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Internationale Währungen : Reservepolitik dämpft die Ausschläge von Wechselkursen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Dollar ist während der Finanzkrise dank seiner hohen Liquidität von den Notenbanken der Schwellenländer als Reservewährung genutzt worden. Diese verkauften ihn zur Stützung ihrer Währungen. Nun stocken sie ihre Bestände wieder auf.

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          China will seine Währung, den chinesischen Yuan, in diesem Jahr um etwa 5 Prozent gegenüber dem Dollar aufwerten lassen. Im vergangenen Jahr hatte Peking nur zugelassen, dass die chinesische Währung um 3,6 Prozent teurer wurde. Massive Interventionen von China mit dem Ziel, einer stärkeren Aufwertung des Yuan vorzubeugen, hatten die Fremdwährungsreserven Chinas bis Ende September 2010 auf einen Rekord von 2,65 Billionen Dollar steigen lassen. Die angeblich weitgehend im ersten Halbjahr geplante Aufwertung des Yuan wurde am Mittwoch im China Securities Journal vermeldet, einer chinesischen Zeitung, die Anhaltspunkte über die Ansichten in Peking gibt.

          Mit Spannung warten die Marktteilnehmer an den Finanzmärkten, wie sich das Wechselkursgefüge von Dollar, Euro und anderen Reservewährungen in diesem Jahr entwickelt und ob sich die Zusammensetzung der Fremdwährungsreserven, vor allem in den Schwellenländern, deutlich verändern wird. Einerseits schwächt die immer wieder aufflammende Schuldenkrise der europäischen Peripherie-Länder den Euro. Andererseits steht auch der Dollar unter Druck, solange die amerikanische Notenbank an ihrer quantitativen Lockerung festhält, um sicherzustellen, dass sich der amerikanische Arbeitsmarkt erholt und das Wirtschaftswachstum Amerikas auf solider Grundlage steht. Zuletzt stärkte der Optimismus über die amerikanische Konjunkturerholung den Dollar und schwächten Sorgen über die Euro-Schuldenkrise den Euro auf 1,31 Dollar.

          Mix an Währungen

          Bisherige Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) über die Zusammensetzung der Fremdwährungsreserven (Cofer) zeigen, dass die Notenbanken der Schwellenländer den Dollar während der Finanzkrise dank seiner hohen Liquidität als Reservewährung genutzt, also zur Stützung ihrer Währungen verkauft hatten. Nach der Finanzkrise stockten sie ihre Dollar-Bestände aber wieder auf. Sie halten derzeit einen Mix an Währungen, der nicht darauf hindeutet, dass die Schwellenländer deutlich in andere Reservewährungen diversifizieren, also die Gewichtung des Dollar beschleunigt abbauen.

          Dies widerspricht Unkenrufen, der Dollar werde seinen Status als Reservewährung verlieren und Amerika werde sich nicht mehr günstig bei den internationalen Geldgebern refinanzieren können. Zweifel am Status des Dollar als Reservewährung hatte in der Londoner City gar die Verschwörungstheorie aufkommen lassen, dass die Amerikaner allein deshalb schon an einer Schwächung des Euro und einem Scheitern der Währungsunion interessiert sein könnten. Die Realität sieht anders aus: Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, also im vierten Quartal 2008 und im ersten Quartal 2009, verkauften die Schwellenländer umgerechnet Dollar-Bestände, berechnet in SDR - einer künstlichen Währungseinheit des IWF - in Höhe von 131,5 Milliarden SDR. „Paradoxerweise beweisen gerade diese massiven Verkäufe, dass die Schwellenländer Dollar wegen seiner Liquidität selbst während der Krise am leichtesten verkaufen konnten. Dies ist der Sinn von Reservewährungen“, sagt Jeffrey Young, Währungsanalyst von Barclays Capital. Als die Krise abflaute, kauften die Notenbanken wieder Dollar, und zwar bis heute 105,3 Milliarden SDR.

          Keine massiven Verkäufe im Euro zu verzeichnen

          Anders das Bild beim Euro: Während der Krise waren keine massiven Verkäufe im Euro zu verzeichnen. Je mehr sich die Euro-Schuldenkrise im Frühjahr zuspitzte und der Kurs des Euro unter Druck stand, desto größere Bestände kauften die Notenbanken der Schwellenländer, nämlich im ersten Halbjahr 2010 mehr als 47 Milliarden SDR. Als der Euro gegen Ende 2010 wieder aufwertete, gaben die Notenbanken wieder etwas Euro ab.

          „Es zeigt sich also, dass die Reservepolitik der Notenbanken stabilisierend an den Währungsmärkten wirkte, vor allem als sich der Euro im zweiten Quartal vergangenen Jahres und der Dollar im dritten Quartal abschwächten“, betont Jens Nordvig von Nomura. Allerdings haben die Notenbanken ihre während der Finanzkrise abgegebenen Dollar nicht vollständig wieder zurückgekauft. Sie haben damit den seit Jahren zu verzeichnenden leichten Abbau ihrer Dollar-Reserven fortgesetzt.

          Seit der Finanzkrise machte das Verhältnis von Dollar gegenüber Euro im Währungsmix neu angelegter Fremdwährungsreserven 66 Prozent zugunsten des Dollar und 33 Prozent zugunsten des Euro aus. „Dies entspricht dem historischen Durchschnitt und zeigt, dass die Finanzkrise zumindest mit Blick auf die Reservepolitik kaum lang andauernde Auswirkungen hatte“, heißt es bei Barclays Capital.

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