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Inflationsdruck : Asien kämpft gegen den enormen Zustrom an Kapital

Inflationsgefahr: Auf dem vierten Asiatischen Finanzforum in Honkong wurde über Maßnahmen zur Regulierung der steigenden Kapitalzuflüsse beraten Bild: dpa

Die Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer werden sich in diesem Jahr beschleunigen und können Instabilitäten hervorrufen. Chinesische Vertreter wollen deshalb den Konsum im Inland stärken und eine Aufwertung des Yuan vermeiden.

          Die Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer werden sich in diesem Jahr beschleunigen und können Instabilitäten hervorrufen. Diese Befürchtung äußerte Anthony Bolton, Fondsmanager des Vermögensverwalters Fidelity, auf dem Asiatischen Finanzforum am Montag in Hongkong. Im Mittelpunkt des Treffens standen die hohen Kapitalströme in die rasant wachsenden Volkswirtschaften der asiatisch-pazifischen Region, vor allem nach China. Diese sind Folge der niedrigen Zinsen in den etablierten Industrieländern.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den Schwellenländern sind die Notenbanken schon dazu übergegangen, mit höheren Leitzinsen gegen den Inflationsdruck anzukämpfen. Die steigenden Zinsen in China verstärken nach Ansicht von Norman T.L. Chan, Chef der geldpolitischen Behörde Hongkongs, die Markterwartung einer Aufwertung der chinesischen Währung Renminbi (Yuan). Ein höherer Yuan-Kurs ziehe noch mehr Kapital an. Peking hat bisher nur eine minimale Aufwertung zugelassen, die nach Ansicht der Vereinigten Staaten aber bei weitem nicht ausreicht. Die von Chan geleitete Hongkong Monetary Authority ist vor allem mit der Verwaltung der Währungsreserven der chinesischen Sonderverwaltungszone betraut. Die frühere britische Kronkolonie besitzt mit knapp 270 Milliarden Dollar die achtgrößten Devisenreserven der Welt.

          Ein nicht akzeptables Niveau

          Die hohen Handelsbilanzüberschüsse Chinas halten auch Vertreter der Volksrepublik für eine Gefahr. Entsprechend kritisch äußerte sich Huang Qifan, Bürgermeister der chinesischen Megametropole Chongqing, mit mehr als 30 Millionen Einwohnern inzwischen die größte Stadt auf der Welt. Die Handelsbilanzüberschüsse machten im Jahr gut 300 Milliarden Dollar aus und dürften die Währungsreserven der Volksrepublik in absehbarer Zeit von derzeit 2,6 Billionen auf 5 Billionen Dollar anschwellen lassen. Das sei ein nicht akzeptables Niveau, sagte Qifan und forderte eine Stärkung des inländischen Konsums. Die chinesischen Vertreter waren sich einig darin, dass die Handelsbilanz ausgeglichener werden müsse.

          Doch für eine Aufwertung des Yuan, wie sie die Vereinigten Staaten seit geraumer Zeit fordern, sprachen sich die chinesischen Vertreter nicht aus. Vielmehr setzten die chinesischen Redner, darunter Levin Zhu, Präsident der China International Capital Corporation (CICC), oder Cheng Siwei, Vorsitzender des Internationalen Finanzforums in Peking und ehemals Vorsitzender des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses, auf höhere Lohneinkommen und verbesserte soziale Leistungen.

          Blasenbildung bekämpfen

          Als wirksamstes Mittel zur Eindämmung von Kapitalzuflüssen bezeichnete Ong Chong Tee, Direktor der geldpolitischen Behörde Singapurs, flexible Wechselkurse. Darüber hinaus wertete er den Abbau von Hemmnissen für Kapitalabflüsse als hilfreich. Chong Tee verwies auch auf die Möglichkeiten von Steuern oder Begrenzungen von Kreditfinanzierungen, um eine durch Kapitalzuflüsse drohende Blasenbildung am Immobilienmarkt zu bekämpfen. Die spekulativen Kapitalzuflüsse könnten Vermögenspreisblasen hervorrufen, pflichtete K.C. Chan, Finanzsekretär Hongkongs, bei. Der richtige Umgang damit stelle für Asien eine größere Herausforderung als die Finanzkrise dar. Hongkong habe deshalb frühzeitig die Beleihungsgrenzen für Immobilienfinanzierungen gesenkt.

          Es sei derzeit noch zu früh, um von einer Vermögenspreisblase in China zu sprechen, sagte Fidelity-Fondsmanager Bolton. Dass es dazu kommen könne, hält er jedoch für möglich. Der Investmentstratege, der für die amerikanische Fondsgesellschaft einen auf China fokussierten Aktienfonds verwaltet, schätzt chinesische Aktien noch immer als aussichtsreich ein. Gleichwohl seien die Bewertungen nicht mehr günstig.

          Neue Reservewährung der Welt

          Auf die Gefahr überschuldeter Gebietskörperschaften in China machte Cheng Siwei aufmerksam. Seinen Worten zufolge sind die Regionalbehörden mit 7,6 Billionen Yuan (860 Milliarden Euro) verschuldet. Ein Drittel der Gebietskörperschaften laufe Gefahr, die Verbindlichkeiten nicht mehr zurückzahlen zu können, warnte er.

          Ein weiterer Schwerpunkt in den Diskussionen auf dem inzwischen vierten Asiatischen Finanzforum bildete die Rolle Hongkongs in der Internationalisierung des Yuan. Der Chef der Hongkonger Administration, Donald Tsang, berichtete von einem sprunghaften Anstieg der auf Yuan lautenden Handelsabwicklung am Finanzplatz Hongkong. In den ersten elf Monaten 2010 seien dort Transaktionen im Volumen von 270 Milliarden Yuan abgewickelt worden. Das sei die Hälfte der gesamten in Yuan abgerechneten Warengeschäfte.

          Zudem entwickele sich Hongkong zu einem wichtigen Platz für Emissionen von Yuan-Anleihen. Im zweiten Halbjahr 2010 wurden laut Tsang 16 Yuan-Anleihen über 35 Milliarden Yuan begeben. Unter den Emittenten befanden sich auch amerikanische Unternehmen wie Caterpillar oder McDonald’s. Der Chairman der britischen Großbank Standard Chartered, John Peace, schätzt den Aufbau eines Yuan-Marktes in Hongkong als sehr wichtig für die weitere Entwicklung Chinas ein. Er erwartet langfristig, dass die chinesische Währung als Reservewährung der Welt eine ähnliche Bedeutung wie der amerikanische Dollar erlangen werde.

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