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Industriemetalle : Verborgener Zinnschatz im Erzgebirge

Eine Geologin prüft den Bohrkern einer Probebohrung von der Zinnlagerstätte bei Gottesberg im Vogtland. Bild: dapd

Im sächsischen Erzgebirge befindet sich eines der größten Zinnvorkommen der Welt im Wert von mehr als 2,5 Milliarden Euro. Das ergaben Probebohrungen. Dies könnte der Beginn eines neuen Bergbaubooms im Osten sein, denn steigende Rohstoffpreise machen den Abbau wieder rentabel.

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          Im sächsischen Erzgebirge befindet sich nach Angaben der Deutschen Rohstoff AG eines der weltweit größten bekannten Zinnvorkommen, das noch komplett unerschlossen ist. 115.000 Tonnen Zinn sollen in Gottesberg liegen, weitere 44.000 Tonnen in Geyer. Damit wären beide Vorkommen bei dem derzeitigen Rohstoffpreis etwa 2,5 Milliarden Euro wert. Neben Zinn befinden sich noch andere Rohstoffe wie Zink, Wolfram, Indium und Kupfer in der gleichen Lagerstätte. So werden allein in Gottesberg etwa 63.000 Tonnen Kupfer vermutet. „Die Lagerstätte muss sich aber auch allein aus den Zinnerlösen tragen“, sagt Jörg Reichert, Chefgeologe der Deutschen Rohstoff AG. Der Rest sei nur Zugabe.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Deutsche Rohstoff AG hatte zuvor zwischen November 2011 und April dieses Jahres insgesamt acht Bohrungen durchgeführt. Dabei wurden 2150 Meter Bohrkerne gezogen, von denen 9 Tonnen in Schweden und Kanada untersucht wurden. Zwar hatten bereits zu DDR-Zeiten Geologen die Lagerstätten erkundet, aber nun bestätigten unabhängige Gutachter erstmals den aus diesen historischen Daten vermuteten Zinngehalt. „Wir konnten aber mit diesen teilweise 50 Jahre alten Aufzeichnungen nicht zu Investoren gehen und seriös Mittel einwerben“, sagt Thomas Gutschlag, Finanzvorstand der Deutschen Rohstoff AG. Nächster Schritt seien eine Machbarkeitsstudie und eine Wirtschaftlichkeitsanalyse. „Aktuell bereiten wir unter Hochdruck schon neue Explorationsbohrungen vor, die wesentlich tiefer gehen werden“, sagt Geologe Reichert. Mit diesen Bohrungen möchte man an noch genauere Daten kommen.

          Schon 6 Millionen Euro für Zinnförderung eingesammelt

          Jetzt fehlt vor allem Geld, das die Deutsche Rohstoff AG momentan versucht zu sammeln. Dazu wurde mit der Tin International eine Tochtergesellschaft in Australien gegründet, die zu 61 Prozent der Deutschen Rohstoff AG gehört und zu 39 Prozent verschiedenen Investoren, die größtenteils in Asien und dem pazifischen Raum sitzen. Bisher wurden mittels zweier Kapitalerhöhungen schon insgesamt 6 Millionen Euro eingesammelt. Ein weiterer zweistelliger Millionenbetrag soll folgen, wenn Tin International dieses Jahr in Sydney an die Börse gehen wird. Aber selbst falls genug Geld zusammen kommen sollte: Vor 2017 wird die Mine nicht in Betrieb gehen.

          Aktuell werden weltweit jährlich etwa 335.000 Tonnen Zinn gefördert. Ein Gutes Drittel davon wird als Lötmaterial verwendet. Außerdem werden Legierungen für Münzen, Weißbleche oder andere elektronische Bauteile hergestellt. Jährlich rechnen Fachleute mit einem Nachfragewachstum von 10 Prozent. Zwar ist der Zinnpreis in den vergangen beiden Jahren tendenziell gefallen, aber insgesamt im letzten Jahrzehnt deutlich gestiegen. Eine Tonne Zinn kostet aktuell etwa 15.600 Dollar.

          Gestiegene Rohstoffpreise machen Abbau in Deutschland wieder attraktiv

          Schon bis zum Jahr 1990 wurde im sächsischen Altenberg Zinn abgebaut – nach der Wende wurde der Abbau aber gestoppt, da er unrentabel war. Auf der Suche nach einer Nachfolgelagerstätte für Altenberg wurden unter anderen die Orte Gottesberg und Geyer untersucht.

          Durch die gestiegenen Rohstoffpreise lohnt es sich nun auch wieder in Ländern wie Deutschland, Minen zu eröffnen – Lagerstätten mit hohen Erschließungskosten sind auf einmal rentabel. Gerade im Erzgebirge finden zur Zeit viele Explorationsvorhaben statt (F.A.Z. vom 16. Juni). Neben Zinn wird nach Kupfer, Silber und Lithium gesucht. Nicht umsonst ist das Erzgebirge unter Bergbauunternehmen beliebt: Die Region weist eine 850 Jahre lange Bergbautradition auf und gilt als eine der am besten erkundeten Bergbaugegenden der Welt.

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