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Interview : „Die großen Goldminenaktien sehen wahnsinnig teuer aus“

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Joachim Berlenbach von Craton Capital ist bullish auf Gold Bild: Craton Capital

Gemischte Botschaften hat Joachim Berlenbach von Craton Capital, dem Anbieter des besten Goldfonds, für alle Gold-Anhänger. Während er den Goldpreis weiter steigen sieht, hält er die großen Goldminen für überbewertet.

          Mit einem Anstieg auf das höchste Preisniveau seit 1988 hat das Gold zuletzt aufhorchen lassen. Auch die Aktienkurse der Goldminen sind deutlich gestiegen. Nicht wenige Experten gehen von weiter steigenden Goldpreisen aus.

          Eine geeignete Adresse, um sich über das Geschehen am Goldmarkt zu informieren, ist Craton Capital. Der mit ausgezeichneten Kennern der Szene besetzten südafrikanischen Investment-Boutique ist es in der kurzen Zeit seit ihrer Gründung Ende 2003 gelungen, sich einen sehr guten Namen zu machen.

          Das gilt auch für den Craton Capital Melchior Precious Metal Fund (ISIN: LI0016742681). In der Datenbank von Standard & Poor´s wird das Produkt mit einem Plus von fast 33 Prozent auf Sicht der vergangenen zwölf Monate als bester Goldfonds ausgewiesen. Die respektable Wertentwicklung macht sich auch beim Fondsvermögen bemerkbar. Das ist von Null auf inzwischen immerhin 110 Millionen Dollar gestiegen. FAZ.NET fragte Craton Capital Mitgründer und Head of Research Joachim Berlenbach nach seiner Einschätzung zum Goldmarkt und zu den Goldaktien.

          Herr Berlenbach, der Goldpreis ist zuletzt auf ein Siebzehnjahreshoch gestiegen. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für den Anstieg?

          Für den Anstieg gibt es gleich eine Reihe von Gründen. Eine Rolle hat sicherlich der Hurrikan „Katrina“ in Amerika gespielt. Das hat den Ölpreis weiter in die Höhe getrieben und das wiederum schürte einerseits Inflationsängste und andererseits die Sorge vor einer schwächeren Konjunktur. Zusammen mit strukturellen Problemen, wie den hohen Immobilienpreisen in Amerika, hat das für einige Unsicherheit gesorgt. Und dadurch konnte Gold wieder seine Rolle als sicherer Hafen ausspielen.

          Ein sehr wichtiger Faktor ist aber auch, daß momentan die Nachfrage nach Gold nicht durch ein entsprechend hohes Angebot gedeckt werden kann. Der jüngste Bericht des Analyseunternehmens Gold Fields Mineral Services zeigte eindeutig einen sehr großen Nachfrageüberhang auf. Eine wichtige Erkenntnis der jüngsten Preissteigerungen war ansonsten die Abkoppelung vom Dollar. Während früher die Nachfrage aus Europa bei steigenden Preisen in Dollar gerechnet nachgelassen hat, blieb das Interesse zuletzt anhaltend hoch. Das hat zu steigenden Goldpreisen in fast allen Währungen geführt.

          Wo sehen Sie den Goldpreis in Zukunft hinmarschieren?

          Aus unserer Sicht dürfte sich der Preisanstieg weiter fortsetzen. Schon seit einiger Zeit sagen wir Notierungen von über 500 Dollar je Feinunze voraus. Eine genaue Prognose will ich aber nicht wagen. Denn eine Vorhersage des Goldpreises ist mit einer mathematischen Gleichung mit drei Unbekannten gleichzusetzen. Von Preisen über 500 Dollar gehen wir aber sicher aus.

          Spiegeln die Kurse der Goldminenaktien den Anstieg des Goldpreises bereits ausreichend wider?

          Die meisten Goldaktien sind zuletzt stark gestiegen. Das gilt insbesondere für die großen Standardwerte. Dabei waren gerade sie bereits zuvor eigentlich schon überbewertet. Nicht selten nehmen die Kurse nun bereits einen Goldpreis von 530 bis 550 Dollar vorweg. Folglich sehen sie jetzt wahnsinnig teuer aus. Wir müssen höllisch aufpassen, daß hier keine Blase entsteht. Noch ist es aber nicht soweit. Und historisch war es oft so, daß der Goldpreis der Entwicklung der Kurse bei den Goldminenaktien mit einer gewissen Zeitverzögerung gefolgt ist.

          Sie bezeichnen sich selbst als Value-Investor. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

          Wir sind seit langem in den Nebenwerten übergewichtet. Diese Taktik hat es gemessen am Vergleichsmaßstab zuletzt etwas an Performance gekostet. Es tut weh zu sehen, daß das positive Sentiment nun vor allem die Kurse der Standardwerte nach oben zieht. Weil jene Anleger ohne große Erfahrung im Goldsektor vor allem in die großen Titel gehen, dürfte sich dieser Trend noch etwas fortsetzen. Deshalb müssen auch wir etwas umdisponieren. Wir haben vor diesem Hintergrund den ein oder anderen Standardwert zusätzlich ins Depot aufgenommen. Am Urteil, daß diese Werte teuer sind, ändert das aber nichts.

          Welche Einzelwerte gefallen Ihnen besonders gut?

          Allgemein sind wir der Ansicht, daß man auf der Suche nach aussichtsreichen Titeln in neue Gebiete vorstoßen muß. Nordamerika, Australien und Südafrika sind zum Teil doch schon sehr „ausgelutscht“. Südamerika, Rußland und Westafrika sehen verglichen damit viel interessanter aus. Allerdings ist es in Rußland wegen der hohen Intransparenz und problematischer Steuergesetze noch sehr schwer zu investieren.

          Generell gefallen uns kleinere Explorationsfirmen, speziell zählen dazu einige Gesellschaften aus Westafrika. Zu unseren Favoriten gehören Orezone Resources, die mit einem sehr guten Erzkörper überzeugen, und Bendigo Mining sowie Ballarat Goldfields. Diese beiden Unternehmen besitzen riesige Erzvorkommen. Diese haben ein gewaltiges Potential und beinhalten folglich sehr gute Wachstumschancen. Im Bereich Platin sind wir von Impala Platin angetan.

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