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Internationaler Finanzmarkt : Die Rückkehr der Schreckenswörter

Bild: F.A.Z.

Amerikaner und Chinesen geraten sich im Abwertungswettlauf immer erbitterter in die Haare, Japan interveniert am Devisenmarkt und der Fed-Vorsitzende Bernanke fürchtet nichts so sehr wie die Deflation. Die Märkte kehren zur Sprache der Baisse zurück.

          Abwertungswettlauf ist ein hässliches Wort. Es stammt aus den dreißiger Jahren, als in der Weltwirtschaftskrise viele der von den Ketten des Goldstandards befreiten Länder ihre Währungen abwerten wollten, um ihre Ausfuhren anzuregen - und sei es auch nur kurzfristig. Diese Strategie erhielt auch den Namen „Beggar thy neighbour“ - etwas frei übersetzt: Gewinne Vorteile auf Kosten deiner Nachbarländer. Die trüben Erfahrungen der dreißiger Jahre rufen nicht nach einer Wiederholung eines Abwertungswettlaufs. Umso bemerkenswerter ist das Wiederauftauchen dieses Begriffs in diesen Tagen an den Finanzmärkten.

          Die Amerikaner und die Chinesen geraten sich immer erbitterter in die Haare, weil die Chinesen den Amerikanern nicht den Gefallen tun und ihren Renminbi deutlich aufwerten wollen. Dass die Amerikaner angesichts ihrer lahmenden Binnenkonjunktur an einem schwächeren Dollar interessiert sind, liegt auf der Hand. Aber die Chinesen denken gar nicht daran, die Drehzahl ihrer Exportmaschine durch eine Aufwertung zu verringern. Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hat dagegen in einer Rede in New York die Leistungsbilanzüberschüsse als eine normale Erscheinung in der gegenwärtigen Entwicklungsphase bezeichnet.

          Devisenmarkteingriffe

          „Mit unseren Worten heißt das: Die Wechselkurspolitik Chinas wirkt als Schutz- und Erziehungszoll“, schreibt die Commerzbank in einem Marktkommentar. „Gerade unsere deutschen Leser sollten dem zustimmen. Die ,industrielle Revolution' in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wäre bei freien Wechselkursen kaum möglich gewesen. Deutschland profitiert noch heute von den positiven Folgen dieser Phase seiner Wirtschaftsgeschichte.“

          Schwache Konjunktur und hohe Arbeitslosigkeit: Ben Bernanke, Vorsitzender der Fed, sät Pessimismus

          Japan befindet sich nicht mehr in einer aufstrebenden Phase wie China, aber dennoch hat Tokio dieser Tage zum ersten Mal seit sechs Jahren am Devisenmarkt interveniert, um die Aufwertung seiner Währung zu bremsen. Auch dies dürfte den Amerikanern wenig gefallen; Proteste waren aber auch aus Südkorea und vom Leiter der Eurogruppe der Finanzminister, Jean-Claude Juncker, zu hören. Devisenmarkteingriffe gehören seit längerem auch zum Arsenal der Schweiz, die sich dieses Instrument ausdrücklich vorbehält, um einen zu starken Franken zu verhindern. Freunde machen sich die Steuermänner der Wechselkurse eher nicht: Schon in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts prophezeite der britische Ökonom John Maynard Keynes, dass hohe und hartnäckige Leistungsbilanzsalden zwischen Ländern erhebliche politische Spannungen mit unangenehmen wirtschaftlichen Folgen erzeugen können.

          Ungebrochene Wertschätzung des Euro

          Pessimismus sät auch der Vorsitzende der Fed, Ben Bernanke. Am Wochenende beklagte er in einer Rede in Princeton die schwache Konjunktur und die hohe Arbeitslosigkeit. Bernanke gilt als einer der kundigsten Erforscher der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre, und es ist bekannt, dass er wohl nichts so fürchtet wie die Wiederkehr des Gespenstes einer Deflation. Seine ernüchternden Reden lassen an den Finanzmärkten die Erwartungen weiterer geldpolitischer Lockerungen noch vor dem Jahresende steigen. Erwartet werden vor allem weitere Käufe von Staatsanleihen. Die Veröffentlichung des jüngsten Sitzungsprotokolls der Bank von England belegt, dass auch britische Geldpolitiker in diese Richtung denken.

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