter Aufwertungsdruck kam, mit substantiellen Folgen für die Kapitalmärkte.

          Bringt das die so genannten Carry-Trades zu Fall?

          Nein, die „Funding-Seite“, also die Veränderung der Zinsen in Japan, ist eigentlich das kleinere Übel. Das größere Problem ist die Volatilität der Vermögenspreise, da sie bei Risikomodellen deutlicher zum Tragen kommt.

          Was heißt das für die Anleger?

          Wenn in einem liquiditätsgetriebenen Markt alle Liquidität, die investiert werden soll und kann, tatsächlich auch investiert ist, dann befindet er sich in einer Art Gleichgewicht. Das bedeutet, dass der Markt gegen die „Decke“ stößt und möglicherweise den „Rückwärtsgang“ einlegt. Das scheint nun offensichtlich mit Blick auf die Börsen der Fall zu sein. Ich denke, wir werden eine Korrekturphase von mehreren Wochen oder gar Monaten erhalten. Ob wird den Aufwärtstrend danach wieder aufnehmen werden, wage ich zu bezweifeln. Das gilt vor allem dann, wenn man erkennt, dass die amerikanische Wirtschaft auf ein „Hard Landing“ zuläuft. Wir werden das brutal vor Augen geführt bekommen, sobald das amerikanische Bruttosozialprodukt für das vierte Quartal des vergangenen Jahres deutlich nach unten revidiert werden wird.

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