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Indonesien : Größte Mine der Welt geschlossen

Die Grasberg-Mine in Indonesien Bild: AP

Eine der schmutzigsten Minen der Welt wurde in Indonesien geschlossen, nachdem mehrere Arbeiter verunglückten. Investoren fürchten solche Unfälle und Streiks, da die Folgekosten gigantisch sind.

          Die Maschinen stehen immer noch still. Seit dem 14. Mai ist der Grasberg-Tagebau, eine der größten Kupfer- und Goldminen der Welt, geschlossen. Täglich wurden hier zuletzt über 1200 Tonnen Kupfer gefördert. Nun läuft gar nichts mehr. Denn an diesem Tag gab es ein dramatisches Unglück, als ein Tunneleinsturz 28 Bergleute unter sich begrub. Kurz darauf verstarb ein Lastwagenfahrer nach einem Unfall in der Mine. Das reichte den Gewerkschaften: Sie forderten die insgesamt 24 000 Arbeiter dazu auf, die Arbeit in dem riesigen Tagebau niederzulegen. Sie riskieren für Stundenlöhne von lediglich 3 bis 4 Dollar ihr Leben. International üblich verdienen Minenarbeiter mindestens 17 Dollar Gehalt, die Regel sind sogar eher 40 Dollar je Stunde.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die indonesische Regierung erklärte auf Druck der Gewerkschaften dem Betreiber Freeport McMoran, dass die Mine bis zum Abschluss der Untersuchungen geschlossen bleiben soll. Die Behörden schätzen, dass bis zur Aufklärung der Vorwürfe bis zu zwei Monate vergehen können. Der Aktienkurs von Freeport litt in der Zwischenzeit kräftig. Die Aktie verlor bis zu etwa 9 Prozent an Wert und notiert aktuell noch bei 31 Dollar. Denn Grasberg ist eine der rentabelsten Minen der Welt, kaum irgendwo sind die Förderkosten so niedrig. Pro Tag ohne Förderung macht Freeport etwa 4 Millionen Dollar Verlust, das sind bisher schon knapp 100 Millionen. Sollten sich die Streiks noch zwei weitere Monate fortsetzen, könnten sich die Verluste auf 350 Millionen Dollar summieren. Da in einer der größten Minen der Welt momentan nicht mehr gefördert wird, kletterte auch der Preis für Kupfer. Aktuell notiert eine Tonne bei 7400 Dollar, zum Unglückstag waren es nur 7100 Dollar. Freeport konnte die Nachfrage ohne Förderung lediglich drei bis vier Tage decken, so niedrig waren die Reserven. Auch in den Häfen dürften die Lager leer sein, diese reichen im Schnitt für drei Wochen. Damit dürfte der Kupferpreis noch weiter anziehen.

          Das Problem rückt immer mehr in den Fokus

          Dabei ist die Mine nur die drittgrößte ihrer Art. Die größte befindet sich in Chile, hört auf den Namen Escondida und fördert jährlich etwa 1,3 Millionen Tonnen Kupfer. In einem relativ kleinen Gürtel in Chile befinden sich fünf der zehn größten Kupferminen der Welt. Daher stellt Chile auch knapp 40 Prozent des weltweiten Kupferangebots. Aber auch hier gibt es Probleme, besonders Umweltschäden machen dem Land zu schaffen. Von 340 Millionen Tonnen, die im Jahr gefördert werden, sind 251,5 Millionen Tonnen giftiger Abfall. Dagegen protestieren mittlerweile immer mehr Menschen und fordern einen für die Natur verträglicheren Bergbau. Das Problem rückt immer mehr in den Fokus. Denn kaum eine Industrie versteht es so gut wie die Bergbauindustrie, die Schäden zu verheimlichen, die sie verursacht. Neben der Zerstörung der Natur, wenn auf einem mehrere Hektar großen Areal Bäume abgeholzt werden und Kubikkilometer an Abraum wegtransportiert werden müssen, leidet die Natur besonders darunter, wenn das Erz vom Metall getrennt wird. Das wird mit hochgiftigen Stoffen gemacht, die dann versickern oder im besten Fall noch abtransportiert werden. Aber auch wenn Metall verwittert, entstehen Giftstoffe wie Schwefelsäure. Beispiel Norilsk, die größte russische Kupfermine: Der sibirische Ort mit 175 000 Einwohnern gilt nach offiziellen Angaben des russischen Statistikamtes als die verschmutzteste Stadt Russlands. Allein in der Grasberg-Mine sind das 238 000 Tonnen Giftstoffe täglich, die dabei entstehen - und einfach in einen nahe gelegenen Fluss geschüttet werden. In den meisten Ländern ist das verboten. Müsste Freeport hier nachrüsten, würde das wieder den Gewinn schmälern - und die Aktienkurse belasten. Aber auch Investoren ziehen sich zurück, weil sie mit solch schmutzigen Geschäften nichts mehr zu tun haben wollen: So verkaufte das norwegische Finanzministerium im Jahr 2008 Aktien im Wert von 500 Millionen Pfund des Unternehmens Rio Tinto - da diese an Freeport beteiligt sind.

          Investoren fürchten mittlerweile die ständigen Streikaktivitäten sowie schlechte Presse durch Umweltschäden. Denn die Verluste, die sich anhäufen, wenn nur wenige Tage nicht gefördert wird, sind gigantisch. Neben dem fehlenden Geld entsteht vor allem ein Reputationsverlust. Wenn sich Unternehmen nicht mehr auf ihre Lieferanten verlassen können, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Unternehmen andere Lieferanten aus zuverlässigeren Ländern suchen werden.

          Die Bergbaukonzerne können sich Streiks nicht mehr leisten

          Daneben wird die Förderung der begehrten Rohstoffe aber auch sonst immer teurer. Die Bergbaukonzerne müssen immer tiefer graben und finden dabei immer weniger Metalle. Während die Erze 1980 noch etwa 1,6 Prozent Kupfergehalt hatten, sind es heute nur noch 1,2 Prozent - Tendenz weiter fallend. Auch bei Gold sieht es nicht wesentlich besser aus.

          Da können es sich die Bergbaukonzerne nicht leisten, auch noch in andere Probleme verstrickt zu werden. Für Freeport könnten Streits über Arbeitsbedingungen und Umweltschutz noch weiterreichende Konsequenzen haben. Aktuell verhandelt das Unternehmen mit der indonesischen Regierung über den weiteren Betrieb der Mine. Diese dürften nun mindestens belastet sein.

          Schon länger gibt es Bestrebungen in Indonesien, die Rohstoffvorkommen stärker selbst auszubeuten statt das Unternehmen aus anderen Ländern zu überlassen. Diese Forderungen dürften nun wieder lauter werden. Aktuell läuft die Bergbaulizenz von Freeport noch bis ins Jahr 2021 - einigen sich die Partner nicht, könnte dann Schluss mit der Produktion sein. Dabei hatte Freeport große Pläne. Ab 2016 sollte das Bergwerk ausgebaut werden und dann zum größten seiner Art werden. Sollten sie die Lizenz verlieren, müssten nicht nur diese Pläne in die Schublade wandern. Auch die Infrastruktur in Form von Häfen, Städten und Straßen, die der Konzern jahrelang mühevoll aufbaute, müsste er abschreiben.

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