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Interview : "Der Euro ist bei 90 Cents fair bewertet"

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René Defossez von CDC IXIS Bild: R. Defossez

Auch wenn die physische Einführung des Euro dem Außenwert scheinbar hilft. Große Sprünge sind nicht zu erwarten, denkt René Defossez von CDC IXIS im FAZ.NET-Gespräch.

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          Der reale Euro macht Europa nun wirklich zum Binnenmarkt. Grund genug für FAZ.NET sich mit dem Marktökonomen René Defossez von CDC IXIS in Paris über seine Sicht auf die Finanzmärkte zu unterhalten.

          Herr Defossez, Sie sind vor allem Experte für Anleihen. Wie schätzen Sie denn die Lage am Rentenmarkt aktuell ein?

          Kurzfristig steht der Markt unter Druck und zwar aus zwei Gründen. Erstens kommt in den nächsten Wochen ein ziemlich großes Angebot an Papieren auf den Markt, unter anderem aus Deutschland. Zweitens spielt der Konjunkturoptimismus eine Rolle, der Anleger dazu bringt, aus dem Renten- in den Aktienmarkt zu wechseln.

          Der Rentenmarkt hatte in den vergangenen Wochen markante Kursverluste zu verzeichnen. Gibt es noch weiteres Potenzial nach unten?

          Wie gesagt, kurzfristig ist ein gewisses Überangebot da, so dass wir eine Rendite von 5,1 Prozent noch einmal sehen können. Wir glauben aber nicht, dass wir das Rendite-Niveau vom Mai noch einmal erreichen werden. Mittelfristig wird alles von der Wirtschaftsentwicklung in den USA abhängen. Sollte sich dort die Wirtschaft doch nicht so schnell entwickeln, wie aktuell angenommen, wird sich der Rentenmarkt erholen.

          Wie sieht ihr „Wachstumsszenario“ aus?

          Wir erwarten in den USA für das Gesamtjahr ein Wachstum von einem Prozent, wobei die ersten beiden Quartale nur geringe Impulse zeigen werden. In Euroland dürfte das erste Quartal ein Wachstum von 0,2 Prozent, das zweite von 0,4 Prozent und das dritte und vierte jeweils 0,8 Prozent bringen. Das dürfte eine Jahresrate von 1,1 Prozent ergeben.

          Die Börsen werden weiter steigen?

          Die Aktienmärkte dürften einen positiven Unteron haben, allerdings sehen wir nur verhaltenes Potenzial. Vor allem, wenn in den USA die Wirtschaftsskepsis wieder etwas zunehmen sollte, könnten Renten interessant werden. In Euroland gibt es auch noch Zinsfantasie.

          Sie gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins in diesem Jahr weiter senken wird?

          Ja. Wir denken, die Preissteigerungsrate wird unter die Zielgröße von zwei Prozent fallen und damit entsprechenden Spielraum schaffen, die Leitzinsen um weitere 50 Basispunkte zu senken.

          Der Euro scheint sich mit der physischen Einführung gegen den Dollar zu erholen und ist von etwa 89 Cent auf 90,50 Cent gestiegen. Wird das so weiter gehen?

          Nein. Wir sehen das nicht. Nach unserer Meinung ist der Euro bei etwa 90 Cents fair bewertet. Um dieses Niveau dürfte er auch in Zukunft pendeln. Denn der Währungsmarkt hat sich verändert und die Volatilitäten sind im Vergleich zu den Renten- und Aktienmärkten zurück gegangen.

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