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Industriemetalle : Nur die Spekulation spricht für Nickel

  • Aktualisiert am

Nickelmine von Norilsk Nickel Bild: Norilsk Nickel

Nicht alle Industriemetalle haben sich in den vergangenen Monaten steil nach oben entwickelt. Zurückgeblieben ist neben Zinn auch Nickel. Das liegt nicht zuletzt am tendenziell nachgebenden Stahlmarkt.

          3 Min.

          Die Metallpreise sind im Aufwärtstrend. Für Edelmetalle ging es im vergangenen Jahr 19 Prozent, für Basismetalle sogar im Schnitt 36 Prozent aufwärts. Nicht alle Metalle konnten indes davon gleichermaßen profitieren.

          Zink legte im vergangenen Jahr als Spitzenreiter um 76 Prozent zu, fast alle anderen Metalle brachten es auf 20 bis 50 Prozent Plus und notieren derzeit nahe oder auf ihren Mehr-Jahres-, wenn nicht Allzeit-Hochs (siehe Graphik). Zwei Metalle aber hinken derzeit noch hinter her: Zinn, das aber in den vergangenen Wochen aber bereits mächtig aufholte (Zinn hat den Abwärtstrend durchbrochen) und Nickel.

          Stahlproduktion spricht nicht für Nickel

          Nickel ist in bedeutendes Legierungsmetall, das vor allem zur Stahlveredelung verwendet wird und aus dem bekannte Nickellegierungen wie Neusilber, Konstantan, Nickelin und Monel hergestellt werden. Durch Vernickelung werden Metalloberflächen korrosionsbeständig. Ferner wird Nickel in Batterien verarbeitet und findet Verwendung als Tiegelmaterial und Bestandteil von Münzen und Katalysatoren.

          Damit hängen die Fundamentaldaten für Nickel letztlich stark am Preis für rostfreien Stahl. Und die Stahlpreise sind derzeit tendenziell auf dem Rückzug. Auch haben sich nach Daten der Macquarie Bank die Angebots-Nachfrage-Verhältnisse seit November 2004 tendenziell entspannt. Während der weltweite Verbrauch leicht zurückging, ist die Produktion etwas stärker gestiegen und so ist aus dem Nachfrageüberhang wein Angebotsüberhang geworden.

          Auch die Analysten von Bache Financial sind eher pessimistisch. Zwar erwarten sie eine Erholung der Nachfrage aus dem Edelstahlsektor und trotz eines starken Produktionsanstiegs für das laufende Jahr ein Defizit von 15.000 Tonnen im laufenden Jahr. Dennoch sehen sie den mittleren Kassapreis auf 14.000 von 14.734 Dollar im vergangenen Jahr fallen. 2007 werde die Produktion stärker steigen als der Bedarf und so sei mit einem Überschuß von 15.000 Tonnen und einem mittleren Preis von nur noch 12.000 Dollar zu rechnen.

          Furcht vor Edelstahlflut aus China dämpft Nachfrage

          Das Stahl-Analyse-Institut MEPS vermißt zwar die Nachfrage nach Nickel angesichts des Preisanstiegs von mittlerweile zwölf Prozent im laufenden Jahr. Schließlich seien die Nickelvorräte bei den Weiterverarbeitern und Verbrauchern inzwischen schon auf ein denkbar niedriges Niveau heruntergefahren worden.

          Indes halten die Produzenten von rostfreiem Stahl derzeit viel auf Produktionsdisziplin, halten ihre Produktionskürzungen durch und versuchen so den Stahlpreis zu stabilisieren. Das hat die Nachfrage gedämpft und zu hohen Lagerbeständen an der Londoner Metallbörse geführt.

          Hinzu kommt, daß aus China eine Exportwelle von Edelstahl befürchtet wird, die sich indes nicht unbedingt auf Nickel-Importe niederschlägt, da China bei Nickel weniger knapp ist als bei anderen Metallen. Unter anderem findet sich in Gansu das größte Nickelvorkommen Asiens. Die befürchtete Exportwelle veranlaßt die Stahlproduzenten sich auch bei Nickel zurückzuhalten.

          Hoffen auf Indien und die Spekulation

          Was daher in diesem Jahr für eine Erholung sorgte, waren vor allem die Nachfrage von Rohstoff-Fonds. Deren spekulative Aktivitäten trennt derzeit nach Ansicht einiger Analysten die Preise der Basismetalle von den fundamentalen Gegebenheiten. Über die Ausmaße herrscht indes Uneinigkeit. UBS-Analyst Robin Bhar sieht die bei Nickel zwischen LME-Lagerbeständen, Preisen und Marktbilanz wie bei Kupfer und Blei nur eine schwache Korrelation.

          Dagegen kam die Macquarie Bank in einem Modell zu dem Schluß, daß die Nickelpreise noch die geringste Abweichung von den modellierten Preisen zeigten. Und die Nachfrage der Fonds auf den Rohstoffmärkten ist nun mal eine Realität, die ihre Auswirkungen auf die Preise hat. Die Tatsache, daß Nickel in der Preisentwicklung zurückgeblieben ist, könnte zunehmend Interesse auf sich ziehen, wie dies seit Jahresbeginn schon zu verfolgen ist.

          Für eine Nachholbewegung bei Nickel sprechen auch ein paar fundamentale Gegebenheiten. Besonders setzen die Marktteilnehmer dabei auf Indien. Der Nickelverbrauch des zweitbevölkerungsreichsten Landes der Erde wird nach Ansicht von Industrie- und Regierungsvertretern in den kommenden Monaten gerade dank der niedrigeren Preise zunehmen, Der Rostfreiproduzent Jindal Stainless verzeichnet eine höher Nachfrage, und will die Kapazität ausweiten, wodurch der Importbedarf an Nickel steigen dürfte. Indes läßt die indische Regierung den Einsatz von Nickel in Münzen auslaufen.

          Was derzeit vor allem für Nickel spricht, ist die Spekulation auf die Spekulation. Dies ist auch der wesentliche Faktor für die Preissteigerungen, denn an der Fundamentalfront sprechen die Daten eher gegen das Metall. Bleibt hingegen die Edelstahlexportwelle aus China aus und sollte sich die Handelsbilanz Chinas bei Edelstahl wieder zuungunsten des Reichs der Mitte verkehren, dürften die Nickelpreise wieder anziehen.

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