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Interview : „Der Dollar muß weitere 15 Prozent fallen“

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Prof. Fred Bergsten, IIE Bild: IIE

Der Dollar hat sich nach dem jüngsten Schwächeanfall zwar leicht stabilisiert. Professor C. Fred Bergsten vom Institute for International Economics in Washington rechnet allerdings mit einer weiteren deutlichen Abwertung.

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          Der Dollar hat sich nach dem jüngsten Schwächeanfall zwar leicht stabilisiert. Allerdings sprechen noch viele Argumente gegen ihn.

          Professor C. Fred Bergsten vom Institute for International Economics in Washington rechnet mit einer weiteren Abwertung, vor allem gegen die asiatischen Währungen. Sollten sie nicht flexibler werden und sollte Amerika sein Budgetdefizit nicht glaubwürdig reduzieren, sei eine Dollarkrise und ein Kollaps des amerikanischen Rentenmarktes nicht völlig ausgeschlossen.

          Der Dollar zeigte in den vergangenen Wochen wieder einige Zeichen von Schwäche. Wie schätzen Sie die Lage ein?

          Der Dollar hat nach meiner Meinung erst die Hälfte des Anpassungsprozesses hinter sich, der nötig ist, um zu einer Korrektur des Leistungsbilanzdefizits zu führen.

          Heißt das, die Währung wird in Richtung auf zwei Dollar je Euro gehen?

          Nein, nicht unbedingt, denn ich rede von einem handelsgewichteten Wechselkurs. Als der Dollar vor ungefähr drei Jahren sein Hoch gesehen hat, war er nach unseren Berechungen im Verhältnis zu den anderen großen Währungen - gewichtet nach den Handelsströmen - etwa 30 Prozent überbewertet. Davon hat er im Durchschnitt erst die Hälfte korrigiert. Dabei hat er bisher vor allem gegen den Euro, dem britischen Pfund, dem kanadischen und dem australischen Dollar und den anderen flexiblen Währungen nachgegeben.

          Ist das noch nicht genug?

          Nein, in Zukunft brauchen wir zwei Dinge. Erstens muß der Dollar im Durchschnitt weitere 15 Prozent fallen. Zweitens eine Veränderung in der Zusammensetzung der Abwertungspartner. Denn bisher gab es nur eine geringe Bewegung gegen die Mehrheit der asiatischen Währungen und überhaupt keine gegen den chinesischen Yuan. Die asiatischen Staaten müssen in diesen Anpassungsprozeß einbezogen werden. Die Chinesen müssen ihre Währung aufwerten lassen oder - was ich persönlich vorziehen würde - müssen den Yuan auf einen Schlag deutlich verteuern. Auf diese Weise würden sie den umliegenden Staaten Spielraum bei ihren Währungen verschaffen, ohne ihre relative Wettbewerbsposition zu beeinträchtigen.

          Was, wenn nicht?

          Dann würde der Dollar sehr wahrscheinlich weiter gegen den Euro abwerten. Im Extremfall - wenn keine andere Währung außer dem Euro aufwerten würde, wären Kurse bis zu zwei Dollar je Euro nicht ausgeschlossen.

          Könnte die Europäer das akzeptieren?

          Nein, sicherlich nicht, sie würden sich wehren. Das wiederum würde die Ungleichgewichte in Amerika und eine spätere, aber irgendwann unvermeidliche Krise um so größer werden lassen.

          Wieso bewegt sich Asien nicht?

          Sie wollen nicht auf Ihre Überschüsse verzichten. Dabei ist die chinesisch Wirtschaft überhitzt: die Inflation nimmt zu und die Geldmenge expandiert rasch. Das Wachstum muß gebremst werden, was unter anderem durch eine Aufwertung der Währung erreicht werden könnte. Sie würde damit den internen als auch internationalen Erfordernissen entsprechen.

          Was muß passieren?

          Amerika und Europa sollten Druck auf China ausüben. Zunächst aber muß Amerika erst einmal gegen sein Budgetdefizit vorgehen, was die eigentliche Ursache für das Handelsbilanzdefizit ist. Es ist entscheidend, daß Präsident George Bush im kommenden Monat bei der Vorlage des Budgets einen wirklich glaubwürdigen Vorschlag macht, das Defizit zu reduzieren.

          Können sie „glaubwürdig“ näher definieren?

          Dazu sind deutliche Ausgabekürzungen notwendig und sehr wahrscheinlich auch höhere Einnahmen. Bush hat zwar versprochen, die Steuern nicht zu erhöhen. Es gibt allerdings verschiedene Wege, die Einnahmen zu erhöhen, ohne es Steuererhöhung zu nennen. Man könnte beispielsweise die Einkommensgrenze bei der Erhebung von Sozialversicherungsbeiträgen verschieben oder gar abschaffen.

          In welchen Bereichen rechnen Sie mit Ausgabekürzungen?

          Es gibt viele Programme, bei denen man sparen kann. Beispielsweise bei Agrarsubventionen, die überflüssig sind, und bei Subventionen im Bereich der Transportinfrastruktur, die im vergangenen Jahr massiv erhöht wurden. Im Sozialbereich muß die Formel verändert werden, nach der die Ansprüche berechnet werden. Sie sind bisher an die Lohn- und nicht an die Preisentwicklung gekoppelt und führen regelmäßig zu einer zu starken Erhöhung.

          Was bedeuten solche Maßnahmen für die amerikanische Wirtschaft?

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