https://www.faz.net/-gv6-pkv8

Interview : „Der Dollar wird auf tieferes Bewertungsniveau fallen“

  • Aktualisiert am

Hans Redeker, Währungsstratege der BNP Paribas Bild: Hans Redeker

Sah bis noch vor wenigen Tagen optisch alles gut aus an den internationalen Finanzmärkten, so hat sich das inzwischen verändert. Wie geht es weiter? Währungsstratege Hans Redeker von BNP Paribas wagt im FAZ.NET -Interview einen Ausblick.

          5 Min.

          Sah an den internationalen Finanzmärkten bis noch vor wenigen Tagen optisch alles gut aus und strotzten die deutschen Anleger nach einem Allzeithoch nur so vor Optimismus, so hat sich das inzwischen verändert.

          Nach den Kursverlusten in den vergangenen Tagen an den Börsen in Asien, Europa und auch in Amerika ist die Volatilität deutlich angestiegen. Auch an den Währungsmärkten.

          Wie geht es weiter? Ein Gespräch mit dem Währungsstrategen Hans Redeker von BNP Paribas in London gibt einen Einblick in die Verhältnisse an den Märkten und die weiteren Entwicklungen.

          Die Märkte sind nervös geworden in jüngster Zeit, beim Euro deutet sich eine leichte Korrektur an, währen der Yen sich gegen den Dollar erholt. Wird das so weitergehen?

          Ich glaube, man sollte die Korrekturphase in Euro-Dollar nicht überbewerten. Sie hat zu tun mit der Adjustierung in Euro-Yen und ist eine Umkehrfunktion der gegenwärtigen Yenstärke. Zudem haben amerikanische Anleger in den vergangenen Jahren verstärkt im Ausland investiert, unter anderem in den Schwellenländern. In dem Moment, in dem die Märkte dort unter Druck kommen, entsteht ein Repatriierungsreflex, der eine kurzfristige Dollarstärke zur Folge hat.

          Allerdings muss man solche Finanzströme relativieren und im Kontext sehen. Denn der amerikanische Markt für Unternehmensanleihen, der in den vergangenen Jahren viele Mittel aus dem Ausland angezogen hatte, ist nun und bleibt wohl auch ein Negativfaktor für den Dollar par excellence. Denn die Emission von Unternehmensanleihen ist eingebrochen und auch die Aktivitäten im LBO-Bereich sind deutlich zurückgegangen. Was nicht emittiert wird, kann nicht verkauft werden. In der Vergangenheit gingen rund 30 Prozent der Emissionen an ausländische Anleger. Das ist gegenwärtig nicht der Fall. Dieser kurzfristige Effekt überstrahlt die Repatriierungstendenzen. Die zurückgehende Emissionstätigkeit, die fallende Liquidität und nicht zuletzt weite Spreads zwischen An- und Verkaufskursen deuten darauf hin, dass der Markt für Unternehmensanleihen nicht mehr Dollar-stützend wirkt.

          Das heißt, der Dollar ist von sehr kurzfristigen Kapitalzuflüssen abhängig?

          Ja - und diese müssen zusätzlich unter dem Aspekt betrachtet werden, dass amerikanische Zinsen wahrscheinlich fallen werden, während sie in anderen Regionen steigen dürften. Der Markt „preist“ gegenwärtig eine Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent ein, dass es in Amerika zu einer Zinssenkung kommen wird.

          Und diese Wahrscheinlichkeit ist Ihrer Meinung nach auch noch zu gering?

          Der amerikanische Häusermarkt befindet sich in der größten Rezession sei den dreißiger Jahren. Er hat zuvor über den so genannten Equity Withdrawal einen wesentlichen Liquiditätsbeitrag zur amerikanischen Volkswirtschaft geleistet. Konsumenten konnten steigende Hauspreise als Sicherheit für die zunehmende Kreditaufnahme nutzen. Auf der anderen Seite wurden auch Finanzinstrumente wie die CDOs geschaffen, die aufgrund ihrer optisch hohen Sicherheit und attraktiven Verzinsung bei Pensionsfonds und Hedge-Fonds gefragt waren. Auch sie trugen zur Liquiditätsversorgung bei. Da diese Liquidität so nicht mehr zur Verfügung stehen wird, hat das Konsequenzen für die Finanzmärkte sowie für die amerikanische - und vielleicht sogar für die globale - Volkswirtschaft, obwohl man zugeben muss, dass Amerika nicht mehr unbedingt die globale Wirtschaftslokomotive ist.

          Sie rechnen damit, dass die zunächst aufgehende Zinsschere zugunsten des Dollars zusammengehen und auf diese Weise die Wechselkurse beeinflussen wird?

          Ja, die Zinsschere läuft am langen Laufzeitende schon seit einem Jahr zusammen. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass in einem Jahr europäische Anleihen eine höhere Rendite haben werden als amerikanische.

          Was heißt das für den Dollar?

          Der amerikanische Dollar auf handelsgewichteter Basis ist seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon ein paar Mal auf das aktuelle Niveau gefallen und hat sich schließlich wieder erholt. Viele gehen davon aus - das zeigen unter anderem die impliziten Volatilitäten -, dass das auch diesmal wieder der Fall sein wird. Ich dagegen glaube, dass er diesmal - bis Ende des Quartals - auf neue Tiefststände fallen wird.

          Weitere Themen

          Von der Gewinnflut zur Profitebbe

          Regimewechsel : Von der Gewinnflut zur Profitebbe

          Die Gewinne der Unternehmen flossen in den vergangenen Jahren reichlich. Robert Almeida glaubt, dass nun eine Wende bevorsteht. Kurzfristig seien die Profite aufgeblasen worden. Jetzt müsse eine Investitionslücke geschlossen werden.

          Alles im Blick behalten

          Ausblick Carmignac : Alles im Blick behalten

          Die Fondsgesellschaft Carmignac erwartet für das Jahr 2020 wenig von der Konjunktur. Eine Besserung will man aber auch nicht ganz ausschließen.

          Topmeldungen

          Parteitag stimmt zu : Die SPD sagt vorerst Ja zur Groko

          Der Leitantrag zum Fortbestand der Großen Koalition findet auf dem Parteitag in Berlin eine breite Unterstützung: Die Genossen wollen ihre neuen Vorsitzenden stärken. Die sollen nun Gespräche mit der Union suchen.

          Merkel in Auschwitz : Die Bausätze des Hasses

          Die Lehre von Auschwitz lautet: Wehret den Anfängen! Schon die Vorgeschichte des Holocausts muss den Anhängern der freiheitlichen Demokratie daher eine Warnung sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.