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Internetwährung : Bitcoins oder das Geld-Missverständnis

Sie haben Konkurrenz bekommen: die herkömmlichen Währungen müssen sich nun auch mit Kryptogeld messen Bild: Dieter Rüchel

Die Beliebtheit der Internet-Währung Bitcoins basiert vor allem auf einem fundamentalen Nicht-Verstehen des Konzeptes von Geld. Geld ist eine soziale Erfindung. Den Einfluss des Menschen auf Null zurückzufahren, macht daher keinen Sinn.

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          Der Rauch nach dem ersten Crash hat sich gelegt. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit dümpelt die Internetwährung Bitcoins mittlerweile bei ungefähr 120 Dollar. Aber schon das ist eine Nachricht wert, denn genauer betrachtet ist sie rein gar nichts wert. Das unterscheidet das Internetgeld fundamental von anderen Bezahlmitteln. Während Gold auch nicht-monetär etwa als Schmuck eingesetzt werden kann und es für Papiergeld ein Stabilitätsversprechen vom Staat gibt, setzen Bitcoins nur auf das Vertrauen ihrer Nutzer. Sie glauben einfach, dass die digitale Währung irgendeinen Wert haben könnte.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Konzept hinter den Bitcoins entwickelte Satoshi Nakamoto. Wer sich hinter dem japanischen Pseudonym verbirgt, ist ungewiss. Nakamoto verschwand spurlos, nachdem das Konzept veröffentlicht wurde. Was die Bitcoins neben der mysteriösen Entstehungsgeschichte von anderen Währungen unterscheidet, ist die fehlende Kontrolle durch Politik, Banken oder andere Institutionen. Die Geldmenge kann nicht angehoben werden, die Währung nicht auf- oder abgewertet werden. Weder kann auf die Einlagen zugegriffen werden noch lassen sich Transaktionen untereinander verfolgen. An die Stelle der Geldpolitik ist ein Computeralgorithmus getreten, der höchstens bis zu 21 Millionen Bitcoins produzieren und nicht manipuliert werden kann.

          Nicht-Verstehen des Konzeptes von Geld

          Die Beliebtheit der Internet-Währung Bitcoins basiert vor allem auf einem fundamentalen Nicht-Verstehen des Konzeptes von Geld. Der oder die Erfinder von Bitcoins wünschen sich eine Währung, auf die der Mensch nicht zugreifen kann, weil er dazu neige, falsche Entscheidungen zu treffen. Der Wunsch ist verständlich in einer Zeit, in der die Notenbanken die Märkte mit Geld fluten und die Politik beschlossen hat, in Zypern auf Spareinlagen zuzugreifen. Die Erfinder und auch die Nutzer der Bitcoins glauben nun aber, Geld sei ein Naturkonzept und müsste daher starren Regeln unterworfen werden, die Menschen nicht manipulieren können.

          Es gibt viele gute Gründe, Notenbanken und Politik zu misstrauen. Zu oft wurden Versprechen schon gebrochen. Geld ist aber vor allem eine soziale Erfindung und damit sollten Notenbanken auch die Möglichkeit haben, die Geldversorgung der Märkte zu beeinflussen. Die Lösung kann also nicht darin liegen, wegen einiger falscher Entscheidungen den Einfluss des Menschen auf Null zurückzufahren. Zu groß wären die Gefahren, die von einer mangelnden Kontrolle von Geld ausgehen.

          Eine sogenannte Kryptowährung

          Denn Bitcoins sind eine sogenannte Kryptowährung. Jede Überweisung ist verschlüsselt, die Teilnehmer untereinander quasi nicht zu identifizieren. Das hat unbestreitbare Vorteil, etwa für Dissidenten in einigen Ländern. So sollen Bitcoins im Iran und in China sehr beliebt sein. Aber nicht umsonst wird die Währung schon teilweise als Drogenwährung bezeichnet, denn die Verschlüsselung der Transaktionen können sich auch Drogen- und Waffenhändler zugute machen. Steuerhinterzieher könnten nie enttarnt werden, die Aufdeckung eines Falles Uli Hoeneß wäre quasi unmöglich.

          Auch wenn die Währung selbst fälschungssicher ist, sind doch die virtuellen Geldbörsen der Nutzer anfällig für Hacker. Schlimmer noch: Einmal von Hackern entwendete Bitcoins können nicht mehr wiedererlangt werden. Die Verschlüsselung der Währung erlaubt zwar, die Bewegung des Geldes nachzuvollziehen, es ist aber unmöglich, den Kontoinhaber zu identifizieren. Daneben gibt es auf der ganzen Welt nur eine handvoll Läden, in denen mit Bitcoins bezahlt werden kann. Selbst im Internet sind es eher Nischenanwendungen, die Bitcoins akzeptieren.

          Trotzdem hat die Währung offensichtlich viele Anhänger. Während die ersten Bitcoins im Jahr 2009 gar nichts wert waren, wurden ein Jahr später schon zwei Pizzen für 10.000 Bitcoins gekauft. Zu Jahresanfang 2013 war ein Bitcoin etwa 10 Dollar wert, und danach begann eine beispiellose Ralley. In diesem April war ein Bitcoin schon 266 Dollar wert, kurz darauf fiel der Kurs aber um knapp 200 Dollar auf unter 70 Dollar. Damals machten Gerüchte die Runde, der größte Handelsplatz „Mt. Gox“ würde von Hackern angegriffen. Dieser wickelt nach eigenen Angaben 70 bis 80 Prozent aller Transaktionen ab. Viele Bitcoin-Nutzer fürchteten um ihre digitalen Münzen und verkauften panisch ihre Bitcoins. Dabei legte nur ein Nutzeransturm die Seite lahm.

          Das Interesse an der Währung ist rational nicht nachzuvollziehen, gerade wenn man bedenkt, dass der Keim des Scheiterns schon im Konzept liegt: Und zwar bei der höchstmöglichen Geldmenge, die etwa im Jahr 2021 erreicht sein wird. Wenn mehr und mehr Leute die Währung nutzen möchten, aber ein gleichzeitig höheres Angebot an Bitcoins ausbleibt, wird der Wert der Währung immer weiter steigen. Falls die Bitcoins aber täglich teurer werden, wird niemand mehr die digitalen Münzen ausgeben wollen. Und wenn jeder Bitcoins nur hortet, haben Bitcoins keinerlei Funktion mehr als Währung. Die Bitcoins wären nutzlos – bis zum nächsten Crash.

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