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Internationaler Finanzmarkt : Die Rohstoff-Hausse ist jäh abgebrochen

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Bild: FAZ.NET

Die Korrektur der Rohstoffpreise nährt Ängste mit Blick auf die Konjunktur und Hoffnungen auf ein Abflauen der Inflation. Mit Spannung werden die Schätzungen der Inflation in Deutschland und die Reaktionen der Notenbanken im Herbst erwartet.

          Der drastische Rückgang mehrerer wichtiger Rohstoffpreise nährt an den Finanzmärkten Ängste und Hoffnungen: Zum einen wird befürchtet, dass das Ende der Rohstoff-Hausse der Vorbote eines kräftigen Abschwungs der Weltwirtschaft ist - worauf auch viele Konjunkturdaten hindeuten. Zum anderen macht sich an dem Preisrutsch aber auch die Hoffnung fest, dass der globale Teuerungsschub an Kraft verlieren wird.

          Im Euro-Raum deuten nun die meisten Konjunktur-Barometer auf einen kräftigen Abschwung hin. So ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juli von 101,2 auf 97,5 Punkte abgestürzt, der Index der europäischen Einkaufsmanager von 49,3 auf 47,8 Punkte. Dieser Wert ist so niedrig wie seit November 2001 nicht mehr und signalisiert eine sich anbahnende wirtschaftliche Kontraktion. Auch in Asien zeichnet sich ein Abschwung ab. Demgegenüber waren die amerikanischen Wirtschaftsdaten zuletzt durchwachsen. Am Donnerstag schürten ungünstige Berichte vom Immobilienmarkt die Angst, dass die Finanzkrise die gesamte Wirtschaft nach unten ziehen wird. Doch schon einen Tag später hellten günstige Daten zu den Auftragseingängen, dem Konsumentenvertrauen sowie den Eigenheimverkäufen die Stimmung wieder auf.

          Viele Faktoren spielen eine Rolle

          An den Rohstoffmärkten ist die fulminante Hausse jäh abgebrochen. Der CRB-Index, der aus den Terminpreisen von 19 Rohstoffen berechnet wird, ist seit dem 3. Juli um 13 Prozent abgesackt. Händler erklären dies zum Teil damit, dass die Investoren die konjunkturelle Abkühlung vorwegnehmen und deshalb Spekulationen auf weiter steigende Preise glattgestellt haben. Daneben könnte auch eine Rolle spielen, dass im amerikanischen Kongress Maßnahmen zur Eindämmung der Spekulation an den Energie-Terminmärkten debattiert werden.

          Was auch immer die Gründe sind: Seit dem Rekordhoch von 147 Dollar am 11. Juli ist der Preis für das Barrel WTI-Rohöl (159 Liter) an der Terminbörse bis zum Freitag um 16 Prozent auf 123 Dollar gefallen. Naturgas hat sich seit Anfang Juli sogar um 34 Prozent verbilligt. Der Preis für das Grundnahrungsmittel Mais ist seit dem Rekordhoch am 27. Juni um fast 25 Prozent gefallen, die Preise für Weizen und Sojabohnen seither um 15 und 16 Prozent. Viele Analysten gehen davon aus, dass der „Doppelschlag“ aus konjunktureller Abkühlung und fallenden Rohstoffpreisen viele Notenbanken dazu veranlassen wird, geplante Leitzinserhöhungen erst einmal auf Eis zu legen - und womöglich über Zinssenkungen zur Stimulierung der Konjunktur nachzudenken. Tatsächlich hat die neuseeländische Zentralbank in der vergangenen Woche den Leitzins aus diesem Grund von 8,25 auf 8 Prozent herabgesetzt - es war dort die erste Zinssenkung seit fünf Jahren. Im Euro-Raum sind die Renditen für zweijährige Schatzanweisungen, die stark auf Leitzinsspekulationen reagieren, im Wochenverlauf um rund 20 Basispunkte gefallen.

          Spekulationen über die EZB-Entscheidung

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