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Interview : „Der Euro kann bis auf 1,50 Dollar überschießen“

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Kann man diesen Zahlen überhaupt trauen, da sie doch zu einem gewissen Teil auf Erträgen und Vermögenswerten basieren, die sich nicht aus Marktpreisen ableiten lassen?

Das ist genau der Punkt. Die Kreditmärkte haben Probleme, da Sie vermuten müssen, dass manche Unternehmen „finanzielle Leichen“ im Keller haben, die riechen. Aus diesem Grund ist es nicht mehr zu einer effizienten Verteilung der Mittel an den Geldmärkten gekommen, die Terminsätze sind angestiegen. Wir haben hier ein Transparenzproblem, das sich nicht durch Liquiditätsspritzen und Zinssenkungen lösen lässt. Einzelne Banken mögen nun argumentieren, sie hätten auf Bilanzebene mit ihren Absicherungstransaktionen mehr verdient, als sie mit den ursprünglichen Geschäften verloren haben. Das habe ich allerdings in meiner 20jährigen Karriere noch nie gesehen.

Sie scheinen gegenwärtig nicht sehr viel Vertrauen in die Bilanzen der Banken zu haben.

Ich traue solchen Argumenten nicht. Grundsätzlich dürften die Banken künftig kaum noch Liquidität außerhalb der Bilanzen bereitstellen, die so genannte Disintermediation wird zurückgehen oder zu anderen Konditionen stattfinden. Die Geschäfte werden in die Bilanzen zurückkehren. Deswegen werden sich die Banken künftig sehr genau überlegen, welche Transaktionen sie mit Eigenkapital unterlegen werden und welche nicht. Auf diese Weise kommt es zu einer Verschärfung der Kreditbedingungen, obwohl beispielsweise die amerikanische Zentralbank den Leitzins senkt. So lange wir nicht zur Transparenz zurückkehren, werden sie anhalten.

Lassen Sie uns zum Dollar zurückkehren.

Ich habe anfangs über den Aufwertungsdruck auf die asiatischen Währungen geredet, nun sollten wir uns dem Mittleren Osten zuwenden. Die gesamte Region hat bisher den Dollar als Kalkulationsgrundlage. Wenn diese nun jedoch ad absurdum geführt, da das boomende Arabien mit einer amerikanischen Geldpolitik konfrontiert wird, die auf eine Rezession ausgerichtet ist, dann stellt sich die Frage nach den Kosten. Werden sie zu hoch - zum Beispiel in Form hoher Inflationsraten - so sucht man den Ausstieg.

Wer sucht den und wann?

Aufgrund der politischen Konstellation in den Vereinigten Staaten ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich Saudi Arabien als führende Wirtschaftsmacht der Region in den kommenden Monaten von der Bindung an den Dollar verabschieden wird. Damit würde die Dollarnachfrage zurückgehen. Die Bindung der arabischen Währungen an einen Währungskorb, der den Dollar geringer gewichtet, je schwächer er wird, scheint die logische Konsequenz zu sein.

Der Dollar könnte auf diese Weise seinen Status als Weltreservewährung verlieren. Die Konsequenzen könnten sich sogar am Ölmarkt zeigen. Öl wird bisher in Dollar abgerechnet, obwohl die Region ansonsten vor allem mit Europa und Asien Handel treibt und weniger mit den Vereinigten Staaten. Russland überlegt schon länger, im Energiehandel vom Dollar abzugehen. Es könnte zu einer Umkehrung der Marktverhältnisse kommen.

Dazu kommen die strukturellen Defizite?

Ja, der amerikanische Dollar hat ein fundamentales Problem. Die Zinsdifferentiale sprechen genauso gegen den Greenback wie das Leistungsbilanzdefizit, das finanziert werden muss. Zudem können selbst Zentralbanken den Mut verlieren, amerikanische Vermögenswerte zu erwerben. Ein Arbeitspapier des amerikanischen Finanzministeriums selbst hat gezeigt, dass die asiatischen Währungsreserven ihr Maximum längst überschritten haben.

Die Zentralbanken der Region müssten deutliche Verluste hinnehmen, sollte die Währungsfluktuation zunehmen - sprich: sollte der Dollar weiter abwerten. Gehen sie strategisch dagegen vor, so führt das zu einer Aufwertung der asiatischen Währungen, der Lösung vom amerikanischen Dollar und zu einer stärkeren Beachtung des Euro als Weltreservewährung.

Was bedeutet das für die Wechselkurse?

Das Währungspaar Euro-Dollar wird bis auf 1,48 oder gar 1,50 Dollar überschießen. Das wird dazu führen, dass die amerikanische Konjunkturschwäche exportiert wird, und zwar auch nach Europa. Die Europäische Zentralbank wird die Leitzinsen nicht erhöhen, sondern im kommenden Jahr sogar senken. Der Yen dagegen wird aufwerten.

Wird die Yen-Aufwertung nicht schon lange vergeblich erwartet?

Die japanische Währung dürfte deswegen zur Stärke neigen, weil die amerikanische Zinsstrukturkurve steiler werden wird. Das macht für japanische Anleger, die große Bestände an amerikanischen Schatzpapieren in ihren Depots halten, die Währungsabsicherung attraktiv. Das heißt, dass sie auf diese Weise indirekt Dollar gegen Yen verkaufen werden.

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