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Industriemetalle : Fusionsfieber zeigt Beruhigung am Stahlmarkt

  • Aktualisiert am

Viele spricht für eine Beruhigung auf dem Stahlmarkt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die geplante Übernahme von Arcelor durch Mittal Steel ist aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung Stahl Ausdruck des Potentials der Branche. Für andere Beobachter kommt darin die Beruhigung zum Ausdruck, die die Preise seit Jahresfrist hat fallen lassen.

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          Freitag geht es an der Börse bisweilen ruhiger zu. Der letzte Freitag des Januars macht da eine Ausnahme. Nachdem die Aktien der niederländischen Mittal Steel und des luxemburgischen Stahlkonzerns Arcelor zunächst stundenlang vom Handel ausgesetzt waren, ließen die Holländer die Bombe platzen.

          Sie kündigten ein Übernahmeangebot in Höhe von 28,21 Euro je Aktie an. Damit wird Arcelor mit 18,6 Milliarden Euro bewertet. Das Angebot stellt den Angaben zufolge eine Prämie von 28 Prozent zum Schlußpreis von Arcelor am Donnerstag dar. Dem vorrangigen Angebot zufolge erhalten Arcelor-Anteilseigner vier Mittal-Aktien und 35,25 Euro in bar für fünf Arcelor-Aktien.

          Stühlerücken im Stahlsektor

          Das fusionierte Unternehmen würde nach Angaben Mittals eine Pro-Forma- Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden Dollar aufweisen. Für das vergangene Jahr 2005 habe der Pro-Forma-Umsatz der beiden Unternehmen zusammen 69 Milliarden Dollar und das Vor-Steuer-Ergebnis (Ebitda) 12,6 Milliarden Dollar betragen. Das jährliche Stahl-Produktionsvolumen werde bei 100 Millionen Tonnen liegen. Mittal rechnet in Folge eines Zusammenschlusses mit Synergien von einer Milliarde Dollar.

          Als ob die Elefantenhochzeit zwischen dem Weltmarktführer und der Nummer zwei nicht genug gewesen wäre, teilte Mittal mit, den kanadischen Produzenten Dofasco, der gerade erst der Übernahme durch Arcelor zugestimmt hat, an den deutschen Stahlkonzern Thyssen-Krupp zu verkaufen - und zwar zu eben jenem Preis den die Düsseldorfer zuletzt für Dofasco geboten hatten, bevor Thyssen-Krupp aus dem Bieterwettstreit ausgestiegen war.

          Damit nimmt die Dynamik der Bewegung auf dem Stahlmarkt weiter zu. Der gebürtige Inder Lakshmi Mittal hat bereits in den vergangenen Jahren durch eine Reihe spektakulärer Übernahmen einen Stahlgiganten geschmiedet, der im vergangenen Jahr Arcelor als Nummer eins überholte. Diese Position wäre mit der Übernahme von Dofasco durch Arcelor zumindest bedroht.

          Der Stahlmarkt gilt als Boombranche...

          Und Thyssen-Krupp hätte die Chance zum Aufholen verpaßt. Denn mit Dofasco hätte der deutsche Anbieter Rang Sechs vor der chinesischen Shanghai Baosteel eingenommen (siehe Graphik). Wie Thyssen-Krupp bekannt gab, war man mit Mittal Steel schon längere Zeit über den Deal einig. Arcelor lehnt dagegen einen Kommentar zu Mittals Übernahmeplänen weiter ab. Laut Mittal hat sich die Arcelor-Führung in Vorgesprächen aber skeptisch zu einer Fusion geäußert.

          Gleich wie die Reise nach Jerusalem auf dem Stahlmarkt ausgeht, es zeigt deutlich, wie sehr die Großunternehmen bemüht sind, sich auf dem Markt zu positionieren. Dies ist eigentlich immer ein Anzeichen, daß sich der Markt in der Endphase eines Booms oder gar in einer rezessiven Phase befindet.

          Das mag daher überraschen, gilt doch der Stahlmarkt landläufig als unendlicher Boommarkt, auf dem sich die Nachfrage überschlägt. Dieser Eindruck entsteht nicht zuletzt aufgrund der Erfolgsmeldungen der börsennotierten Stahlkonzerne wie Salzgitter, Voestalpine oder eben Thyssen-Krupp.

          ... doch einiges deutet auf eine Normalisierung hin

          Salzgitter etwa kündigte erst am Donnerstag an, daß man 2005 mit einem „exorbitant hohen Gewinn“ abschließen werde. Beim Umsatz sei erstmals die Grenze von sieben Milliarden Euro überschritten werde. Doch die Quartalsergebnisse bis zum dritten Vierteljahr 2005 zeigen bereits einen zyklischen Trend. Konnte bis zum ersten Quartal des Jahres 2005 das Vorsteuerergebnis kontinuierlich um fast das Zehnfache gesteigert werden, so befindet es sich seitdem auf dem Rückzug und lag im dritten Quartal nur noch halb so hoch wie im ersten und sogar 20 Prozent unter dem des vierten Quartals 2004.

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