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Industrierohstoffe : Zinssenkung gibt Industrierohstoffen Aufwärtsimpulse

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Die konjunkturelle Zündkraft der Zinssenkung ist noch offen. Die Preiswirkung hat sich bereits ergeben. Öl ist so teuer wie nie und die Industriemetall-Bullen wittern Morgenluft.

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          Ob der Entschluss der amerikanischen Notenbank, die Zinsen zu senken, die erhoffte Wirkung haben wird, die Kreditkrise zu beenden und eine Rezession in den Vereinigten Staaten zu verhindern, ist noch offen. Eines scheint indes gewiss: Die Preise werden steigen, zumindest wenn man von der ersten Reaktion der Aktienmärkte, vor allem aber der Rohstoffbörsen ausgeht.

          Im Gefolge der Zinssenkung haben die Preise für Öl, Gold und wichtige Industriemetalle angezogen. Der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte WTI verteuerte sich am Dienstagabend auf 82,38 Dollar und lag damit so hoch wie nie zuvor. Nachdem er zunächst etwas zurückgekommen war, kletterte er am Mittwoch nach der Veröffentlichung der wöchentlichen amerikanischen Öllagerbestände auf ein neues Rekordhoch, gab dann allerdings wieder etwas nach.

          Ölpreis nimmt 85 Dollar ins Visier

          Die Rohöl-Vorräte sind in der abgelaufenen Woche um 3,8 Millionen Barrel auf 318,8 Millionen Barrel zurückgegangen, während Experten mit einem Rückgang um lediglich zwei Millionen Barrel gerechnet hatten. Begrenzt wurde der Preisanstieg durch die überraschend gestiegenen Benzinlagerbestände, die um 0,4 Millionen Barrel auf 190,8 Millionen Barrel zulegen konnten. Hier waren die Experten von einem Rückgang um 900.000 Barrel ausgegangen. Zudem konnten die Bestände an Destillaten (Heizöl, Diesel) mit 1,5 Millionen Barrel auf 135,5 Millionen Barrel deutlicher als erwartet zulegen.

          Das nahm der Spekulation etwas die Luft, wonach Engpässe bei Fertigprodukten den Rohölpreis treiben könnten. Indes gehen die Rohölmärkte von einem grundsätzlich neuen Szenario aus, wonach die Notenbank eine Rezession verhindern kann und daher die Nachfrage nach Rohstoffen hoch bleiben dürfte. „Nach der Zinssenkung ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die amerikanischen Konjunktur doch nicht so hart landet wie befürchtet, daher der neue Schub beim Ölpreis“, sagte Rohstoff-Experte Frank Schallenberger von der LBBW.

          „Jetzt wird der Markt die 85 Dollar ins Visier nehmen“, sagte Stratege Tony Nunan von Mitsubishi Corp in Tokio. Unter Berücksichtigung der Inflation kostet Rohöl indes immer noch deutlich weniger als zu Beginn des Krieges zwischen Iran und Irak 1980, als ein Barrel im Jahresdurchschnitt umgerechnet auf heutige Preise gut 90 Dollar kostete.

          Mettalhändler rechnen auf mehr Nachfrage außerhalb Chinas

          Auch die Preise für Industriemetalle erhielten durch die Zinssenkung Auftrieb. „Der große Zinsschritt sollte die Konjunktursorgen der Marktteilnehmer zunächst etwas zerstreuen“, urteilt Schallenberger. Die Tonne Kupfer verteuerte sich bis Mittwoch um 3,8 Prozent auf 7890 Dollar, Zink kletterte um vier Prozent auf 2939 Dollar je Tonne, der Blei-Preis stieg um 4,3 Prozent auf 3277 Dollar je Tonne. Nach Spekulationen über eine stärkere Nachfrage von Edelstahlproduzenten legte Nickel um mehr als zehn Prozent auf 34.239 Dollar je Tonne zu.

          All diese Preissteigerungen sind Hoffnungen auf eine starkes Anziehen der Weltkonjunktur. Die bislang seit anderthalb Jahren tendenziell stabilen Metallpreise wurden vor allem durch die chinesische Nachfrage gestützt. Für den Kupfermarkt etwa vermeldete die Internationale Kupferstudiengruppe (ICSG) ein Defizit von 340.000 Tonnen im ersten Halbjahr, was praktisch allein auf die starke chinesische Nachfrage und Produktionsausfälle zurückgeht, wohingegen außerhalb Chinas der Verbrauch um weniger als ein Prozent stieg.

          Ähnliches gilt für Aluminium, wo Händler trotz steigender Lagerbestände und einer enormen Expansion der chinesischen Aluminiumproduktion zuletzt mit stabilen Preisen gerechnet hatten. Steigende Frachtraten würden zudem die Preise für den Rohstoff Bauxit in die Höhe treiben, ebenso wie die geringe Qualität indischer und indonesischer Erze.

          Zink zeigt Schwächen

          Das immense Wachstum der chinesischen Aluminiumproduktion hatte viele Beobachter zu der Voraussage eines großen Angebotsüberschusses veranlasst. Nach jüngsten Daten hat sich Chinas Aluminiumerzeugung im August um 32 Prozent erhöht. Doch ein Engpass bei Tonerde und Bauxit, der zu einer Ausweitung der Einfuhren führte, treibt die Preise.

          Zink stand dagegen unter Druck, da die Internationale Blei- und Zinkstudiengruppe (ILZSG) zuletzt einen Überschuss von 10.000 Tonnen für die ersten sieben Monate vermeldet hatte, nachdem im gleichen Abschnitt des Vorjahres noch ein Defizit von 293.000 Tonnen bestanden hatte.

          Dies gilt für die meisten Anleger jetzt als überholt, rechnen sie doch mit einer stärkeren Ausweitung der Nachfrage außerhalb Chinas. Ob und inwieweit sich das als korrekte Antizipation erweist, ist derzeit offen. In den kommenden Wochen könnte dies allerdings die Metall- und Ölpreise erst einmal weiter antreiben.

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